Aber NGO kritisiert Hintertür beim Gaskesseltausch: „EVN & Wirtschaftskammer blockieren Energiewende“.

Heizen mit Erdgas – ein Auslaufmodell. Foto: Herbert Starmühler

Nun ist's amtlich: Nach Kohle und Öl ist auch Erdgas ein No-Go bei Heizungen. Das umweltschädliche Heizmittel darf – wie in anderen Ländern ähnlich geregelt – nicht mehr bei neuen Heizungen in Österreich verwendet werden. Wer eine alte Gasheizungen am Laufen hat, muss sie in den kommenden Jahren gegen Wärmespender mit erneuerbaren Brennstoffen austauschen.

So sieht der Zeitplan aus:

2023
In Neubauten dürfen keine Erdgasheizungen mehr eingebaut werden. Ausnahmen gibt es für bereits genehmigte und fertig geplante Gebäude und Häuser, die schon in Bau sind. Kaputte Kohle- und Ölheizungen dürfen nur mehr durch erneuerbare Heizsysteme ersetzt werden. In Neubauten sind Kohle- und Ölheizungen bereits seit 2020 verboten.

2025

Besonders alte Kohle- und Ölheizungen (Baujahr 1980 und älter) müssen ab jetzt getauscht werden. Dazu gibt es umfangreiche Förderungen.

2035

Alle Kohle- und Ölheizungen müssen durch ein erneuerbares Heizsystem ersetzt sein.

2040

Alle Erdgasheizungen müssen durch ein modernes, erneuerbares Heizsystem ersetzt sein.

Für die Kesselbauer ist es keine Katastrophe, auch wenn die Interessensverbände Wind machen und sich beklagen, weil der Österreichische Gesetzgeber quasi eine ganze Heizungsgattung ausgetauscht hat, statt Grenzwerte zu formulieren o.ä..

Doch wie so oft ist das Wort von der „Technologieoffenheit“ eher das Klagelied der Todgeweihten, die ihr Sterben hinauszögern wollen. Denn die Gasheizung – mit Sprit aus dem Klimakiller Erdgas – ist aus der Zeit gefallen.

ABER: Damit Lobbying auch einen Sinn hat, konnten die Pressure-Groups immerhin einen Ehrentreffer schießen. Der Gesetzgeber lässt Gasbrenner weiterhin zu, wenn erneuerbar hergestelltes Gas, im Werbesprech „Grünes Gas“ genannt, verwendet wird.

> Weitere Infos:

GRÜNES GAS II: Die Argumente der Heizungsbranche
GRÜNES GAS III: „Große Versorgungslücke bei grünem Gas“ 
GRÜNES GAS IV: „Viel zu wenig Rohstoff für grünes Gas“ 

Das Grüne Gas gibt es zwar praktisch nicht, aber die Lobbyisten können wenigstens weiterhin Rechnungen schreiben. Das regt aber einige Umwelt-Gruppen, NGOs kräftig auf.

„Hintertür für Gasheizungen“

Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 kritisiert die „Hintertür für Gasheizungen“, die die Energiewende gefährde: „Das Gesetz sieht vor, dass Ölheizungen bis 2035 ausgetauscht werden und Gasheizungen im Neubau nicht mehr eingebaut werden dürfen. Der Umgang mit den 900.000 Gasheizungen im Bestand bleibt aber weiter strittig.

Im Gesetz ist eine Hintertür eingebaut, mit der der Tausch von Gasheizungen dann nicht vorgenommen werden muss, wenn erneuerbares Gas eingesetzt wird. Das ist aber nicht verfügbar: Derzeit beträgt die Einspeisung von erneuerbarem Gas ins Gasnetz 0,14 TWh, bei einem Verbrauch von etwa 90 TWh.

Selbst bei einem massiven Ausbau von erneuerbarem Gas wird es an anderen Stellen, wie etwa in der Industrie, dringender gebraucht. Mit dieser Hintertür kann aber eine jahrelange Verzögerung beim Austausch von Gasheizungen auf klimafreundliche Heizgeräte eintreten.

Kostengünstigere Möglichkeiten für Haushalte

Für Haushalte gibt es ohnehin kostengünstigere Möglichkeiten zu Heizen. Fernwärme, Wärmepumpen, Biomasse, Solarenergie und Geothermie können in wenigen Jahren für eine verlässliche und saubere Wärmebereitstellung sorgen . „Es ist ein Märchen, dass wir mit erneuerbarem Gas in großem Stil heizen können. Statt leeren Versprechungen zu glauben, ist die Bundesregierung aufgefordert Klarheit zu schaffen und den Menschen eine Perspektive für eine saubere und sichere Wärmeversorgung ohne Gas zu bieten. Insbesondere Bundeskanzler Karl Nehammer ist aufgefordert Führungsstärke zu zeigen und klar zu machen, dass der Ausstieg aus Gasheizungen unvermeidlich ist,“ so Wahlmüller weiter.

„EVN & Wirtschaftskammer blockieren Energiewende“

Kritik übt GLOBAL 2000 an den Blockierern der Energiewende: Es waren vor allem EVN, Wirtschaftskammer, Energie AG, TIGAS und die Energie Burgenland, die in der bisherigen Diskussion klar gegen eine Umstellung von Gasheizungen aufgetreten sind. Sie stellen wirtschaftliche Einzelninteressen vor das gemeinsame Ziel, die Wärmeversorgung klimafreundlich zu gestalten. GLOBAL 2000 hat das massive Lobbying gegen Klimaschutz in einer Analyse dokumentiert.

Landeshauptfrau Mikl-Leitner soll sich entscheiden

Die Umweltschutzorganisation hat derzeit eine E-Mail-Aktion gegen die Blockade der Energiewende durch die EVN gestartet, in der die Landeshauptfrau Mikl-Leitner aufgerufen wird, ihrer Rolle als Eigentümervertreterin gerecht zu werden und die Interessen der Bevölkerung an einer klimafreundlichen Wärmeversorgung ernst zu nehmen: „EVN, Wirtschaftskammer und andere Energieversorger behindern mit diesen Blockaden die Energiewende in Österreich und gefährden die Versorgungssicherheit der Haushalte mit leistbarer, sauberer Energie.

Es ist Zeit, dass das gemeinsame Interesse aller Österreicher:innen an einer klimafreundlichen Wärmeversorgung wichtiger wird, als das Profitinteresse von einigen wenigen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner kann die Blockade der EVN als Eigentümervertreterin sofort beenden. Wir appellieren an Sie, ihre Rolle als Eigentümervertreterin wahrzunehmen,“ so Johannes Wahlmüller abschließend. (Global 2000).

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KOMMENTAR von Herbert Starmühler (energie-bau.at):

Die Kritik von Global 2000 in Ehren, sie ist aber auch ein bisschen durchsichtig. Denn es gibt so gut wie kein kein grünes Gas. 

WAS ist denn überhaupt grünes Gas?
Das ist ein Sammelbegriff für künstlich hergestellte Gas, die ohne CO2-Freisetzung verbrennen:
- Biomethan: Aus Biogas (gewonnen aus Pflanzenresten, Holz o.ä.).
- Grüner Wasserstoff (mit Erneuerbaren Energien hergestellt).
- Synthetisches Methan: eintsteht aus grünem Wasserstoff plus Kohlendioxid und Metahisierung.

Alle anderen Umwandlungen von Erdgas (Türkiser, Blauer Wasserstoff o.ä.) gehören wegen des CO2-Ausstosses nicht dazu (siehe weitere Infos hier).

Weitere Infos:

GRÜNES GAS II: Die Argumente der Heizungsbranche

GRÜNES GAS III: „Große Versorgungslücke bei grünem Gas“ 

GRÜNES GAS IV: „Viel zu wenig Rohstoff für grünes Gas“