Holzbau - 07.09.2018
In Graz bekam die VS Viktor Kaplan in Andritz im Herbst 2016 einen hölzernen Zubau in Niedrigenergiebauweise.
Ab der betonierten Fundament-Platte nur noch Holz: Der Neubau der Volksschule Viktor Kaplan in Graz-Andritz überzeugte seine Nutzer schon nach kurzer Zeit. Foto: pierer.net

Große Fenster und viel Holz machen den Erweiterungsbau der VS Viktor Kaplan in Graz zu einem offenen und freundlichen Gebäude. „Es ist eine Wohlfühlatmosphäre im hölzernen Neubau“, meint Rudolf Zdrahal, Leiter der Schule. Die Plätze in den neuen Klassenräumen waren auch bald weg, selbst wenn die neuen Zimmer im Vergleich mit den Klassenzimmern im Altbau wesentlich kleiner sind. Die positive Atmosphäre ist dem Baumaterial geschuldet und den Details für ein angenehmes Raumklima: An den Decken sind etwa Schaumstoffabsorber gegen die Lärmentwicklung angebracht und die großen Fenster öffnen sich zum Garten. Die Materialwahl Holz war bei Hohensinn Architektur naheliegend, Behaglichkeit und ein gutes Raumklima seien so am einfachsten zu erreichen. Die Bauherren waren schnell überzeugt, auch wenn ursprünglich Sorgen wegen der finanziellen Realisierbarkeit geäußert wurden.

Kostensparen mit Niedrigenergiestandard
Mit 2 Mio. € Budget (Design-to-cost) war der Rahmen sehr eng gesteckt. „Wir wissen natürlich, dass ein Holzbau um einige Prozent teurer ist als ein Massivbau“, meint Hohensinn. Schließlich habe sich die Planung aber bewährt: Trotz Holzbauweise konnte man unter dem Budget bleiben. Die Bauzeit war mit circa acht Monaten auch sehr kurz, bei einer Nutzfläche von 1.200 m2. Der Zubau der Viktor-Kaplan-Schule als Holzbau entspricht mit einem Heizwärmebedarf von 28,55 kWh/m2a dem Niedrigenergiestandard. „Der Niedrigenergiestandard war jedoch noch keine Zielsetzung beim Wettbewerb, sondern hat sich im Zuge der Planung logisch entwickelt“, sagt Projektleiter Branko Savatović vom Architekturbüro und Generalplaner Hohensinn Architektur. „Um den Energieverbrauch noch weiter zu senken, wären unverhältnismäßig hohe zusätzliche Kosten für Dämmungen und Lüftungsanlagen entstanden, die jedoch im Rahmen der Vorgaben und für die Nutzung als Volksschule nicht mehr sinnvoll darstellbar gewesen wären“, meint der Planer. „Unser Ziel war es von Beginn an den Schulzubau als modernen Holzbau umzusetzen, weil wir der Meinung sind, dass gerade bei Gebäuden für Kinder der nachwachsende und ökologische Rohstoff Holz seine materialspezifischen Vorteile besonders zur Geltung bringen kann.“ Die Vorgabe des Planungsprinzips Design-to-cost war dabei eine Herausforderung, „wir konnten aber damit beweisen, dass ein moderner Holzbau im Niedrigenergiestandard nicht teurer ist als ein Bau mit herkömmlichen Materialien“.

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Foto: pierer.net

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Foto: pierer.net

Mehr Kinder für Graz
Für Hohensinn ist „die Lebensqualität in einem Holzgebäude nicht zu überbieten.“ Das Material erhöhe nicht nur die Konzentration, sondern reduziere auch Aggressivität und Vandalismus. Zdrahal kann das bestätigen: „Kinder und Eltern rissen sich um Plätze in einem der neuen Klassenzimmer.“ Insgesamt wurden 600 m3 Holz verarbeitet. Dank der Vorfertigung war auch die Bauphase relativ schnell vorüber, in nur acht Monaten stand das Gebäude. Der Erweiterungsbau passt ins Bild einer wachsenden Stadt, und der Bauherr, die GBG Gebäude und Baumanagement Graz, setzt bewusst auf den nachwachsenden Rohstoff. Es ist in Graz bereits der 16. Schulbau aus Holz. In Zukunft werden in Graz 80% mehr Ganztagsbetreuungsstellen benötigt, es wird 40% mehr Schüler und somit rund 100 Klassen mehr geben.

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Glas und Holz dominieren das Erscheinungsbild des Zubaus – Licht und warme Hoztöne prägen das Ambiente. Foto: pierer.net

Cluster-Lernen am Marktplatz
Jeweils zwei Klassen teilen sich einen sogenannten Marktplatz, den erweiterten Klassenraum vor den Schiebetüren. Den LehrerInnen bleibt es überlassen, ob sie offen oder geschlossen arbeiten. Der Marktplatz dient als Erweiterung und Verbindungselement zwischen den Klassen. Die Klassenzimmer im Neubau entsprechen mit 60 m2 nur den Mindestanforderungen, während sie im Altbau auf 70 m2 kommen. „Das ist natürlich ein Luxus, aber ich halte den Standard von 60 m2 eigentlich für zu klein“, meint Zdrahal. Die zum Gemeinschaftsraum erweiterbaren Klassenzimmer versuchen dieses Größenmanko wettzumachen. „Die zusätzlichen rund 40 m2 am Marktplatz sind ein guter Kompromiss, aber es ist in der Unterrichts­praxis schon ein Unterschied, ob man den Raum mit der Klasse alleine nutzen kann oder ob man sich den teilen muss.“ Das Cluster-System entspricht den modernen Vorstellungen eines Schulgebäudes und war bereits in der Wettbewerbsausschreibung eine von Pädagogen erarbeitete Vorgabe.

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Foto: pierer.net

Leben und lernen mit der Natur
„Das Holz als umgebendes Element kann hier eine Selbstverständlichkeit mit Naturmaterialien lehren“, sagt Josef Hohensinn und bezeichnet den Raum als unterbewussten Lehrmeister. Auch was die Lüftungsanlage angeht, machte die Not erfinderisch und schaffte einen lehrreichen Kompromiss: Auf eine Komfortlüftung wurde aus Geldgründen verzichtet, dafür wurden CO2-Ampeln installiert, die bei zu hohem CO2-Gehalt in der Luft auf rot schalten. Dann muss eben mechanisch gelüftet werden. Hohensinn: „Aus meiner Sicht ist das gar nicht so schlecht, da lernen die Kinder auch das Lüften.“ Die Schule stehe außerdem in einem Grünbereich ohne Belastung von außen, so könne man auch bei geöffnetem Fenster gut arbeiten.

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Foto: pierer.net

Fazit des Fachbeirats
Von der handwerklichen Qualität des ­Objektes ist Architekt Johannes Kislinger begeistert: „Man kann das Können der Anwendung von Holz sowohl im Konzept als auch in der Fassadengestaltung ab­lesen.“ Die volle Punktezahl erhält die Schule von ihm aber nicht: „Fünf Punkte wären es, wenn die Bauherrschaft von den Mehrkos­ten einer mustergültigen Sanierung überzeugt hätte werden können.“ Franziska Trebut von der ÖGUT ist ebenfalls nicht ganz überzeugt: „Ein Schulneubau mit einer rein mechanischen Lüftung kann nicht umfassend beispielgebend sein. Die CO2-Ampeln werden zeigen, dass die empfohlenen Werte bei voller Klassenbelegung mehrmals pro Stunde überschritten werden.“ Roger Hackstock von Austria Solar kritisiert außerdem das energetische Konzept: Er bemängelt eine ausreichende sommerliche Abschattung sowie Nachkühlung. (hez)

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