Bedingt durch die Klimaerwärmung müssen Österreichs Städte mit heißeren Sommern und länger anhaltenden Hitzeperioden rechnen. Was das konkret heißt wurde am Beispiel von drei Pilotstädten modelliert.

Serie: Serie: Hitze in der Stadt

Wie kann Urban Climate Quality Mapping helfen, um städtischer Überhitzung entgegenzuwirken? Eine Studie zeigt Pilotanwendungen in Mödling, Klagenfurt und Salzburg.


Begrünung, Verschattung, Bewässerung – was hilft im Kampf der Städte gegen die Hitze? Illustration: Natalie Sandner / UBA

Geht man von einem gemäßigten Klimaszenario (RCP 4.5) aus und vergleicht man die Ausgangsperiode 1981 bis 2010 mit der Periode 2021 bis 2050, so wird sich die Anzahl der Sommertage (Lufttemperatur > 25°C) im Durchschnitt um 30% erhöhen. Für die Periode 2071 bis 2100 wird eine Steigerung der Sommertag um rund 40% im Vergleich zu heute vorausgesagt. 

 

Tabelle Erwärmung Sommertage

Im Vergleich dazu: 80 Sommertage pro Jahr entspricht den aktuellen Hitzebedingungen in Bordeaux. Für die Stadtplanung stellt sich nun die Frage, ob die eigene Stadt für derartige Hitzeperioden gerüstet ist und ob man mit vorausschauender Planung die Auswirkungen von Hitzeperioden mildern kann. Die Schattenleistung von Objekten und die Kühlleistung von Grünflächen und Wasserflächen können hier einen ganz wesentlichen Beitrag leisten. Für die Stadtplanung empfiehlt es sich daher eine Karte mit sensiblen Hitzegebieten zu erstellen, das heißt eine Ausweisung jener Gebiete, die nach Klimamodell RCP 4.5, im Jahr 2050 unzureichend gekühlt sein werden und damit absehbar urbane Gebiete mit höherer Belastung bzw. Gefährdung darstellen. 

Alle Register müssen gezogen werden
Damit stehen Planungsgrundlagen für eine langfristige, klimagerechte Infrastrukturentwicklung zur Verfügung. Die Simulationsergebnisse für verschiedene Strategien in den drei Pilotstädten zeigen, dass auf eine Kombination aller verfügbaren und lokal umsetzbaren urbanen Kühlstrategien zurückgegriffen werden muss, um signifikante Verbesserungen zu erzielen. Ebenso sollten für Neubaugebiete Mindeststandards für die Ausstattung mit Grün- und Blauflächen definiert werden und die Verschattung berücksichtigt werden. 

Ohne Zusammenarbeit wird es nicht gehen
Auch das ein Ergebnis des Projektes. Es ist eine regionale Zusammenarbeit von Gemeinden notwendig, weil bei Maßnahmen zur Minderung der urbanen Aufheizung in Hitzeepisoden ein erheblicher, zusätzlicher Mehrwert für jede einzelne Gemeinde entsteht.

In einem GIS-basierten Urban Climate Quality Mapping (UCQM) müssen in Zukunft verschiedene vorhandene Informationen und neue Daten digital zusammengeführt, transparent und qualitätsgesichert in kleinen Schritten verarbeitet, sowie für verschiedene Nutzungen sinnvoll dargestellt werden. 

Förderungen für Hitzevermeidung
In einem Fazit erklären die Forscherinnen und Forscher: „Mit dem Urban Climate Quality Mapping (UCQM) stehen der Verwaltung allgemein und insbesondere für die Raumordnung, für Förderprogramme, für kommunale Dienstleistungen und Schutzmaßnahmen, für die faktenbasierte Information und Kommunikation mit der Bevölkerung und Investoren, sowie für partizipative, strategische Prozesse und Planungsentscheidungen differenzierte und integrierte Planungsgrundlagen in hoher räumlicher Auflösung zur Verfügung.“ 

Effizienz kommunaler Dienstleistung steigern
Zusätzlich bietet UCQM für bestimmte kommunale Dienstleistungen die Möglichkeit die Effizienz zu steigern. Beispiele dafür sind die Bewässerung von Grünflächen und Bäumen im Rahmen der kommunalen Wasserversorgung, der Schutz vor Starkregenereignissen durch Entsiegelung, der Brandschutz für Grünflächen durch Bewässerungsschwerpunkte und durch Blauflächen, sowie der Boden- und Artenschutz durch Biotope und neue Kaltlufterzeugungs-Schutzflächen. +++ 

Die beteiligten Forscher*innen im Projekt ADAPT-UHI (KR17AC0K13693):Umweltbundesamt: Alexander Storch, Wolfgang Schieder, Gundula Prokop; Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik: Maja Žuvela Aloise, Brigitta Hollosi, Sandro Oswald; IIASA: Linda See; IPAK*: Stefan Guggenberger, Wolfgang Hafner; ESCP Europe Wirtschaftshochschule Berlin e.V.: Daniel Johnson;  (hst)

 

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