Der Kampf um die Systeme spitzt sich zu: Die Energie für unsere Autos kommt in Zukunft sicher nicht aus dem Wasserstoff-Tank. Sagt der Chef des größten Automobilherstellers der Welt.

Herbert Diess, VW
Herbert Diess, CEO des VW-Konzerns, erklärt ausführlich, warum eFuels und Wasserstoff keine Alternativen zu Benzin oder Diesel sind. Foto: VW

In der gebeutelten Automobil-Industrie tobt ein Kampf um Systeme, Förderungen und Milliarden. Gerade hat in Deutschland der Bundesverband Fuhrparkmanagement (BVF) in einer Aussendung die Technologie-Offenheit gefordert und gegen die einseitige Forcierung der Batterie-Autos gewettert. Man möge nicht der „Planwirtschaft“ das Wort reden, sondern neben den BEV (Battery-Electric-Vehicle) auch e-Fuels und Wasserstoff fördern.

Nun hat der Vorstandschef der weltgrößten Automobilschmiede Volkswagen, Herbert Diess, dem (wieder einmal) launig widersprochen: Die Effizienz eines Wasserstoff-PKW wäre deutlich niedriger, man müsste also etwa drei Mal so viel Erneuerbaren Strom erzeugen um diesselbe Strecke zurückzulegen.

Wasserstoff PKW gegen BEV VW Grafik

Der Gesamtwirkungsgrad eines Batterieautos beträgt 76 Prozent, der Wasserstoff-PKW kommt nur auf 30 Prozent. Quelle: VW

Diess erklärt in dem Aufsatz anhand des VW-Golf, dass der Weg in Richtung Batterie-Auto gehen muss: „Mit den neuesten und allen absehbaren zukünftigen rein verbrennungsmotorischen Konzepten kann man weder mit Dieseln noch Benzinern bei vertretbarem Komfort und Sicherheitsanforderungen an das Fahrzeug (Golfklasse) die EU-Flottenziele und damit auch die Klimaziele erreichen. Die 99g von heute verfehlt man knapp, die Ziele für 2030 – voraussichtlich rund 55g sind mit Verbrennern definitiv nicht erreichbar. Ein Vergleich mit dem kleineren VW UP würde auch zeigen, dass ein weiteres Downsizen der Fahrzeuge keine nennenswerten Verbesserungen bringt - aber deutliche Abstriche im Komfort im Vergleich zum Golf.“

Was spricht gegen Wasserstoff und synthetische Krafstoffe?

Diess: „Warum aber setzen wir für die Pkws nicht auf synthetische Kraftstoffe oder grünen Wasserstoff? Nicht aus Sturheit oder Verschlossenheit – unsere Forschung dazu ist sehr umfassend und reicht lange zurück. Wir haben die Forschung auch nicht eingestellt. Im Gegenteil: Gerade weil wir uns mit allen Alternativen zum Verbrenner intensiv beschäftigt haben, legen wir uns so klar auf die E-Mobilität fest.

Grüner Wasserstoff, der in Brennstoffzellen im Auto für den elektrischen Antrieb verbrannt wird, ist wirtschaftlich für den Pkw-Bereich und wahrscheinlich auch für weite Teile des LKW-Betriebes nicht vertretbar. Herbert Diess, VW.

Alternative, synthetische Kraftstoffe haben im Vergleich eine schlechtere Energiebilanz. Für die Herstellung muss ein Vielfaches an erneuerbaren Energien verwendet werden als beim E-Antrieb.

Die Unterhaltskosten steigen also enorm – der Großteil der synthetischen Kraftstoffe wird heute nicht CO2-frei produziert, da dies einfach zu teuer ist. Auf absehbare Zeit wird sich das nicht ändern. Synthetische Kraftstoffe wird man aber dort benötigen, wo Elektrifizierung unmöglich ist z.B. bei Flugzeugen oder in der Schifffahrt - oder vielleicht in vielen Jahren, wenn alles elektrisch fährt für unsere Oldtimer - die wir ja nicht aufgeben wollen.

Grüner Wasserstoff, der in Brennstoffzellen im Auto für den elektrischen Antrieb verbrannt wird, ist wirtschaftlich für den Pkw-Bereich und wahrscheinlich auch für weite Teile des LKW-Betriebes nicht vertretbar. Die Betriebskosten eines Wasserstofffahrzeugs sind, abhängig vom speziellen Fahrprofil, ca. zwei- bis dreimal höher als die eines vergleichbaren E-Autos, weil die Wirkungsgrade von der Wasserstoffelektrolyse über die aufwendige Verteilung bis zur Verbrennung in der Brennstoffzelle deutlich kleiner sind. Im E-Auto werden ca. 70% der Windmühlenenergie in Bewegung im Auto umgesetzt, Wasserstofffahrzeuge setzen hingegen nur 20 bis 30% davon um.“ (Diess)

Warum aber setzen wir für die Pkws nicht auf synthetische Kraftstoffe oder grünen Wasserstoff? Nicht aus Sturheit oder Verschlossenheit – unsere Forschung dazu ist sehr umfassend und reicht lange zurück. Wir haben die Forschung auch nicht eingestellt. Im Gegenteil: Gerade weil wir uns mit allen Alternativen zum Verbrenner intensiv beschäftigt haben, legen wir uns so klar auf die E-Mobilität fest. Herbert Diess (VW)

VW-Chef Dr. Herbert Diess auf LinkedIn: „Also: Von Technologieoffenheit zu sprechen, klingt schön, kommt sicher auch bei vielen Leuten gut an – besonders bei den Firmen, die noch am Verbrenner klammern und hoffnungslos auf Zeit spielen.“

VW-Chef Diess auf Linkedin

(hst)

 

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