NEUBAU – In Wien-Seestadt wird die Temperatur über die automatischen Fensterflügel geregelt.

Mit ROBIN Seestadt entsteht ein ausgeklügeltes Energie-Gebäude. Foto: Patricia Bagienski-Grandits

Die Ameisen, genauer gesagt: die Termiten, sind das Vorbild: Bei Termitenhügeln erzeugen die Tiere Wärme. Die warme Luft entweicht oben, durch Unterdruck entsteht ein Sog, der frische Luft ansaugt (siehe Soravia-Grafik). Durch diese Luftzirkulation ist der Termitenhügel stets optimal und bei gleichbleibender Temperatur belüftet – ähnlich wie bei ROBIN Gebäuden.

Das ist ein Markenname der österreichischen Baufirma Soravia. ROBIN Gebäude werden für Jahrhunderte gebaut, sagt der Hersteller. Nun entstehen drei in einem Ensemble im Wiener Stadtteil Seestadt Aspern. Es ist von den Architekten Baumschlager Eberle abgeschaut, in Vorarlberg steht mit dem Haus 2226 das Vorbild: 80 Zentimeter dicke Ziegelaußenwände mit dreifach verglasten Holzfenstern gewährleisten thermische Trägheit, speichern Wärme, sorgen für einen natürlichen Ausgleich der Luftfeuchtigkeit und dienen als natürlicher Sonnenschutz.

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Sensorgesteuerte Lüftungsflügel der Fenster

Die Belüftung und Kühlung erfolgt über sensorgesteuerte Lüftungsflügel der Fenster. Die Raumtemperatur, die Luftfeuchtigkeit und der CO2-Gehalt der Luft werden permanent durch Dreifach-Sensoren gemessen – Fenster schließen und öffnen automatisch. Die smarte Software reduziert wartungs- und flächenintensive Hardware auf ein absolutes Minimum.

Wärmepumpe und Photovoltaik

Die Innentemperatur beträgt das ganze Jahr komfortable 22 bis 26 Grad Celsius. Daher auch der Name des Vorbilds: Haus 2226. ROBIN Seestadt benötigt deshalb keine Heizung und lediglich bei Temperaturspitzen zusätzliche Kühlung. Hierzu kommt eine mittels Wärmepumpe und Photovoltaik betriebene Bauteilaktivierung zum Einsatz. Offenbar hat man beim Prototypen gemerkt, dass Menschen und Maschinen in den Räumen doch weniger Wärme abgebven als die Termiten in ihren Hügeln. 

80 Watt Wärme pro Mensch, 230 Watt strahlt der Computer ab

Das Wärmemanagement funktioniert durch thermische Trägheit der ROBIN Gebäude und Nutzung von Abwärme. Dank des Wandaufbaus reichen etwa bei einer Außentemperatur von -5 Grad Celsius lediglich 8 Watt pro Quadratmeter, um den Innenraum auf 25 Grad Celsius zu wärmen. Jeder Mensch strahlt konstant 80 Watt Wärme ab, ein Computer 230 Watt und eine künstliche Lichtquelle rund 14 Watt. Das gewährleistet, dass eine Raumtemperatur von 22 Grad Celsius nicht unterschritten wird.

300 Euro Betriebskosten auf 100 Quadratmetern

Im Vergleich zu konventionellen Bürogebäuden fallen im systembedingten Betrieb für Heizung und Kühlung null Energiekosten an. Durch den Einsatz von smarter Software statt wartungsintensiver Hardware reduzieren sich zudem die durchschnittlichen Betriebskosten pro Quadratmeter auf rund 3 Euro, während bei herkömmlichen Büroflächen mit 3,50 bis 4 Euro zu rechnen ist. Die Minimierung von Hardware gewährleistet zudem, dass Flächen optimal und flexibel genutzt werden können.

Im gesamten Lebenszyklus fallen bei Robin bis zu 30% weniger Kosten an als bei konventionellen Gebäuden“, erklärt Erwin Soravia, CEO von Soravia.

(hst)

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