Wie muss sich die Wärmestrategie Österreichs anpassen, um die benötigten Ziele zu erreichen? Die 1. Fachtagung des Zukunftsforums SHL hat sich dieser Frage gewidment. 
Vortragenden und Veranstaltende der Fachtagung. Foto: Leo Hagen/Zukunftsforum SHL
Das Zukunftsforum SHL der Österreichischen Installateure und der Österreichischen Vereinigung des Sanitär- und Heizungsgroßhandels lud am 26. 3. zur 1. Fachtagung über die Zukunft des Wärmesektors in Österreich. Dieser müsse sich  – passend zum Thema der Tagung „Effizient und modern heizen: Kosten sparen, Klima schonen“ – ändern, sind sich alle Beteiligten einig.

Unter anderem weil Österreich laut den Ergebnis der letzten Klimabilanz immer weiter von den Zielen der beschlossenen Klimastrategie abweicht. 2017 stieg der Ausstoß von Treibhausgasen erneut an. Auf 82,3 Mio t CO2-Äquivalent und damit auch erstmals über die gesteckten Richtwerte für das jeweilige Jahr. 

In den Vorträgen bei der Fachtagung haben deshalb eine Expertin und zwei Experten darüber gesprochen, wie man die Energiewende im österreichischen Wärmesektor umsetzen oder gar beschleunigen kann. „Wir müssen jetzt gemeinsam etwas für das Klima tun, sonst gibt es nur Verlierer. Hier kann jeder einen Beitrag leisten, angefangen in den eigenen vier Wänden: Die Modernisierung einer veralteten Heizanlage in einem Wohngebäude kann den CO2-Ausstoß bis zu 80 Prozent reduzieren“, erklärt Andreas Rotter, Obmann des Zukunftsforums SHL. 

Modernisieren
Um diesen Austausch ging es bei dem ersten der drei Vorträge auf der Tagung. Herbert Lechner, Wissenschaftlicher Leiter der Österreichischen Energieagentur, sprach darüber, wie man veraltete Heizungsanlagen austauschen könne und welche Vorteile sich dadurch ergeben. Sowohl auf ökologischer, als auch auf ökonomischer Seite.  

In seinem Vortrag erklärte er , dass in seinem Plan mehr als zwei Drittel des derzeitigen Kesselbestands modernisiert würden (145.000 Kessel im Jahr). Dadurch würden einerseits mehr neue Kessel und andere Heizsysteme verkauft und es ergeben sich 18,5 Mrd. € an Investitionen für die Branche. Der Energieverbrauch würde zugleich um 41 % oder 24 TWh sinken. Die Treibhausgasemissionen um 49 % oder 3,8 t CO2äqu.  

Informieren
In seinem Tauschprogramm erhalten die Verbrauchenden gezielte Unterstützung. Alexandra Troi vom Institut für Erneuerbare Energie, knüpft hier an und erklärt, wie wichtig es sei, bei solchen Umstellungen die richtigen Leute anzusprechen. Man müsse genau wissen, wer wann die Entscheidung für ein neues Energiesystem treffe.

Das sei nicht immer eine ähnliche Person, sondern hängt stark von der Art des Gebäudes und dem Zeitpunkt der Umstellung zusammen. Bei neugeplanten Mehrparteienhäusern sind es oft Architekturbüros, bei Renovierungen von Einfamilienhäusern oft die Inhabenden und bei einem Ausfall des System die Handwerksbetriebe. Diese Leute müsse man gezielt ansprechen und die Vorteile – auch die ökonomischen – klar kommunizieren. Besonders wichtig sind hierbei auch die Regierungen, die durch Förderungen, CO2-Steuern und gesetzliche Regulierung einen Beitrag leisten müssen.  

Regulieren
An dieser Stelle hängte Jürgen Schneider vom Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus im dritten Vortrag ein. Darin erklärte er die gesetzlichen Maßnahmen in Österreich und auf EU-Ebene, welche Regulatorien davon in Österreich betroffen seien und gab einen Überblick über die Inhalte der Wärmestrategie des BMNT.  

Deren erster Schritt – der Raus aus Öl-Bonus – hat bereits begonnen. Als nächstes kommt ein sukzessiver Ausstieg aus Heizgas, sowie eine Senkung des Energiebedarfs von Gebäuden, die Nutzung von Fernwärme, Abwärme und betrieblicher Prozesswärme. Es fehlt nur noch die Forcierung von erneuerbarer Wärmeerzeugung. Regionale Wertschöpfung sei dabei insgesamt jedenfalls sinnvoller als der Zukauf teurer CO2-Zertifikate. 

Insgesamt entspricht das Feedback nach der Fachtagung den getätigten Aussagen. Unter anderem von Josef Plank, Generalsekretär des BMNT: „Österreich hat das Potential, eine Vorreiterrolle zu übernehmen – das wird auch von der Bevölkerung gewünscht, das sehen wir am Engagement der Jugend. Innerhalb der EU sehen wir eine große Bandbreite von Ländern mit unterschiedlichen Ausgangssituationen – aber wir dürfen uns energiepolitisch nicht auf dem kleinsten machbaren Nenner ausruhen.“ (flb)

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