Es gelingt immer weniger, Wasser, PV und Windkrafterzeugung zu nutzen. PV-Installateure beklagen Anschluss-Stopps.

Am Standort des Wärmekraftwerks Theiß erzeugt seit einigen Wochen eine 3,1 MWp leistungsstarke Photovoltaikanlage Sonnenstrom für rund 1.000 Haushalte. Doch nicht zu viel PV im Netz? Foto: EVN / Daniela Matejschek

Wer hätte das gedacht? Wollten die Österreicher*innen nicht immer mehr Erneuerbare Energien ausbauen, um den Klimawandel zu bekämpfen? Jetzt, wo die EVUs den Strompreis hinaufgeschnalzt haben und die Konsument*innen und Gewerbetreibenden händeringend nach eigenem Strom suchten, jetzt ist es der niederösterreichischen EVN-Kombi aus Netzbetreiber und Energieversorger zu viel.

Zu viel Strom im Netz

Pressesprecher Stefan Zach sagte der „futurezone" (im Artikel mit der Überschrift: „Wie zu viel Solarstrom Österreichs Netze belastet“): „Es ist so viel Strom über Photovoltaik-Anlagen in die Netze in Niederösterreich gekommen, dass Wasser über die Wehre der Donaukraftwerke geflossen ist, weil der zusätzlich erzeugte Strom aus technischen Gründen nicht mehr abtransportiert werden konnte“, erklärt Stefan Zach, Pressesprecher von der EVN.

„Es gab keine Möglichkeit, den Strom in die überregionalen Leitungen des Netzbetreibers zu bringen, um ihn dort weiter zu transportieren, an Orte, an denen er gebraucht wird“, sagt Zach.

Netze nicht mehr zeitgemäß

Die „futurezone“ hat auch den Netzbetreiber APG (Austrian Power Grid) ist für die überregionalen Leitungen zuständig. Laut der APG hat die Situation bereits im „späten Frühjahr“ begonnen und sich über den ganzen Sommer gezogen. Der „Überschussstrom konnte nicht dorthin geliefert werden, wo er benötigt wurde“, so AGP-Kommunikationschef Christoph Schuh.

Zu viele PV-Anlagen?

Der Grund seien die immer zahlreicher werdenden PV-Anlagen in Niederösterreich. „Durch die vermehrte Eigenproduktion durch Photovoltaik-Anlagen decken immer mehr Haushalte und Gewerbebetriebe den eigenen Stromverbrauch unter Tags selbst ab. Früher hatte es aber gerade zur Mittagszeit eine Stromverbrauchsspitze gegeben, die von Kraftwerken versorgt werden musste. Im Jahr 2022 seien etwa 36 Prozent mehr Gesamtleistung an PV-Anlagen dazugekommen“, so Schuh laut „futurezone“. 

Man hätte auch sagen können: Die Wasserkraft verursacht ein Zuviel an Strom, oder die Windkraft. 

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Grafik der bestehenden Windräder in Österreich. Aus einer Zusammenstellung der Windkraftgegner der IG Waldviertel.

Denn Niederösterreich hat jetzt schon bei weitem die meisten Windkraftanlagen, wie obige Grafik zeigt. Der Stromüberschuss wird noch zunehmen, weil weitere 250 Anlagen zugebaut werden soll. Wogegen sich nun starker Widerstand regt. Die Aussagen des Netz-NÖ-Sprechers dürften auch Wind und Wasser auf die Mühlen des Waldviertler Windkraftgegners Michael Moser (IG Waldviertel) sein – hat er doch die Unnötigkeit der zusätzlichen Windräder mit der jetzt schon überbordenden Stromproduktion begründet.

PV-Installateure beklagen mittlerweile immer lauter, dass die Netze, insbesondere das Netz NÖ EVN, so stark abblockt, dass oftmals überhaupt nur mehr 3,8 kW-peak-Anlagen errichtet werden können.

Übrigens: Der Leserbriefschreiber „Johann“ kommentierte den oben zitierten „futurezone“-Artikel u.a. so: Wieso baute EVN selbst eine riesige PV Anlage in Trumau mit einer Leistung von 3 MW. Sind die Netze doch nicht so überlastet? 

Beitrag auf futurezone.at.

(hst)

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