STUDIE – Elektrische Heizungen seien den Günen Gasen vorzuziehen, besagt eine Studie der Arbeiterkammer.

Biogas
Noch gibt es nur eine sehr kleine Biogaserzeugung in Österreich – wie diese in Hagenbrunn/NÖ. Foto: Starmühler

Die beiden BOKU-Wissenschaftler, Johannes Schmidt und Sebastian Wehrle stellen im Rahmen des AK-Klimadialogs im Juni 2021 ihre Studie „Edelsprit für alles? - Bedarf und Angebot an Grünen Gasen in Österreich“ vor.  Her einige 

Zu wenig Rohstoffe für alle
Das Potential an ungenutzten Roh- und Reststoffen, die für die Erzeugung von Biomethan herangezogen werden können, sei beschränkt. Möchte man große Mengen an Biomethan erzeugen, so kommt man rasch in Konflikt mit der Lebens- und Futtermittelproduktion. Für die Produktion großer Wasserstoffmengen braucht es außerdem viel zusätzlichen, erneuerbaren Strom.

Grüne Gase nur, wenn nichts Anderes geht
„Wegen ihrer hohen Kosten und ihres hohen Flächenbedarfs sollten Grüne Gase nur dort eingesetzt werden, wo es keine effizientere Alternative gibt. In vielen Fällen ist der direkte Einsatz von Strom, dem Einsatz von Grünem Gas vorzuziehen. Dies gilt vor allem für die private Wärmeversorgung und den Individualverkehr“, so Studienautor Sebastian Wehrle.

Fossile Energie Ö Grafik AK
Nutzung fossiler Energien in Österreich nach Sektoren, 2019. Grafik: AK-Studie

Wasserstoff und Biomethan besser für die Industrie
Wasserstoff und Biomethan sollte in erster Linie dort eingesetzt werden, wo sie für die Dekarbonisierung notwendig sind, etwa in der Stahlerzeugung, der chemischen Industrie oder beim Schwerverkehr. Als Energiespeicher, um Stromüberschüsse aus dem Sommer in den Winter zu bringen, wird Wasserstoff in Kombination mit Fernwärme- Gaskraftwerken auch eine wichtige Rolle spielen.

Energienetze zukunftsfit machen
Wenn mehr Strom und Grünes Gas genutzt werden, muss man andere Energienetze (wie Erdgas) entsprechend anpassen. „Wir müssen das Gasnetz zukunftsfit machen, und darüber nachdenken, was wir in Zukunft brauchen werden und was nicht.

Biomasse Potenzial Ö AK Studie 2021
Nur ein geringer Teil des Theoretischen Potentials kommt überhaupt für die reale Produktion in Zrage. Tabelle. AK-Studie 

Veraltete Strukturen
Führen wir eine ehrliche und offene Debatte darüber, was Grünes Gas leisten kann und wo seine Grenzen sind. Zu hohe Erwartungen könnten uns dazu verleiten, an Strukturen festzuhalten, die wir für Grünes Gas gar nicht brauchen und die uns länger als nötig, vom Erdgas abhängig machen,“ betont AK-Energieexperte, Josef Thoman.

Energie-Netze rascher ausbauen!
Gleichzeitig müssen Strom-, Wasserstoff- und Wärmenetze in den kommenden Jahren massiv ausgebaut werden. „Das bietet neue Jobchancen. Diese müssen wir im Sinne von „Just Transition“, also einem gerechten Strukturwandel, für die Menschen nutzen,“ so Thoman.

Wer zahlt wofür?
Im Mittelpunkt müssen die soziale Dimension und die Leistbarkeit stehen - besondere für private Haushalte. Aber auch die Notwendigkeit der Dekarbonisierung der energieintensiven Industrie gilt es zu berücksichtigen. Zusätzlich brauchen wir einen rechtlichen Rahmen, der durch klare Vorgaben Rechtssicherheit für die notwendigen Investitionen schafft und das Risiko für Fehlinvestitionen minimiert.

„Absurde Förderungen“
Diese Transformation kostet viel Geld und diese Kosten müssen gerecht verteilt werden: „Dass eine kleine Gruppe, wie die Gaskunden, für die Förderung von Grünen Gasen und damit für die Dekarbonisierung der Industrie zahlen sollen, ist absurd,“ sagt Thoman. Er sieht die Politik am Zug und betont, dass öffentliche Mittel für Biomethan und Wasserstoff notwendig sind.

Hier geht es zur Studie: Bedarf und Angebot an Grünen Gasen in Österreich, Johannes Schmidt, Sebastian Wehrle (BOKU) (0,6 MB)
Die Grenzen von Biomethan und Wasserstoff

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