Die Innendämmung ist vor allem hinsichtlich der Renovierung eines älteren Baubestandes eine Alternative zur Außendämmung. Allerdings gibt noch einige offene Fragen.
Die Innendämmung ist vor allem bei denkmalgeschützten Gebäuden eine gute Dämmmöglichkeit. Foto: pixhere
Die Außendämmung bei Fassaden gilt als besonders effizient. Denn der massive, tragende Teil der Wand nimmt bei einer Außendämmung die Innenraumtemperatur an, während sie bei der Innendämmung beinahe die Außentemperatur hat. Darum wird der Außendämmung ein größeres Einsparpotential und ein geringeres Schadensrisiko zugeschrieben. Jedoch ist die Außendämmung nicht immer möglich. Etwa jedes dritte Gebäude kann nicht von außen gedämmt werden. Beispielsweise, weil die Fassade denkmalgeschützt ist. Eine Alternative stellt die Innendämmung dar, die herausfordernd sein kann, jedoch auch ihre Vorteile hat. 

So behält die Fassade nicht nur ihr äußeres Erscheinungsbild, sondern es heizen sich die Innenräume auch schneller auf und vermitteln den Bewohnern ein angenehmeres Temperaturempfinden an der Wandinnenseite. Darüber hinaus ist auch die Montage bequem und oft kostengünstiger.
Umgekehrt entstehen durch einbindende Bauteile wie Wände und Decken Wärmebrücken, und im Sommer kommt es oft zu einer schnelleren Überhitzung der Räume. Im Winter trocknet die Außenwand hingegen langsamer, da diese kalt bleibt, weshalb auch die Frostgefahr bei wasserführenden Leitungen in der Tragekonstruktion höher ist – auch die Möglichkeit von Tauwasserbildung innerhalb der Konstruktion. Neben der Brand- und Schallschutzproblematik stellt für die Bewohner die Verkleinerung der Wohnfläche durch die Innendämmung einen Nachteil dar.

Im Fokus der Forschung
Ein EU-Forschungsprojekt entwickelt derzeit Richtlinien zum Umgang mit der inneren Wärmedämmung in historischen Gebäuden. Fachverbände und Fachmedien aus ganz Europa sind eingeladen, sich dem Projektnetzwerk anzuschließen (www.ribuild.eu). Historische Gebäude, die vor 1945 gebaut wurden, machen einen bedeutenden Teil des europäischen Gebäudebestandes aus. Viele dieser Gebäude haben einen großen architektonischen und kulturellen Wert, verbrauchen aber mehr als 30 Prozent des gesamten Energieverbrauchs von Gebäuden in Europa. Daher sind sie ein wichtiger Schwerpunkt, um die ehrgeizigen Klimaschutz- und Energieziele der EU zu erreichen.

Die energieeffiziente Innendämmung der Außenwände ist ein Schlüsselfaktor, da der architektonische und kulturelle Wert der historischen Gebäude nicht beeinträchtigt werden darf. Möglicherweise können 15 bis 20 Prozent des Energieverbrauchs eingespart werden, wenn eine Innendämmung installiert wird. Die Installation der Innendämmung in historischen Gebäuden ohne Beeinträchtigung des kulturellen und architektonischen Erbes der Gebäude kann jedoch auch mit einem gewissen Ausfallrisiko und hohen Kosten verbunden sein. Das EU-Forschungsprojekt RIBuild wird noch bis Ende dieses Jahres untersuchen, wie die innere Wärmedämmung sicher und robust eingesetzt werden kann.
„Viele historische Gebäude sind mit Wärmedämmern nachgerüstet, aber oft verursacht die Dämmung neue Probleme wie Feuchtigkeitsschäden. Wir benötigen Kenntnisse über den Umgang mit der Innendämmung in historischen Gebäuden“, so der Projektkoordinator und Senior Researcher Ernst Jan de Place Hansen vom Dänischen Bauforschungsinstitut der Aalborg University Kopenhagen.

Richtlinien für Praktiker
Zehn Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus Dänemark, Schweden, Lettland, Deutschland, Belgien, Italien und der Schweiz beteiligen sich am RIBuild-Projekt. Auf diese Weise deckt RIBuild verschiedene Klimazonen und Bautraditionen ab, die zu Richtlinien führen, die auf historische Gebäude in ganz Europa angewendet werden können. „Jeder Gebäudetyp weist bestimmte Merkmale auf, die angegangen werden müssen. Die im RIBuild-Projekt erarbeiteten Richtlinien helfen den Praktikern dabei zu bestimmen, ob ein Gebäude für die Innendämmung geeignet ist und welche Lösung gewählt werden soll “, erläutert Ernst Jan de Place Hansen das Ziel der Initiative. (thd)

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