Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin

Nach dem Fest schleicht sich der Kater an – es ist unser schlechtes Gewissen über die Massen an Verpackungen, die wir bestellt, gekauft, verschenkt und nun weggeworfen haben.

Nach dem Fest: Verpackungsabfall sprengt die Abfallschütten. Foto: H. Starmühler

Energieverschwender sind immer die anderen. Klimaschädlinge sind meistens weit weg, ich doch nicht. Das mag für viele von uns zutreffen. Für alle nicht.

Es genügt leider nicht, ein paar LED-Lampen einzudrehen oder zu einem alternativen Stromanbieter zu wechseln. Wir sollten alle unsere Lebensgewohnheiten hinterfragen oder zumindest kritisch beäugen. Das beginnt bei der täglichen Mobilität (Vielleicht mal aufs Rad umsteigen? Jetzt, wo die Kalorien bleischwer an einem hängen geblieben sind? Na?). Es führt über Bauweisen und Lebensstile (Ein „Heizschwammerl“ für die Terrasse noch schnell kaufen, bevor die Gasschleuder verboten wird?). Und führt zum täglichen Konsum.

Berge von Verpackungen
Nein, wir wollen uns hier nicht über unmäßigen Fleischkonsum alterieren – obwohl die homöopatischen Dosen der Vegetarier oder Veganerinnen unter der Bevölkerung der Rede wert wären. Nein, wir stoßen bei unserer Betrachtung auf die Berge von Verpackungen, die nun, nach den hoffentlich feierlichen Tagen, auf dem Sturzplatz landen. 

Von Amazon und dessen Brüdern gebrachte Gaben nehmen immer mehr epidemische Ausmaße an, was auch deren Verpackung betrifft. Zwar lässt sich vieles davon recht gut recyclen. Aber die Energie, die für die Herstellung (und auch das Recyclen) benötigt wird, ist in der Summe enorm. Dazu sind dann auch noch die CO2-Verbräuche hinzuzurechnen, die auf all den Wegen von Fabrik zu Fabrik, vom Lagerhaus zum Endverbraucher und dann eben wieder zurück zur Wiederaufbereitung via Sturzplatz anfallen.

Steuern sollen lenken
Ein lohnendes Betätigungsfeld für neue Regierungen: Kräftige Besteuerung von (meistens kostenlosen) Retouren von Online-Bestellungen. Amazon & Co. halten derzeit bei einer kolportierten Retourenquote von 63 % (!).

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Fleisch im Plastik, wohin die Hände reichen: Praktisch, aber problematisch. Foto: H. Starmühler

Doch wir brauchen nicht bis ins Amazon-Lager zu schauen. Es genügt ein Blick zum Supermarkt Ihres Vertrauens. Langsam, still und leise verbreitete sich eine Unsitte, die jeder von uns irgendwann schon einmal begangen hat: Statt sich Wurstwaren an der Theke frisch aufschneiden zu lassen (oder beim Fleischhacker zu holen), greift man in die immer größer werdenden Kühlwände, um sich in Plastik verschweißte, in Cellophanschalen gelegte Fleischwaren zu sichern.

Dauerlösung Kunststoff?
Dass so mancher Zeitgenosse dies mittlerweile als Dauerlösung ansieht (und sich den besseren Geschmack frisch Aufgeschnittenens entgehen lässt), kann an den vielen, vielen Kühlschrank-Metern erahnt werden, die Billa, Lidl & Co. immer mehr prägen. 

Ob Kartonverpackung via Botendienst oder Kunststoffverpackungen im Supermarkt – was spricht gegen einen saftige Besteuerung? Immerhin verursacht jeder und jede Deutsche oder ÖsterreicherIn im Durchschnitt über 200 Kilogramm Verpackungsmüll pro Jahr. Da käme schon ordentlich was zusammen für unseren Haushalt.

 (hst)

 

 

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur, Energieeffizienz und Mobilität, u. a. energie:bau, e:mobil und holzmagazin. Als seit Jahren leidenschaftlicher Tesla-Fahrer und Sonnenenergie-Empfänger ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

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