Energiewende - 01.02.2018
Im Jahr 2017 überholte die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zum ersten Mal jene aus Stein- und Braunkohle zusammen, meldet die Berliner Initiative Agora Energiewende.
Trotz des Anstiegs bei Wind- und Solarenergie sind die CO2-Emissionen des europäischen Stromsektors 2017 nicht gesunken, sie lagen weiterhin bei 1.019 Millionen Tonnen Foto: pixabay.com

Im Vergleich zum Vorjahr sei die aus erneuerbaren Energien erzeugte Strommenge um 12 Prozent gewachsen. Damit habe sich seit 2010 der Anteil von Strom aus Wind, Sonne und Biomasse in der EU mehr als verdoppelt. Da jedoch die Wasserkraftproduktion 2017 stark rückläufig war, sei der Anteil aller erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung gegenüber dem Vorjahr nur leicht von 29,8 auf 30,0 Prozent gewachsen.

Von Land zu Land habe sich der Anteil erneuerbarer Energien sehr unterschiedlich entwickelt, heißt es weiter. Großbritannien und Deutschland etwa trugen in den vergangenen drei Jahren mehr als die Hälfte zum Ausbau der erneuerbaren Energien bei. Die Windenergie spielt hier eine große Rolle: In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 30 Prozent des Stroms aus Wind, Sonne und Biomasse erzeugt, in Großbritannien waren es 28 Prozent. Das stärkste prozentuelle Wachstum wurde in Dänemark verzeichnet. Im Jahr 2017 stammten 74 Prozent des dort erzeugten Stroms aus Wind, Sonne und Biomasse, ein Anstieg um sieben Prozentpunkte innerhalb eines Jahres.

Dem starken Wachstum in diesen Ländern steht ein sehr niedriges Wachstum in anderen EU-Staaten gegenüber, etwa in Slowenien, Bulgarien, Frankreich, der Slowakei, der Tschechischen Republik und Ungarn. Andere Länder konnten zu Beginn des Jahrzehnts noch ein deutliches Wachstum verzeichnen, in den vergangenen drei Jahren jedoch lediglich Stagnation. Hierzu zählen Spanien, Italien, Portugal, Belgien und Griechenland. Ausnahmen bilden Kroatien und Rumänien, wo der Anteil von Strom aus Wind, Sonne und Biomasse seit 2011 von niedrigen einstelligen Werten auf 18 (Kroatien) und 16 Prozent (Rumänien) gestiegen ist. In sechs Ländern wurden 2017 weniger als zehn Prozent des Stroms aus Wind, Sonne und Biomasse produziert: Slowenien (4 %), Bulgarien (7 %), Frankreich (8 %), Slowakei (8 %), Tschechische Republik (8 %) und Ungarn (10 %).

Auch bei den fossilen Energien zeige sich eine uneinheitliche Entwicklung, so Agora. Die Stromerzeugung aus Steinkohle ging wegen der höheren Windstromproduktion um 7 Prozent zurück - diese Entwicklung werde sich in den Niederlanden, Italien und Portugal aufgrund von politischen Beschlüssen fortsetzen. Die Stromerzeugung aus Braunkohle stieg EU-weit im Jahr 2017 jedoch leicht, eine Abkehr von der Braunkohleverstromung sei bislang nicht zu erkennen.

„Die Entwicklung der erneuerbaren Energien in Europa wurde in den vergangenen Jahren stark von der Erfolgsgeschichte der Windenergie in Großbritannien und Deutschland geprägt. Doch nur, wenn alle Länder in Europa sich gleichermaßen engagieren, ist bis 2030 ein Anteil von 35 Prozent Erneuerbarer Energien am Energieverbrauch möglich. Hierzu kann die Photovoltaik viel stärker beitragen als bisher. Gemessen an ihrem Potenzial und ihren inzwischen sehr niedrigen Kosten spielt sie eine viel zu kleine Rolle“, sagt Matthias Buck, Agora Energiewende.

Publikation „The European Power Sector 2017“

Intiative Agora Energiewende

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