Städte und ländliche Gebiete sind in ihren Mobilitätsmustern nicht vergleichbar. Bei einer Dekarbonisierung kann man letztere aber nicht ignorieren. 

Niedrige Bevölkerungsdichte trifft auf mehr PKW. Städte funktionieren einfach anders als das Umland. Foto: pxhere

Wenn wir über die Mobilität der Zukunft sprechen, darüber wie wir heute schon von A nach B gelangen sollten, ohne diesen Planeten noch weiter unter Druck zu setzen, sprechen wir meist nur von einem Teil der Lösung. Wir sprechen von der Mobilität in den Städten, während zum Beispiel in Österreich weiterhin nur ein Drittel aller Personen tatsächlich in einem solchen Umfeld lebt (Stand 2012).

Alle weiteren wohnen entweder am Land oder in Zwischenregionen. Die Mobilität in Städten und ländlichen Regionen ist dabei aber nicht miteinander vergleichbar. In größeren Städten kann man auf weitgehend gut ausgebaute Öffi-Netze zurückgreifen, alles mit dem Rad fahren oder den Weg zur Arbeit gar zu Fuß zurücklegen. Über all diese Optionen verfügt die Landbevölkerung nicht.  

Der Weg zur Arbeit, zu Freunden, Verwandten oder für den Einkauf funktioniert in den meisten Fällen ausschließlich mit dem Auto. Natürlich gibt es auch in ruralen Gebieten Busse, aber die fahren dann teils mit einem Takt von mehreren Stunden und sind quasi nur dazu da, die Schulkinder aus der Region in die Zentren zu bringen. Hat die Schule zu, fahren teils auch kaum Busse. 

Will Österreich seine Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2030 wie geplant um 36 % im Vergleich zum Jahr 2005 reduzieren, müssen wir aufhören, nur die Städte zu betrachten und Möglichkeiten für ländlichere Regionen finden. Wir haben dazu drei Vorschläge entwickelt und unterstützen diese mit bestehenden Systemen aus anderen Regionen. 

1. Effizientere Öffentliche Verkehrsmittel

Ein logischer erster Schritt wäre ein Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel in ländlichen Regionen. Kritische Stimmen weisen nun zurecht darauf hin, dass höhere Takte und mehr Linien niemandem helfen, wenn die Leute die Verkehrsmittel trotzdem nicht nutzen. Die Frage ist also nicht nur, wie man mehr Öffis zum Einsatz bringt, sondern auch, wie man die Leute dazubringt, sie auch zu nutzen. 

Zum einen könnte man dazu sämtliche öffentliche Verkehrsmittel gratis machen. Luxemburg hat das schon gemacht und auch Estland hat es zum Teil umgesetzt. Wenn eine Busfahrt sie nichts mehr kostet, könnte das einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass mehr Leute auf sie zugreifen. Selbiges gilt auch für Zugfahrten und alles andere. 

Zum anderen könnte man das Problem der vielen benötigten Routen mit einem Bus umgehen, der seine Ziele in der Region flexibler anfährt. In der kanadischen Stadt Belleville geschieht dieses Bushailing-System bereits. Man ordert dazu wie bei Uber einen Bus per App und gibt an, wohin man will. Man bekommt eine automatische Antwort mit der Ankunftszeit und braucht dann nur noch hineinspringen. Natürlich benötigt so ein System eine starke Software im Hintergrund. Belleville erhält die zum Beispiel von Pantonium

2. Mehr E-Mobilität

Auch wenn E-Autos gern als die „perfekten Stadtautos“ bezeichnet werden, so sind sie eigentlich wesentlich besser für die Region und für Pendler mit eigenen Häusern geeignet. Das entspricht ungefähr 92 % der Wohnverhältnisse in peripheren Gebieten, wie der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) berichtet.  

E-Autos sind wie für diese Gebiete gedacht, denn man kann das Auto problemlos zuhause aufladen und damit – mit grünem Strom – emissionsfrei alle Strecken erledigen. Hier fehlt so nur noch der zusätzliche Ansporn aus der Politik, um die E-Autos tatsächlich in die Garagen zu bringen. Zwei Varianten dazu:  

Zum einen könnten Gemeinden und Länder Gefährte und/oder Wallboxen fördern, wie es auch schon in der Förderung in Österreich vorgesehen ist. Alternativ könnten sie auch anbieten, dass Anwohnende gemeinsam für die Installation einer stärkeren Ladestation mit mehreren Anschlüssen für die Region aufkommen. Mit einer ähnlichen Software wie beim Flottenmanagement wie von Ibiola könnte man nun dafür sorgen, dass Mitfinanzierende auch immer laden können.  

3. Carpooling und –sharing
Diese Mitfinanzierenden könnten dabei übrigens noch einen Schritt weitergehen und – im besten Fall wieder mit Unterstützung der Gemeinden – eine E-Auto zum Carsharing anschaffen. Die Gemeinde würde in dem Fall die Software und Organisation stellen und vielleicht auch für den Service aufkommen. Das könnte vielleicht nicht den Erst- aber mit ziemlicher Sicherheit den Zweitwagen der Familien ersetzen.

Alternativ könnten die Gemeinden auch Anreize für Carpools schaffen oder zu deutsch: organisierte Fahrgemeinschaften. Erneut könnte die Gemeinde für die Software sorgen und Poolende mit Bonuspunkten belohnen, für die man dann Gutscheine für regionale Unternehmen bekommt und als Bonus auch noch der regionalen Wirtschaft helfen. 

Daneben gibt es natürlich viele andere Möglichkeiten, wie man die Mobilität in ruralen Gebieten dauerhaft zum Besseren verändern kann. Der VCÖ hat kürzlich eine Publikation herausgegeben, in der er sich diesem Thema ebenfalls widmet. Klar ist dabei eines: Die Methoden aus den Städten werden sich nicht eins zu eins umsetzen lassen. (flb)

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