In der Stadtgemeinde Zell am See entsteht bis 2022 ein Vorzeigeprojekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst viele Aspekte der Nachhaltigkeit umzusetzen.

Serie: Sonnengarten Limberg: Ein Vorzeige-Quartier entsteht

In Salzburg entsteht ein CO2-neutrales Quartier mit zentralem Pelletsofen, PV und Elektromobilität.


Screen
Der Sonnengarten Limberg gedeiht – mit Energie-Zentrale und Begegnungsflächen. Screen: Sonnengarten Limberg

Geplant bzw. tlw. schon errichtet sind zwölf Gebäude in Massiv- und Niedrigstenergiebauweise, die 194 Miet- und Eigentumswohnungen, einen Kindergarten, einen Nahversorger, Dienstleistungsbetriebe und weitere halböffentliche Einrichtungen an einem Ort zusammenführen (rund 20.000 m²BGF).

Neben den Themen Städtebau und Gebäude wird auch großes Augenmerk auf nachhaltige Wärmeversorgung und Mobilität gelegt. Eine lokale Steuerungsgruppe – bestehend aus dem Bauträger, der Stadtgemeinde und weiteren Expertinnen und Experten – sorgen deshalb für einen zügigen Projektfortschritt und die Qualitätssicherung. Das Projekt ist Gewinner des ÖGUT Umweltpreis 2016, des VCÖ Mobilitätspreis 2018 und eines der ersten Projekte in Österreich, welches nach dem klimaaktiv Standard für Siedlungen und Quartiere errichtet wird.

Wärme über das Mikronetz
Im westlichen Teil des Projektgebietes ist ein Biomassekessel mit einer thermischen Leistung von 350 kWth installiert, der die Wärme für alle Gebäude erzeugt. Die Wärme wird über ein Mikronetz verteilt und mittels Wohnungsübergabestationen in den einzelnen Wohnungen abgerufen (Fußbodenheizung bzw. Warmwasser im Durchlaufprinzip). Der Kindergarten wird gesondert über eine Abluft-Wärmepumpe mit Wärme versorgt.

PV auf jedem Gebäude
Auf jedem Gebäude ist eine Photovoltaik-Anlage installiert, die elektrischen Strom für die einzelnen Wohnungen (inkl. Elektromobilität in der Tiefgarage) und die Allgemeinbereiche erzeugt. Die Knotenpunkte wurden so gesetzt, dass der Photovoltaikstrom der einzelnen Anlagen in jedem Gebäude einzeln genutzt werden kann. Überschüsse speist man in das öffentliche Stromnetz ein, das auch die Hauptabdeckung des elektrischen Strombedarfs übernimmt. Soweit wie möglich werden elektrische Geräte mit hohen Effizienzstandards eingesetzt (aus der Liste der Topprodukte). Die Lufterneuerung erfolgt mechanisch über Fensterlüftung bzw. über feuchtegesteuerte Abluftanlagen ohne Wärmerückgewinnung.

Kennwerte und Gebäudedaten
Name des Gebäudes: Wohnprojekt Sonnengarten Limberg, Salzburg
Gebäudetyp: Wohn- und Dienstleistungsgebäude
Fertigstellun: 2019 bis 2022
Anzahl der Wohn-/Nutzeinheiten: 194
Anzahl der Geschoße: 4
Konditionierte Bruttogeschoßfläche: 20.116 m²
(Wohn-)Nutzfläche: 16.093m²

Energie und Versorgung
Heizwärmebedarf am Standortklima, HWBSK 23,1 kWh/(m²BGF*a)
Wohnprojekt Sonnengarten Limberg 5 von 8
Primärenergiebedarf, PEB: 66,9 kWh/(m²BGF*a)
CO2 Emissionen: 3,5 kg/(m²BGF*a)

Versorgung Neubau:
Heizen:
Biomassekessel 350 kW – Verteilung Mikronetz
Luft / Wasser Wärmepumpe (KiGa)
Warmwasser
Dezentral in den Wohnungsübergabestationen

Photovoltaik
135 kWp und 127.307 kWh/a Erzeugung
klimaaktiv Bewertung (Planung) des gesamten Quartiers
86 von 100%

Energieaufbringung für Heizung Kühlung und Warmwasser (ohne Hilfsstrom)
0 % PV-Anlage, 3 % Umweltenergie, 1 % Netzstrom, 96 % Biomasse

Erkenntnisse, Lessons Learned
In den Projektbegleitungs-Unteragen sind die Erfahrungen so beschrieben: „Bereits in einer sehr frühen Phase hat sich die Stadtgemeinde Zell am See sehr viele Gedanken bzgl. möglicher Anforderungen an das Bauvorhaben gemacht. Denn die Stadtgemeinde war sich bewusst: Einmal errichtet, sind kaum mehr größere Veränderungen umsetzbar und eine optimale, qualitativ hochwertige Ausnutzung der Baulandfläche sollte erreicht werden. Aus diesen Überlegungen heraus ist ein Leitfaden „für nachhaltigen Wohnbau“ entstanden, der die Zielsetzungen der Gemeinde für zukünftige Quartiersentwicklungen grob abgesteckt hat. Daraus begründet sich auch, dass – obwohl direkt am Projektstandort ein Gasanschluss vorhanden ist – nach alternativen Lösungen für die Wärmeversorgung gesucht wurde. „klimaaktiv erneuerbare wärme“ hat diesen Prozess mit einer Energieraumanalyse unterstützt und die fachliche Grundlage für die Ausschreibung der Wärmeversorgung geliefert.

Dadurch ist es gelungen, bereits in einer sehr frühen Phase der Planung die Basis für die Ausschreibung einer CO2-neutralen Wärmeversorgung zu legen. Dieser Prozess wurde dann auch bei der Stromversorgung wiederholt. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass neben der genauen Zielsetzung auch die stetige Überprüfung des Zielerreichungsgrades, auf Grundlage einer bindenden Qualitätsvereinbarung, erfolgsentscheidend waren.“

Wohnprojekt Sonnengarten Limberg 6 von 8
Projektbeteiligte Bauherrenschaft: Hillebrand, Sonnengarten Limberg GmbH
Architektur: kofler architects, Salzburg
Bauphysik: Ingenieurbüro Rothbacher, Innsbruck
Haustechnik Planung: TAP, engie

(hst)

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