Wie können Innenräume kühl bleiben, wenn draußen die Hitze brütet? Zwei Möglichkeiten für einen erträglichen Sommer bieten Fernkälte und Bauteilaktivierung.

Beton ist oft Sinnbild für die Hitze in Städten. Er kann aber auch für Kühle im Innenraum sorgen. Zum Beispiel mit Bauteilaktivierung. Foto: pexels

Das Thema, das die Energie- und Baubranche so stark wie nie im Griff hat, ist der Klimawandel und damit verbundene Temperatursteigerungen. Es braucht dringend gute und nachhaltige Lösungen, die ein Leben – vor allem in den Städten – das ganze Jahr über nicht nur erträglich, sondern qualitätsvoll machen. Was sind also sinnvolle Möglichkeiten?

 Kälte statt Wärme
Aus der Energiebranche kommt eine Lösung, die das Klima nicht noch mehr belasten soll: Fernkälte. Fernkälte funktioniert nach demselben Prinzip wie Fernwärme: Isolierte Rohre transportieren das auf 6 °C gekühlte Wasser zum Objekt, mit etwa 16 °C fließt es zur neuerlichen Abkühlung wieder zurück. Dieselben Energiequellen, die auch für die Erzeugung von Fernwärme benutzt werden, können als Antriebsenergie für Kältemaschinen verwendet werden. Sogenannte „Absorptionskältemaschinen“ nutzen Abwärme aus Industrie, KWK-Anlagen oder Abfallverbrennung, die das ganze Jahr zur Verfügung stehen. Die Versorgung kann dabei zentral oder dezentral funktionieren. 

Nachfrage auch im Privatbereich
Fernkälte hält somit Innenräume kühl, ohne die Außentemperatur zusätzlich aufzuheizen, wie es etwa bei konventionellen Klimaanlagen der Fall ist. „Immer mehr Hitzetage mit mehr als 30 °C befeuern die Nachfrage nach Fernkälte“, sagt Peter Weinelt, Obmann des Fachverbands Gas Wärme (FGW) und stv. Generaldirektor der Wiener Stadtwerke. 2018 lieferten Österreichs Energieversorger 160 Gigawattstunden (GWh) Fernkälte – um 8,1 % mehr als noch 2017. Großabnehmer sind derzeit öffentliche Einrichtungen wie die Universität Wien oder Krankenanstalten in den Bundesländern. Nun soll aber auch der Privatkund_innenmarkt erschlossen werden. Einer Pressemitteilung zufolge arbeitet Wien Energie intensiv daran, Fernkälte in Zukunft auch Privatkund_innen anbieten zu können. Diesem Sommer noch sollen erste Projekte präsentiert werden. Insgesamt würde das Unternehmen bis 2024 weitere 65 Mio. Euro in den Fernkälteausbau investieren. Das Fernkältenetz wird zudem laufend ausgebaut: von 134 MW Leistung Ende 2017 auf 138 MW per Ende 2018. Wien, Linz und St. Pölten sind dabei die Hotspots.

 

Die Nachfrage nach Fernkälte steigt. Ab diesem Jahr sollen auch Privathaushalte mit Fernkälte gekühlt werden können. Quelle: Fachverband Gas Wärme (FGW)

 

Beton kann auch anders
Bereits beim Neubau vorzusorgen, ist heutzutage natürlich unumgänglich. Eine Möglichkeit zum Kühlen von Gebäuden ist hierbei die Bauteilaktivierung von Beton, die mit erneuerbaren Energien und der natürlichen Kühle der Erde betrieben werden kann. Bei dieser Technologie werden massive Gebäudeteile mit Leitungen versehen, die mit kühlem Wasser durchströmt werden. So wird dem Raum die Wärme über den gesamten Bauteil entzogen. Eine Lösung, die auch bei Sanierungen möglich ist. Beton ist also nicht nur Hitzeerzeuger, sondern kann so zur Kühlung mittels Bauteil- bzw. Betonkernaktivierung eingesetzt werden. Am besten geeignet ist hierfür die Decke, aber auch Wände und teilweise Böden sind einsetzbar.

Verschiedene Strategien notwendig
„Langfristige Prognosen zeigen, dass vor dem Hintergrund der Klimaerwärmung in Österreich in 20 Jahren etwa gleich viel Kühl- wie Heizenergie benötigt werden wird“, sagt Peter Weinelt vom Fachverband Gas Wärme. Um dem Klimawandel entgegenzutreten braucht es also verschiedene Strategien – eine einzelne richtige Lösung gibt es nicht. Zwei Möglichkeiten sind Fernkälte sowie Bauteilaktivierung. Aber nur eine Kombination aus mehreren Alternativen sowie vorausschauendes, nachhaltiges Bauen und Sanieren können eine lebenswerte Zukunft schaffen. (sis)

Fachverband Gas Wärme

Vereinigung Österreichischer Zementindustrie

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