Bei der Neuen Weststadt Esslingen kommt der Strom vom Dach der Wohnblöcke und aus erneuerbaren Netzquellen. Aus den Überschüssen wird Wasserstoff erzeugt – Initiator Prof. Norbert Fisch erklärt, warum und wofür.

Serie: Wasserstoff im Wohnquartier

Was nützt uns der Wasserstoff im Wohnbau? Ein neuer Stadtteil in Esslingen probiert es.


Grün ist nicht nur die Wiese im entstehenden Quartier Weststadt Esslingen – auch der Wasserstoff ist aus erneuerbaren Quellen gespeist. Foto: siz-egs.de

Er ist ein langjähriger Bekannter in der Szene, Vollbluttechniker und kann durchaus als einer der Vorkämpfer für die Energiewende gelten. Und der Universitätsprofessor Norbert Fisch hat sich auch an dem Projekt Neue Weststadt im Rahmen seines Ingenieurbüros selbst finanziell beteiligt.

Prof. M Norbert FischHerr Prof. Fisch, warum dieser zentrale Fokus auf Wasserstoff in diesem Projekt?

Das ist ganz einfach: Um die Ziele der Energiewende zu schaffen, um die Decarbonisierung nach den Plänen bis 2050 zu erreichen, ist grüner Wasserstoff unerlässlich. Wir müssen den Bedarf reduzieren. Und wir müssen die erneuerbaren Ausbauen. Wir haben in Deutschland derzeit rund 43 % Strom aus Erneuerbaren und haben jetzt schon extrem hohe Überschüsse an Strom. Wenn wir nun ein Vielfaches davon produzieren, stellt sich die Frage, was wir mit überflüssigem Strom machen, wenn die Sonne scheint und der Wind weht – und die Mengen gerade nicht verbraucht werden.

Und warum nicht große Batterien verwenden, also elektrochemische Speicher?

Weil die Energiedichte von Wasserstoff unschlagbar hoch ist.  Ein Kilogramm Wasserstoff hat um den Faktor 10 - 20 mal mehr Energie als Sie in einen Kilogramm Batterie speichern können. In einem Liter Öl, also ca. 1 Kilogramm stecken 10 kWh Strom, in einem Kilo Wasserstoff die dreifache Menge. Die Energiedichte ist unschlagbar. Und wie viel CO2 ist jetzt in der Batterie? Die Batterie ist eine CO2-Keule, zumal sie meistens dort erzeugt werden, wo kaum Erneuerbare Energie für ihre Produktio verwendet wird. Deshalb ist Grüner Wasserstoff unabdingbar. 

Wasserstoff grau blau gruen

Wie die Erzeugung von Wasserstoff unterschieden werden kann. Grafik: SIZ-EGS

Also sprechen wir hier nur von Wasserstoff, der aus erneuerbarem Strom hergestellt wurde und wird?

Ja, alles andere ist Greenwashing. Wir haben die Notwendigkeit, die Windenergie und vor allem die Photovoltaik rasant auszubauen – und damit den Wasserstoff zu erzeugen. Das Ganze ist ja auch eine Preisfrage: Es wird darüber diskutiert, Wasserstoff aus Australien, Chile, oder Marokko zu importieren. Warum? Weil dort der Strom nur 3 oder vier Cent pro Kilowattstunde kostet. Mit 10 oder 20 Cent pro kWh kann ich keinen Wasserstoff erzeugen. Aber die Photovoltaik ist mittlerweile zu einem sehr sehr niedrigen Preis verfügbar. Die letzten Ausschreibungen lagen bei 3,6 ct / kWh, das war vergangenes Jahr. Wer hätte sich das träumen lassen?

Weitere Infos zum Projekt:

TEIL 1: Wasserstoff-Heizung für ein neues Wohnquartier in Esslingen (D)

TEIL 3: (online am 27.5.2020) Der Elektrolyseur, der Wasserstoff und die Nutzung

Ingenieurbüro von Prof. Fisch: www.egs-plan.de

 

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