Energieträger - 04.07.18
Laut einem Richtlinien-Entwurf des OIB schneidet Strom im Bereich CO2-Ausstoß schlechter ab als Heizöl und Erdgas. Die Bundesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker übt harsche Kritik.
Der Qualm scheint dem Strom dann vorgezogen zu werden. Foto: pxhere

Österreich ist dem Rest der EU in Sachen Energie und Strom in vielerlei Hinsicht weit voraus. Laut Zahlen der EUROSTAT bestand der österreichische Strommix zum Beispiel schon 2015 zu 70 % aus erneuerbaren Energie. Diese Daten scheinen aber noch nicht alle erhalten zu haben.

Eine aktualisierte OIB Richtlinie 6 für Herbst 2018 ist gerade in Arbeit. Diese regelt die bautechnischen Vorschriften in Österreich im Bereich Energie-Einsparung und Wärmeschutz. energie:bau konnte sich den Entwurf vorab ansehen. Dabei sticht vor allem eine Zahl ins Auge.

Strom schmutziger als Öl?
Laut der Tabelle in der Richtlinie im Bereich zu den Konversionsfaktoren zur Ermittlung des Primärenergiebedarfs entstehe bei der Verwendung von Strom mehr CO2-Äquivalent als bei Erdgas. In den Wintermonaten sogar mehr als bei Heizöl. Heizöl kommt dabei auf 310 g/kWh, Erdgas auf 247 g/kWh. Strom kommt laut der Liste auf 248 g/kWh und liegt damit im Schnitt über Erdgas.

Doch wie kann so eine Zahl bei einem Anteil von über 70 % erneuerbarer Energie im Strommix überhaupt zustande kommen? Gerald Prinz, Bundesinnungsmeister der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker, verweist auf einen Aspekt der Tabelle:

„Noch immer wird für Strom als einzige Primärenergie der Erzeugermix der Importländer verwendet und kompliziert hochgerechnet. Während bei allen anderen Energieträgern die Verluste und Verunreinigungen (Erhöhungen der CO2-Faktoren) in den anderen Ländern belassen werden und bei uns nur die Verbrauchswerte in die Tabelle kommen, wird beim Strom alles von der Wurzel an gerechnet.“

VKÖ bevorzugt
Er verweist darauf, dass die Einwände seiner Innung vom OIB konsequent ignoriert wurden, während man die Forderungen der Vereinigung österreichischer Kessellieferanten zu 100 % umgesetzt habe.

In weiterer Konsequenz würde unter den Bestimmungen des OIB nicht nur die Natur leiden – weil fossile Heizquellen sauberen immer noch vorgezogen werden –, sondern vor allem auch jene Bauleute, die auf Strom zurückgreifen wollen. Gerald Prinz: „Die Leute sollen ruhig doppelt bezahlen. Beim Kauf des Stromes und dann auch noch beim Energieausweis. Der Konsument kann sich bewusst teureren Strom (100 % Wasserkraft) kaufen – er darf ihn nur beim Hausbau NICHT verwenden! Der Konsument wäre bereit zum Umdenken – die Sachverständigen anscheinend nicht.“ (flb)

Kommentare  

#13 Dr.Elisabeth Berger 2018-07-10 17:04
Die VÖK hat sich erlaubt die Vertreter der Länder darauf hinzuweisen, dass bei allen Energieträgern völlig zu Recht eine monatliche Betrachtung erfolgt - auch bei Solarthermie. Nur Strom für Heizzwecke im Jahresdurchschn itt zu betrachten ist nicht korrekt - in der Heizperiode ist oft gerade mal 30% erneuerbare Enegie in Österreich verfügbar. Fakten sollten zur Kenntnis genommen werden, eine sachliche Diskussion wäre für alle hilfreicher als emotionale Erruptionen.
#12 Georg Benke 2018-07-06 18:21
Seit wann ist Strom Primärenergie? Zudem ist der Strommix der österr. Erzeugung für die Fragestellung der CO2-Werte nicht der optimale Bezugswert, wenn man weiß, dass während der Heizperiode durchaus Tage vorhanden sind, an denen mehr als 50% des Stroms importiert (Braunkohlestro m??) wird. Außerhalb der Heizperiode mag da die Wasserkraft und die PV-Energie in Kombination mit Wind durchaus beachtliche Werte liefern - nur heizt man mit diesem Strom nicht.
Interesse an einem niedrigen CO2-Wert für Strom haben vor allem die Verfechter der Stromdirektheiz ung. Und ich glaube, daher weht der Wind.....
#11 Günther Hraby 2018-07-06 11:05
Die OIB hat die Sicht vergangener Jahrhunderte – so werden wir den Krieg gegen die globale Erwärmung nicht gewinnen. Strom hat lt. E-Control 61 g CO2/kWh und nicht (wie die OIB meint) bis zu 821! Zu 86,7% besteht endverbrauchter elektrischer Strom in Österreich aus erneuerbaren Anteilen (Wasser, Wind, Sonne). Das Problem der Zahlen der OIB (die aus einem falschen Ansatz kommen) ist, dass daraus Bauordnungen entwickelt werden und danach Gebäude errichtet werden, welche die nächsten 50 Jahre mit falschen Konzepten heizen. Und das, weil unser guter österreichische r Ökostrom durch den Dreck gezogen wird – leider im Sinn des Wortes.
#10 Josef Stubenschrott 2018-07-05 18:45
Bin seit 13 Jahren PV Installateur. Das Problem mit Stromimporten, bzw. Erzeugung aus Fossiler Energie im Winter ist ein Faktum. Da lügt sich leider unsere Branche in die eigene Hosentasche. Nicht jedes Objekt ist ein Niedrigenergie- oder Passivhaus. Wenn ich mir die Verbrauchskurve n von Wärmepumpen bei älteren Gebäuden ansehe, habe ich Verständnis für die OIB. Bei den Elektroautos wird der Strombedarf hinterfragt, obwohl dieses im Scnitt den selben Strombedarf ganzjährig, wie die Wärmepumpe im Winterhalbjahr hat.
Über den Stromverbrauch von Infrarotheizung en, bzw. den Zusammenhang mit Verbrauch und Erzeugungsquell e sind leider nahezu keine Daten zu bekommen.
#9 Absoluter Verbrauch relevant 2018-07-05 13:54
Auch wenn man mit den Werten von OIB rechnen würde, eine Wärmepumpe multipliziert die kWh Stromverbrauch!
Berücksichtigt das auch die OIB?
#8 Dietmar Geckeler 2018-07-05 13:05
Es sollte auch in diesem Forum angekommen sein, dass die ideologische "Formel" aus den 70er Jahren ("mit Strom heizen ist Energieverschwe ndung" inzwischen nicht mehr gültig ist, erst recht nicht in einem Land wie Österreich.
Der Hinweis, dass bei Strom andere Bewertungsverfa hren herangezogen werden zur CO2-Intensität als bei fossilen Brennstoffen ist korrekt. Dies ist keine "Meinung" sondern Fakt. Ob diese "Ungleichbehand lung" gerechtfertigt ist, sollte diskutiert werden. Da Strom an sich kein Primärenergietr äger ist, ist es sicherlich legitim zu hinterfragen, aus welchen Primärenergien er "hergestellt" wurde. Im Falle von Sonne / Wind wird aus beiden Primärenergien Strom direkt hergestellt, so dass durch Annahme Primärenergie "erneuerbarer Strom" "künstlich" dessen Anteil an der Primärenergie heruntergerechn et wird. Das Problem ist das also das Berechnungssyst em. Übrigens: Mit Strom-Wärmepump en kann mit JAZ von 2-6 den CO2-Wert auf bis zu 40 g/kWh Wärme absenken.
#7 Fritz Brandstetter 2018-07-05 13:03
abgesehen von der Diskussion der Höhe der Emissionen ist die direkte Umwandlung von Strom in Wärme eine der weniger sinnvollen Möglichkeiten diesen hochwertigen Energieträger einzusetzen.
#6 Joe G. 2018-07-05 12:42
Unter https://www.electricitymap.org/?page=map&solar=false&remote=true&wind=false kann jede(r) nachsehen, wie im Moment in Österreich und anderen Ländern elektrische Energie entsteht. Gleichzeigit wird auch gezeigt in welche Länder exportiert und aus welchen Ländern importiert wird.
Wenn wir unsere Produktions-Kap azitäten ausgeschöpft haben, müssen wir Importieren, das passiert Jahr für Jahr öfter ... dabei kommt halt Strom aus Deutschland und auch aus Tschechien ... (Atom- u. Kohlestrom)oder manchmal aus Ungarn. Wir liefern meinst an Italien und in die Schweiz. Aktuell sind es in ÖSterreich 171 g/kWh ... im Winter ist das oft viel mehr ... wegen der Importe uas Deutschland wo es derzeit 387 g/kWh sind.
Wärme zu erzeugen braucht extrem viel Strom, Häuser rein elektrisch zu beheizen finde ich als nicht zeitgemäß! Dass alleine war schon ein riesen Geschenk an die ElektrikerInnen bzw. IR-HeizungsverkäuferInnen.
Ziel: Energieverbrauc h und CO2-Emissionen reduzieren!
#5 Peter Claassen 2018-07-05 12:39
Das war immer schon so, außer man hat selbst PV am Dach, aber die hilft im Winter nur wenig. "Es könnte ja sein, dass sich jemand den schlechten Strom aus dem Ausland kauft", daher müssen Alle büßen. Man sollte sich dringend von dem sturen Energiesparen um jeden Preis lösen und den Schwerpunkt auf möglichst kostengünstige Investition in möglichst saubere Energie legen. Unser Problem ist ja, dass wir zu viel Energie haben und nicht zu wenig. Wir müssen sie nur richtig nutzen. Energiesparen ja, aber sinnvoll und bezahlbar. Übrigens: auch wer sauberen Strom kauft, zahlt noch zusätzlich Ökostromförderu ng.
#4 Christian 2018-07-05 12:26
Wenn ich mir die Erzeugungs/Impo rtprofile von Strom im Winter anschaue, überrascht der große CO2 Abdruck nicht wirklich.1/3 erneuerbar, 1/3 fossiler Strom aus Österreich und 1/3 Importstrom wie z.B. im Jänner/Feber 2017 sind nicht wirklich grün.
#3 Werner Engel 2018-07-05 12:09
Ob jetzt leicht drüber oder drunter ist egal. Auf jeden Fall erzeugt Strom immer noch zu viel CO2!

Daher mein Vorschlag: Mehr Ressourcen in die Forschung und den Bau von sauberen Fusionskraftwer ken wie es gerade bei ITER passiert! Fusion ist schwierig - stimmt. Aber aus 1 Gramm Wasserstoff entsteht so viel Energie wie die Verbrennung von 8-10 Tonnen Kohle bringen würde!!! Abfallprodukt der Reaktion: Das Edelgas Helium.
#2 Brücker 2018-07-05 11:39
Es gäbe dazu wissenschaftlic h fundierte Datenquellen wie ecoinvent
https://www.ecoinvent.org/database/database.html

Wenn dann noch der realistische Jahreswirkungsg rad von 80% von fossilen Heizungen berücksichtigt wird (und nicht nur theoretische Prüfstandmessun gen ohne Teillastverlust e etc), wird sich die Frage schnell klären.
#1 Johannes Fechner 2018-07-04 13:59
Diese Sichtweise einer Interessensgrup pe bitte durch Stellungnahme der "anderen Seite" ergänzen!

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