Kommentar von Peter Ott

KOMMENTAR _Wollen wir tatsächlich so bürokratisch wie derzeit bei den Erneuerbaren Energie-Gemeinschaften (EEG) die Energiewende schaffen?

Bürokratie im System – der gordische Kabelknoten gehört zerschlagen. Foto: Herbert Starmühler

Kommentar von Peter Ott, Energie-Berater, Langenzersdorf

Stellen wir uns vor, wir wollen gemeinsam mit ein paar Bekannten einen Ausflug machen, weil es gemeinsam ökologischer und günstiger ist.
Wir gehen also zum Ticketautomaten, lösen uns zum Beispiel ein Einfach-Raus-Ticket, steigen in die Bahn und fahren los. Und das jeden Tag, immer mit anderen Personen, manchmal auch nicht, ganz nach Belieben.

So aber stellt sich die Elektrizitätswirtschaft das aktuell vor
(Arbeitstitel "EEG"):

1. Alle, die mitmachen wollen, müssen einen Verein gründen.
2. Untereinander müssen sie vertraglich festlegen, wie sie die Kosten
verteilen wollen.
3. Auch diverse Rollen, Rechte und Pflichten müssen in den Statuten
festgelegt werden.
4. Mit dem Dienstleister muss jede einzelne Person auch noch einen
Vertrag abschließen.
5. Weiters brauchen wir noch ein unabhängiges Unternehmen, dass die
Sache dann abrechnet.
6. Daten und Abrechnungen bekommen wir irgendwann, vielleicht auch gar
nicht, jedenfalls aber nicht so, wie wir sie gerne hätten.

Nach frühestens ein paar Monaten geht es dann los, sofern noch alle Personen interessiert und am Leben sind.
Was aber, wenn jemand dazu oder weg will? Ganz einfach: Zurück zum Start, Verein umgründen, wieder warten...

Aja, der Amtsschimmel wiehert natürlich nicht gratis! Jede Gründung und Änderung kostet eventuell mehr, als die Sache überhaupt wert ist.

Wollen wir tatsächlich so oder so ähnlich die Energiewende schaffen? Wo bleiben die innovativen Verteilnetzbetreiber, die die Netzgebührengutschrift von 100%, 58% oder 27% zwischen ein paar Zählpunkten modern, flexibel und ohne Vereinsregister schaffen? Und noch dazu diese Energiekontingente gemäß EEffG geltend machen können?


Peter Ott

Peter Ott

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Photovoltaik, Energienetze und Elektromobilität – es gibt kaum einen Bereich des Energiewesens, in dem der Technik-Berater (und -Umsetzer) Peter Ott aus Langenzersdorf/NÖ nicht Bescheid weiß. 

Kommentare  

#1 Höfl Alois 2022-03-22 07:50
Ich kann dem Schreiber nur voll zustimmen. Wieso einfach, wenn es auch kompliziert geht. Auch im Förderbereich ist der Bürokratismus deutlich mehr geworden. Die Leidtragenden sind die Kunden und die Firmen, welche das alles umsetzen müssen. Wir sind schon am Rand unserer Kräfte und jetzt auch das noch. Oberste Priorität, um den Ausstieg aus der fossilen Energieverschwe ndung zu schaffen, muss erstens Energieeinsparu ng sein und weiters eine Vereinfachung des Zugangs zu Förderungen sowie eine Erhöhung der Fördersumme beinhalten.

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