Kommentar von Hans-Josef Fell

KOMMENTAR: Viele Menschen zweifeln, ob die E-Autos denn wirklich so umweltfreundlich sind.  Lassen Sie sich von den Nebelgranaten der Verbrenner-Lobby nicht beirren!

Kobalt-Grafik
Kobalt wird in gehärteten Autoteilen wie Kurbelwellen, Plerulstangen, Nockenwellen und Ventilsitzringen, Flugzeugtiebwerken und Turbinen eingesetzt. Und AUCH in Batterien. Handybatterien, Labtops ... und E-Autos. Grafik: energiewende.eu

In den letzten Jahren hat die Lobby der Hersteller von Autos mit Verbrennungsmotoren mit großer Medienaufmachung viel Unsicherheit geschaffen, indem sie tatsächliche oder vermeintliche Umweltprobleme der E-Autos und ihrer Batterien anprangerte. Lassen Sie sich nicht beirren und kaufen Sie dennoch ein E-Auto. Betreiben Sie es bestenfalls mit selbstproduziertem oder eingekauftem Ökostrom, als dass Sie weiterhin regelmäßig zur Tankstelle fahren und Benzin oder Diesel aus Erdöl tanken.

Die weltweit größten Probleme verursacht die Nutzung von fossilen und atomaren Rohstoffen für die Energiegewinnung, allen voran Erdöl, aber genauso Kohle, Erdgas und auch Uran. Sie sind Verursacher für die immer schlimmer werdende Erdüberhitzung und die ungelösten Probleme der Atommüllentsorgung.

Um Erdöl für unsere Autos werden seit Jahrzehnten Kriege geführt, im Nahen Osten, in Libyen, im Sudan und anderswo. Erdöl und Erdgaseinnahmen dienen in großem Stil der Terrorfinanzierung und der Finanzierung autoritärer Regime z.B. durch Saudi-Arabien, Iran, Libyen, Syrien. Havarierte Öltanker verseuchen immer wieder weite Küstenabschnitte und verursachen schlimmste Umweltkatastrophen.

Umweltverseuchungen und Wasserübernutzung gibt es auch in den Bergbauregionen von Erdöl, Erdgas, Kohle und Uran, verbunden mit Dumpinglöhnen und Kinderarbeit.

Beenden Sie ihre persönliche Verantwortung als Mitverursacher aller der oben genannten Probleme des Erdöles und tanken Sie in Zukunft nur noch Solarstrom. Der „Rohstoff“ Solarstrahlung schafft keine Umweltprobleme, im Gegenteil er ist die Grundlage für das Leben von Pflanzen, Tieren und Menschen auf dem Planeten Erde.

Die Hauptkritik an E-Autos und anderen Techniken, die Solarenergien nutzen ist die Tatsache, dass sie ebenfalls Rohstoffe benötigen. Doch auch alle fossilen und atomaren Technologien wie E-Autos oder Kohle-, Erdgas- oder Atomkraftwerke verschlingen beim Bau Unmengen an Materialien. Im Gegensatz zu solar betriebenen Technologien verschlingen die fossilen und atomaren während des Betriebs nochmal ungeheure Mengen an Rohstoffen, wie eben Erdöl, Erdgas, Kohle oder Uran. Das ist der entscheidende Unterschied der solaren Technologien zu den fossil/atomaren.

Einen typischer Beitrag ohne Einordnung der gesamten Probleme auch der Diesel- und Benzinautos finden Sie z.B. bei Phoenix (Anm.: Ein ARD-Magazin). Einseitig werden die E-Autos gebrandmarkt, von den viel größeren Problemen der fossilen Mobilität kein Wort.

Sollten Sie von der Propaganda der Verbrennungsmotorenlobby eingefangen sein und Zweifel an der Umweltfreundlichkeit von E-Autos haben z.B. wegen Kinderarbeit bei der Gewinnung von Kobalt oder der Wassernutzung durch die Lithiumgewinnung in der chilenischen Atacama-Wüste, dann machen Sie sich kundig über die wahren Verhältnisse.

Eine hervorragende und fundierte Analyse dazu hat das Online-Magazin Europäische Energiewende verfasst. Dort können Sie lesen, dass nur ca. 8% der weltweiten Kobaltnutzung für die Batterien von E-Autos verwendet wird. Kobalt findet sich dagegen in großem Stil als unverzichtbares Material für die Härtung von Metallen auch in Autos mit Verbrennungsmotoren, wie in Kurbelwellen, Pleuelstangen, Nockenwellen, Ventilsitzringen und Katalysatoren, aber auch in vielen anderen Anwendungen in der Chemie und anderen Teilen der Technikwelt, die wir alle nutzen, ohne uns auch nur einen Gedanken dazu zu verschwenden, wo denn das Kobalt dafür herkommt.

Dabei gibt es längst Entwicklungen von kobaltfreien Autobatterien, dagegen wird ein Verbrennungsmotorauto ohne Kobalt kaum seine technischen Anforderungen erfüllen können.

Auch die Wasserübernutzung durch Lithiumgewinnung für die Batterien der E-Autos in der chilenischen Atacama-Wüste ist eine maßlose aufgebauschte Propagandafigur, um dem ökologischen Ruf des E-Autos zu schaden.

Lesen Sie auch bei der Europäischen Energiewende, wie relativ gering der (Salz-) Wasserverbrauch bei der Lithiumgewinnung in der Atacama-Wüste ist und was die wahren großen Wasserbräuche dort sind. Dabei kommt nur ein geringer Teil des Lithiums aus Chile, viel größere Mengen kommen aus dem Bergbau in Australien und anderen Ländern.

Doch lesen Sie die sehr interessanten Zusammenstellungen gerne selbst und geben Sie diese an Bekannte weiter, wenn wieder von den angeblich riesigen Umweltproblemen der E-Autos erzählt wird und die gigantischen Probleme des Erdöls einfach ignoriert werden.

Hans-Josef Fell

Hans-Josef Fell

Hans-Josef Fell ist ehemaliger Bundestags-Abgeordneter der Grünen in Deutschland und Präsident der Energy-Watch-Group.

Kommentare  

#1 Novy Peter 2021-04-22 15:25
Danke für das offene Feedback! Total umweltfreundlic h wird ein Auto nie sein, auch nicht jegliche Individualfahrz euge, wie Fahrräder oder Tretroller, selbst wenn sie nicht batteriebetrieb en sind. Aber, wenn wir schon im ‚Kapsel-Dilemma ‘ leben, dann wenigstens die umweltfreundlic hste Form, wie beim Auto das E-Fahrzeug. Und, was mir bei Herrn Hell gefällt, nicht doktrinäre, sondern individuell, fair beurteilbare und vergleichbare Zahlen! Wertfrei!

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