Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin

KOMMENTAR: Der Preiskampf im Luftverkehr nimmt immer ruinösere Ausmaße an.

Sky Europe – einer der vielen Billigflieger, die schon aufgegeben haben. Foto: Starmühler
Sky Europe – einer der vielen Billigflieger, die schon aufgegeben haben. Foto: Starmühler

Wer sich ein Bild machen möchte über Auswüchse und Auswirkungen modernen Reisens, der sollte Klimawandel und Flugverkehr nicht aus den Augen verlieren. Denn nicht unwesentlich und jedenfalls überproportional stark trägt das Fliegen zum Klimawandel bei. Wer auf die Bahn verzichtet und stattdessen in den Düsenjet steigt, trägt ungleich mehr zum CO2-Ausstoss und damit zur Klimaveränderung bei. Soweit so bekannt.

Billigflieger im Verdrängungsflug
Nun ist es aber doch recht praktisch, um 29,90 Euro schnell mal auf einen Shopping-Nachmittag nach Barcelona zu jetten. Doch abgesehen von Moral und Menschenverstand zeigt sich hier auch eine bedenkliche Seite der Verkehrswirtschaft: Die CO2-Schleudern fliegen einfach nicht wirtschaftlich. Es geht sich nicht aus, mit den Tarifen zu reussieren. Denn wie die FAZ kürzlich berichtete, macht Eurowings damit 600.000 Euro Verlust. Tag für Tag, im Durchschnitt der ersten neun Monate des vergangenen Jahres. Und wer zahlt das dann?

Wir alle fliegen mit
Die Muttergesellschaft heißt Lufthansa, und die finanziert ihrer Tochter den Verdrängungswettbewerb. Und wir fliegen alle mit. „Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung sind vorrangige Ziele der Lufthansa Group“, schreibt die Mutter auf ihrer Website. Und jeder und jede Einzelne von uns wird wahrscheinlich auch sagen, dass intakte Umwelt ganz wichtig sei. Nur handeln wir nicht so. Viele von uns jedenfalls nicht.

Widerstand regt sich
Zunehmend wird die Vielfliegerei diskutiert und kritisiert. „Flugscham“ ist zwar nicht gerade ein Massenphänomen, aber der Same geht langsam auf. Auch die Kompensation der CO2-Verbräuche mittels Einzahlung in Umweltprojekte (wie z.B. in Aufforstungen) kommen nicht in Mode. Laut AUA werden sie von nicht einmal einem Prozent der Fluggäste dazugekauft. Man möchte es eben gerne billig.

„Künstlichen Bedarf schaffen“
Widerstand regt sich dafür an anderen Orten: So zerpflückt die Rechtsanwältin Dr. Susanne Heger in einem Briefwechsel ausführlich die Argumente der Niederösterreichischen Landeshauptfrau Mikl-Leitner. Tenor: Arbeitsplätze und Wirtschaftlichkeit werden eher schöngerechnet –  nur die Billigflieger sorgen für die erhofften Zuwächse am Flughafen und werden von demselben übermäßig umworben. Zum Schaden von Umwelt (und Anrainern).  Heger, die die ehrenamtlich für den Verein „BürgerInnen für Transparenz, Kostenwahrheit und Nachhaltigkeit in der Luftfahrt“ arbeitet, schreibt: „Die dritte Piste schafft Überkapazitäten, für die mit Billigstpreisen künstlicher Bedarf geschaffen werden müsste.“ Nach zwei Monaten antwortete die NÖ-Landesregierung mit den bereits ursprünglich kritisierten Argumenten.

Wandel zeichnet sich ab
Manager, Urlauber, Eltern und Kinder – immer öfter kommt das Thema Fliegen auf den Diskussionstisch. Längst ist klar geworden, dass die Billigfliegerei zumindest in Europa zwar nicht abstürzt, aber schon im Sinkflug begriffen ist. Der Druck auf die Politik, umweltschäliche Subventionen zu stoppen, wird größer. Das ist immerhin ein gutes Zeichen im gerade begonnenen Jahr 2020.

Ihr
Herbert Starmühler
(Herausgeber energie-bau.at)

 

 

 

 

 

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber dieser Publikation energie-bau.at und verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur und Energieeffizienz. Als seit Jahren leidenschaftlicher E-Auto-Fahrer und Bezieher eigenen Sonnenstroms ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

Kommentare  

#1 Anonym 2020-02-03 07:56
Ich würde oft lieber mit dem Zug fahren, aber solange Zugtickets (Langstrecke) das doppelte kosten und die Fahrzeit auch noch länger ist, habe ich weder bei meinem Arbeitgeber noch für meine private kleine Geldbörse ein Argument und die Möglichkeit.
Kurzstrecke: auch hier würde ich gerne mit dem Zug fahren, jedoch muss ich erst einmal aus dem Dorf zum Bahnhof fahren und dort sind die P+R viel zu klein somit immer voll.
Es wird Zeit, dass die Politik in dieser Richtung etwas tut.

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