Kommentar von Hans-Josef Fell

KOMMENTAR: Die gerade beschlossenen EU Klimaziele sind nicht einmal in der Lage, die in Paris verabschiedeten Ziele von 2°C oder besser 1,5°C einzuhalten. 

Klimaprotest
Klimaprotest in Wien – doch die Politik reagiert darauf zu wenig. Foto: sentiero - starmühler

EU-Staaten und Europaparlament haben sich heute auf ein verbindliches Gesetz für Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 verständigt, darin das Zwischenziel einer CO2-Reduktion um netto mindestens 55% bis 2030. Anders als vielfach kommentiert, können diese EU-Ziele keineswegs den bereits herrschenden Klimanotstand auf der Erde beenden, geschweige denn den Eintritt der Erde in eine unbeherrschbare irdische Heißzeit verhindern. Die Konsequenzen werden sein, dass es die menschliche Zivilisation wie wir sie heute kennen spätestens ab 2050 nicht mehr geben wird.

Heute bereits herrschen in weiten Teilen der Erde Hungersnöte, Stürme, großflächig abbrennende Wälder, Dürren, Überschwemmungen und viele weitere untragbare Katastrophen. Massenhafte Fluchtbewegungen und Kriege gehören zu den Folgen. Ursache ist eine schon heute mit Treibhausgasen überlastete Atmosphäre, doch die EU beschließt die hohen Treibhausgaskonzentrationen weiter nach oben zu treiben. Denn Klimaneutralität bis 2050 heißt nichts anderes, als dass es weiter hohe Treibhausgasemissionen geben wird.

Nur eine Politik, die an Nullemissionen und Kohlenstoffsenken bis 2030 orientiert ist, kann einen Beitrag liefern, der als wirksamer Klimaschutz bezeichnet werden kann.

Fossile Brennstoffe führen zur Heißzeit
Die Energy Watch Group hat im letzten Jahr bereits exakt belegt, dass eine angestrebte Klimaneutralität bis 2050 die Klimaziele von Paris verfehlt. „Politische Ziele, wie auch wissenschaftliche Szenarien, die nach 2030, also nach Überschreiten von 1,5°C noch die Nutzung fossiler Rohstoffe mit den zwangsläufig damit verbundenen Treibhausgasemissionen beinhalten, führen unausweichlich in eine Heißzeit.“

Bereits jetzt plus 1,2 Grad
Eine einfach nachvollziehbare Berechnung zeigt dies eindrucksvoll auf: Die Erdtemperatur hat sich im Jahre 2020 bereits auf 1,2 °C über dem vorindustriellen Niveau aufgeheizt. Im letzten Jahrzehnt gab es einen Temperatursprung um knapp 0,2 °C. In diesem Jahrzehnt bis 2030 wird der Temperatursprung nochmal deutlich höher liegen, da die mittlere Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre wegen weiteren Treibhausemissionen deutlich höher liegt, als im Jahrzehnt zuvor. Jede weitere Emission wird also den Temperaturanstieg pro Jahrzehnt nur weiter dramatisch erhöhen. Erst eine Senkung der Treibhausgaskonzentration von aktuell 420 ppm könnte in der Lage sein, den Temperaturanstieg zu stoppen oder gar umzukehren. Dies würde aber ein sofortiges Ende aller Treibhausgasemissionen plus die Schaffung großer Kohlenstoffsenken bedeuten.

Die heute beschlossenen EU Klimaziele sind also nicht einmal in der Lage, die in Paris verabschiedeten Klimaziele von 2°C oder besser 1,5°C einzuhalten. Die EU befindet sich damit nicht mehr auf dem Boden des völkerrechtlich verbindlichen Pariser Klimaschutzabkommens von 2015.


Nur Null-Emissions-Wirtschaft kann helfen
Der aktuelle Klimanotstand auf der Erde kann höchstens noch durch eine Null-Emissionen-Wirtschaft verbunden mit Kohlenstoffsenken, wie Aufforstung und Bio-Landwirtschaft, bis 2030 verhindert werden. Voraussetzung hierfür ist eine weit vorangetriebene industrielle Fertigung von Null-Emissionen-Technologien, insbesondere Erneuerbare Energien. „Eine Transformation zu 100 % RE kann schneller erfolgen als derzeit erwartet: Der Stromsektor kann bis 2030 transformiert werden, die anderen Sektoren bald danach. Mit politischem Willen scheint eine Transformation des globalen Energiesektors bis 2030-35 möglich “ so die Wissenschaftler*innen der Global 100% RE Strategy Group in einer Joint Declaration.

100 % Erneuerbare Energien
Die hier für möglich gehaltene Vollversorgung Europas mit 100% Erneuerbaren Energien, die den Kern eines wirksamen Klimaschutzes ausmacht und die zusätzlich wesentlich kostengünstiger ist das heutige klimaschädliche Energiesystem, spielt in der heutigen Europäischen Einigung jedoch keine Rolle.

Fazit: Nur eine Politik, die an Nullemissionen und Kohlenstoffsenken bis 2030 orientiert ist, kann einen Beitrag liefern, der als wirksamer Klimaschutz bezeichnet werden kann. Die EU-Einigung missachtet nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Notwendigkeit, wirksamen Klimaschutz schnell zu verwirklichen.

Hammelburg, 21. April 2021

Ihr Hans-Josef Fell

Hans-Josef Fell

Hans-Josef Fell

Hans-Josef Fell ist ehemaliger Bundestags-Abgeordneter der Grünen in Deutschland und Präsident der Energy-Watch-Group.

Kommentare  

#1 ernst Walter Schrempf 2021-04-22 16:29
Vereinbarte EU-Ziele führen in eine Heißzeit. Ja, denn unsere Atmosphäre hat bereits 420 ppm CO2.
Die Temperatur-Diff erenz in einer Warm-Kaltzeit-P eriode von Ø 100.000 Jahren ist ca. 15 Grad.
Im Jahr 1960, am Ø höchsten Punkt der Warmzeit, bei ca. 300ppm CO2 liegt unsere Ausgangspositio n bei 0 Grad. Heute bei 1,2 Grad. Die globale Temperatur sollte ab 1960 in den nächsten fünfzigtausend Jahren Richtung Kaltzeit absinken, statt mit erdgeschichtlic h noch nie dagewesener Geschwindigkeit szunahme, dem CO2-Stand von aktuell 418ppm folgend, Richtung Heißzeit anzusteigen!
Infos auf www.klimanotstand.com
Vorsicht, Inhalt kann zu psychischen Problemen führen!

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