Heizungssanierung - 25.07.18
Das angekündigte Verbot der Ölkessel ab 2019 rückt die Frage nach sinnvollen Ersatztechnologien in den Mittelpunkt. Die Wärmepumpe hat sich als erste Alternative für die Heizungssanierung positioniert. Energiepolitisch macht das nicht immer Sinn. 
Soll der Heizkessel restlos der Wärmepumpe weichen oder gibt es eine Alternative? Foto: Starmühler

Niederösterreich ist im Mai 2017 vorgeprescht: Als erstes Bundesland verbot der St. Pöltner Landtag die Installierung von „flüssigen und festen fossilen Brennstoffen für Heizkessel für Zentralheizungsanlagen im Neubau“. Diese Novelle der Bauordnung gilt für alle Gebäude, die ab dem 1. Jänner 2019 bewilligt werden. Mehr als ein symbolischer Schritt ist das aber nicht.

Ölheizungen spielen hier längst keine Rolle mehr, von Kohle oder Koks ganz zu schweigen. Sofern nicht kostengünstige Gasanschlüsse oder geförderte Fern- oder Nahwärmenetze dem kostengeplagten Häuslbauer billige Wärmelieferung garantieren, wird die absolute Mehrheit der neu errichteten Gebäude mit Wärmepumpen ausgestattet.

Sozial verträglicher Umstieg
Was in Niederösterreich schon gilt, wird zum Vorbild für ganz Österreich. Im Arbeitsprogramm der neuen Bundesregierung ist der „langfristig sozial verträgliche Umstieg von Ölheizungen auf erneuerbare Energieträger“ eines von nur fünf explizit genannten Zielen im Energiekapitel.

Trotzdem: Die letzte Runde im Abschied von der Ölheizung ist eingeläutet. Aber was kommt statt der knapp 800.000 in Betrieb befindlichen Heizölkessel? Ein Kessel und ein Heizöltank brauchen im Schnitt nicht mehr als 4 m2 Stellfläche.

Damit scheidet in sehr vielen Fällen eine Biomasse-Heizung aus, auch wenn der Pelletkessel klare ökologische Vorteile bietet. Wollen die Bewohner nicht auf ihre gewohnte individuelle Heizung verzichten, bleibt in der Praxis nur mehr der Tausch des Ölkessels gegen eine platzsparende und günstige Luftwärmepumpe.

Kohlekraftwerk als Reserve
Im Jahresschnitt haben Luftwärmepumpen eine Arbeitszahl von unter drei. Ein Spezifikum dieser Technologie, das sich im Alpenland Österreich stark auswirkt, sorgt bei den Energieexperten für Sorgenfalten: Je kälter es wird, desto weniger effizient kann mit diesem System Wärme bereitgestellt werden. Deshalb sind in vielen Anlagen zusätzlich Heizstäbe verbaut, die auch im tiefsten Winter für warmes Wasser sorgen.

Wirklich kritisch sind jene Tage, an denen es frostig und finster ist. Genau dann, wenn die Spitzenstromnachfrage sowieso am höchsten ist, braucht die Luftwärmepumpe den meisten Strom. Nach Berechnungen der e7 Markt Analyse GmbH wird die Maximalleistung des heimischen Stromnetzes durch den Boom der Luftwärmepumpe schon derzeit um 180 MW erhöht.

Diese Spitzenleistung wird zwar nur für zehn Stunden pro Jahr erreicht, entspricht aber in etwa der Kapazität eines kleineren Kohlekraftwerks, das dafür als Reserve im Netz gehalten werden muss. Laut e7 hat die Luftwärmepumpe hinsichtlich der CO2-Emissionen damit de facto keinen Vorteil gegenüber Zentralheizungssystemen, die mit fossilen Energieträgern arbeiten.

Bivalenter Betrieb als Lösungsansatz
Dass die Interessenvereinigung Wärmepumpe Austria das anders sieht, ist keine Überraschung: „Dank neuer Entwicklungen ist die Wärmepumpe heute bei nahezu jedem Heizungstausch die bessere Alternative“, und zwar sowohl beim CO2-Ausstoß als auch bei den Heizenergiekosten. Wichtigster Faktor beim Tausch eines Kessels durch eine Wärmepumpe ist die benötigte Vorlauftemperatur, die unter 50°C bleiben muss.

Wenn nötig, gehört auch das Wärmeabgabesystem saniert und zu knapp bemesse Hochtemperatur-Radiatoren durch moderne Heizkörper oder gleich durch Flächensysteme ersetzt. Ist das nicht möglich oder aus Kostengründen nicht erwünscht, gibt die Wärmepumpen-Organisation einen auf den ersten Blick überraschenden Tipp: Den bestehenden Kessel als Reserve im Heizungssystem lassen und auf bivalenten Betrieb umstellen.

Das heißt, dass an den kalten Tagen der alte Ölkessel angeworfen wird, die Wärmelieferung übernimmt und so die Wärmepumpe und damit das Stromnetz entlastet.

Wärmespeicher standardmäßig
Ein zweiter Ansatz ist der standardmäßige Einbau eines Wärmespeichers zur Luftwärmepumpe. So kann die Wärme produziert und in den Speicher verschoben werden, wenn gerade genug Strom da ist – sei es aus eigener Produktion vom PV-Dach oder in der Nacht, wenn die Nachfrage gering ist. (klp)

Kommentare  

#8 michi 2018-08-13 22:41
arnold ich hab ja nichts über die luftwärmepumpe geschriebn, aber die förderung bezieht sich auch auf die solewärmepumpe. .und es gibt studien das es negative auswirkungen auf das grundwasser hat genauso die grundwasserpump e, und wer räumt die ganzen sonden einmal weg wenn das haus einmal wegerissen wird?manche sonden gehen über 100 meter tief wie entfernt man die irgendwann?
#7 Arnold T. 2018-08-13 11:12
Grundwasser: erstens braucht eine Luftwärmepumpe, von der der Artikel handelt, kein Grundwasser; zweitens wird die Grundwasser-Tem peratur nur bei großen Projekten und entsprechenden Wärmemengen um wenige Grade erhöht; drittens gleicht sich die Temperatur nach einigen 100 Metern wieder der Ursprungstemper atur des GW-Stroms an und viertens gibt es im GW kaum Organismen, die zu Schaden kommen könnten. Ein Verteufeln von GW-Wärmepumpen ist daher nicht angebracht
#6 michi 2018-08-07 21:25
diese erdwärmesonden verursachen temperaturverän derungen in einem ansonst thermisch stabilen lebensraum und beeinflusst den stoffwechsel der organismen im grundwasser und das wirkt sich auf die qualität aus,dieser erdwärmewahn kann unsere resource grundwasser gefährden
#5 Joe G. 2018-07-26 17:49
Besser wäre es, wenn statt Kohlekraftwerke auf Gaskraftwerke zu setzen!
#4 Joe G. 2018-07-26 17:48
4 m² Aufstellungsflä che für eine Ölheizung + Öltank ist sicher falsch! Fast immer besteht die Möglichkeit auf Pellets umzusteigen, die Energiedichte von Pellets = 4,9 kWh/kg - der Öllagerraum reicht fast immer für den Pelletslagerrau m, wer das Haus zusätzlich noch dämmt (was sowieso oft erforderlich ist), reduziert den Energie- und den erforderlichen Platzbedarf!
Gut gedämmte Häuser überstehen einen Kaltlufteinbruc h länger, die Gleichzeitigkei t heizen zu müssen reduziert sich damit ... Steuerungen könnten helfen vorher und nachher zu heizen, gleichzeitig könnte auch der Komfortanspruch bei Extremtemperatu ren reduziert werden - 20 °C sind genug!
Wenn wir nur um 1 % die Temperatur reduzieren würden, hätten wir den Verbrauch um 6 - 8 % reduziert!
Am 01.02.2018 war die Spitzenlast bei 10.000 MW ... Minimum war bei 6.360 MW, das Mittel liegt vielleicht bei 8.000 MW --> das sind derzeit 2,25 %.
Nehmen wir einen Tag eine Weste, das sollte uns sauberer Strom wert sein!
#3 energierebell 2018-07-26 14:02
es gibt sehr viele Alternativen zum Gas und Ölkessel
am besten ist einen Strom erzeugenden Heizkessel zu installieren, wie zB ökofen der Pellet Kessel der Strom UND Wärme erzeugt, wie auch Pflanzenöl Blockheizkraftw erke die in der LFS Tulln die gesamte schule seit über 15 Jahrn mit Wärme und Strom versorgen, zu einen Bruchteil der kosten der alten Gasheizung,.. und keine Stromkosten mehr hat. Strom und Wärme aus dem Hackschnitzelke ssel der Fa. Spanner,Glock,. .uvm. wir benötigen im Solarzeitalter genau diese Regelenergiekra ftwerke und keine Kohle Kraftwerke oder Reserve Ölkessel,.... und sonstige völlig unnötigen Diskussionen, Handeln ist dringendst angesagt die zeit läuft uns davon, Lösungen finden anstatt immer zu wissen glauben was alles nicht geht,...
#2 Mathias Jedinger 2018-07-26 13:37
ie Wärmepumpen-Org anisation einen auf den ersten Blick überraschenden Tipp: Den bestehenden Kessel als Reserve im Heizungssystem lassen und auf bivalenten Betrieb umstellen.

Keine gute Idee. 1. Gibt es keine Förderungen wenn der fossile Kessel im Haus bleibt und 2. ist jeder Liter Öl der verheizt wird ein Schritt mehr in Richtung Klimakatastroph e und nicht zukunftsfähig.
#1 Mathias Jedinger 2018-07-26 13:32
Ein Kessel und ein Heizöltank brauchen im Schnitt nicht mehr als 4 m2 Stellfläche.
Damit scheidet in sehr vielen Fällen eine Biomasse-Heizun g aus.

Also das stimmt nicht. Der alte Öltank braucht nicht mehr, oder nur geringfügig mehr Platz als ein neuer Pelletstank und moderne Kessel haben eine Aufstellungsflä che von unter 0,5 m2 bis 1 m2

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