In Norwegen scheint eine Explosion eine der wenigen Tankstellen für Wasserstoff-Autos in Brand gesetzt zu haben. Ist die Technologie (noch) zu gefährlich? Und wie oft brennen E-Autos?

Im Anhang eine Darstellung des Standorts, einschließlich des hervorgehobenen Hochdruckspeichers, der nun im Mittelpunkt der Untersuchung steht. Foto: Hydrogen

Ein gern verwendetes Argument GEGEN Elektrofahrzeuge ist deren angebliche Brandgefahr. Als Untermauerung derselben werden regelmäßig erscheinende Veröffentlichungen herangezogen, in denen es um die Marke Tesla geht. Wenn ein Tesla brennt, ist das anscheinend vielen Medien eine Meldung wert.

Zu früh für ein Urteil

Nun also auch H-Fahrzeuge. Was ist geschehen? Die IT-Newssite golem.de hat die Meldungen so zusammengefasst: "Die Wasserstofftankstelle des Betreibers Uno-X Hydrogen in Sandvika, einem Vorort von Oslo, war am Montag gegen 17:30 Uhr in Brand geraten. Dabei wurden zwei Insassen eines anderen Autos leicht verletzt. Die Airbags des Fahrzeugs sollen durch die Wucht der Explosion ausgelöst worden sein. Der Grund für den Unfall ist noch nicht geklärt. Nel Hydrogen teilte mit, das Unternehmen arbeite an der Aufklärung der Ursache. Es bestehe aber keine Gefahr mehr. Nel Hydrogen hat die Tankstelle aufgebaut. Der Betreiber Uno-X Hydrogen ist ein Joint Venture von Nel Hydrogen, der Tankstellenkette Uno-X und des Gaslieferanten Praxair."

Offizielles Statement

Am 17. Juni 2019 gab das Unternehmen eine offizielle Information über die Brandursache und Ermittlungen ab. "Basierend auf weiteren Untersuchungen können wir mit Sicherheit sagen, dass das Leck im Hochdruckspeicher begonnen hat, und wir führen nun Untersuchungen durch, um die detaillierten Mechanismen des Lecks sowie die Ursache der Zündung zu verstehen", sagt Geirmund Vislie, Vice President Consulting von Gexcon. "Die Niederdruck-Stahl- und Verbundlager waren weder die Quelle des Lecks noch die Zündquelle. Bei dem Vorfall sind keine Tanks explodiert." 

Nur 160 Wasserstoffautos in Norwegen

Nachdem der Tankstellenbetreiber auch alle anderen Tankstellen daraufhin sperrte (nämlich genau 2 Stück, eine in Bergen und eine nordöstlich von Oslo), stellten Toyota und Hyundai ihre Autolieferungen nach Norwegen ein. Wobei man sich bewusst sein soll, dass es nur 160 derartige Fahrzeuge in Norwegen gibt – und das, obwohl Norwegen die Speerspitze der Länder mit alternativen Antrieben ist. Wasserstoff-Autos sind derzeit noch teure und sehr komplizierte Exoten und werden eher für Forschungszwecke erprobt. Es ist allerdings noch zu früh, über die Gefährlichkeit der Technologie Aussagen zu machen, zu wenig ist über die Brandursache bekannt.
 
90 Verbrenner brennen, nur 3 E-Autos

Schon eher bekannt sind die statistischen Verhältnisse bei Bränden von Elektrofahrzeugen, also Autos, die mit der Energie von z.B. Litium-Ionen-Batterien betzrieben werden. Und hier zeigt sich das Missverhältnis zwischen (gesteuerter) öffentlicher Aufmerksamkeit und tatsächlicher Gefahr deutlich. So schrieb die Autorevue: "Zwei Brände pro einer Milliarde Kilometer. "

Statistisch lassen sich diese Vorkommnisse noch weiter relativieren, wie dies Martin Winter vom Forschungszentrum Jülich, Helmholtz-Institut Münster, beim Wiener Motorensymposium 2017 vorgerechnet hat: Beim klassischen Verbrennungsmotor gelten 90 Fahrzeugbrände pro einer Milliarde gefahrener Kilometer als normal. Rechnet man sechs abgebrannte Teslas auf ihre 3 Milliarden zurückgelegten Kilometer um, kommt man auf nur zwei Brände pro einer Milliarde Kilometer." Genauer ist energie:bau darauf in einem eigenen Artikel zum Thema "Sind E-Autos wirklich brandgefährlich?" eingegangen.  (hst)

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