Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin

Die einen gehen ins Wasser, die anderen ziehen Milliarden-Euro-Investments ab. Warum machen die das?

v.li.: Christoph Pfemeter (Österr. Biomasse-Verband), Paul Ablinger (Kleinwasserkraft Österreich), Florian Maringer (Erneuerbare Energie Österreich), Katharina Rogenhofer (Klimavolksbegehren), Bernhard Stürmer (Kompost & Biogas Verband), Christian Rakos (proPellets Austria), Peter Püspök (Erneuerbare Energie Österreich), Roger Hackstock (Austria Solar), Martin Jaksch-Fliegenschnee (IG Windkraft), Vera Immitzer (Photovoltaic Austria). Foto: ©Astrid Knie
v.li.: Christoph Pfemeter (Österr. Biomasse-Verband), Paul Ablinger (Kleinwasserkraft Österreich), Florian Maringer (Erneuerbare Energie Österreich), Katharina Rogenhofer (Klimavolksbegehren), Bernhard Stürmer (Kompost & Biogas Verband), Christian Rakos (proPellets Austria), Peter Püspök (Erneuerbare Energie Österreich), Roger Hackstock (Austria Solar), Martin Jaksch-Fliegenschnee (IG Windkraft), Vera Immitzer (Photovoltaic Austria). Foto: ©Astrid Knie

Kürzlich gingen honorige Herren und elegante Damen ins Wasser. In voller Montur, im Businessoutfit, im grauen Zweiteiler stiegen sie ins Bassin eines Wiener Hallenbades, bis ihnen das Wasser bis zum Hals stand. Mit ernster Miene zelebrierten sie ihren Fototermin, bei dem sicherlich auch viel gelacht worden sein dürfte. 

Doch das Anliegen ist mehr als seriös. Allesamt sind sie Kämpfer für Erneuerbare Energien in Österreich – vom Biomasseverband über die Photovoltaik bis zur Interessensgemeinschaft Windkraft. Raus aus den fossilen Energieträgern! Das ist ihre Forderung. Und damit treffen sie sich mit den AktivistInnen für ein Klimaschutzbegehren – auch deren Vertreterin stieg ins Hallenbadewasser.

Wenn aber so viele Verbände und Organisationen für eine Sache kämpfen – warum machen wir denn das nicht? Ganz einfach: Weil die meisten Menschen zuerst einmal Geld verlieren, wenn sie mit dem Klimaschutz ernst machen. Hier einige Beispiele:

TEURER FLIEGEN: Die Vernunft sagt, dass um 19 Euro ein Flug von Wien nach Barcelona viel zu billig ist. Doch wir haben uns dran gewöhnt und möchten den Bummel auf den Ramplas nicht missen. Fast niemand möchte angemessene, sagen wir, 500 Euro für den Trip zahlen, wie früher.

WENIGER FAHREN: Bei den derzeit künstlich niedrig gehaltenen Benzinpreisen fallen Autofahrten zum Einkaufen nicht ins Gewicht. Warum also auch kürzeste Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen? Das will doch kaum jemand.

WENIGER EINKAUFEN: Ob Strümpfe, Bügelbretter oder Glühlampen: In den Turbozeiten des weltweiten Handels ist es für viele Branchen, wenn nicht für alle, überlebenswichtig geworden, dass die Dinge schnell kaputt und rasch nachgekauft werden. Das treibt aber den Energieverbrauch, beeinflust das Klima – aber wer will schon deshalb vom Shoppingspaß Abstand nehmen?

KLÜGER BAUEN: Energetisch gute Häuser kosten halt nun mal viel Geld, sagen die einen. Auf die Lebenszeit gerechnet kosten sie viel weniger als Energieschleudern. Aber was kümmert mich morgen oder übermorgen?

Man könnte noch viele Beispiele nennen. Praktisch jeder Angestellte, jede Mitarbeiterin in Österreich arbeitet in einem Unternehmen oder einer Institution, die bei der Umstellung auf die neue Zeit Geld verliert. Doch wenn es zu spät ist, mit der Umstellung anzufangen, wird es ganz dramatisch. Davon werden in fünf Jahren vielleicht die Besitzer von Aktien der deutschen Autobauer ein Lied singen können. So wie es aussieht, erkennt eine ganze Branche die Zeichen der Zeit nicht.

Dabei könnte ein Blick auf die sogenannten "Divestment"-Strategien globaler Fonds nicht Schaden: Allianz, Axa und der norwegische Staatsfonds sind nur einige Beispiele für Organisationen, die sich aus den Investments in Kohle (und andere fossile Energien) zurückziehen. Die Norweger praktizieren das seit 2015, doch nun legten sie nach: Der Fonds will weitere 12 Milliarden Euro aus Unternehmen herausziehen, deren Geschäftsmodell auf fossilen Brennstoffen beruht.

Es ist einfach zu riskant. Laut einem Bericht des britischen Instituts Energy and Financial Analysis (IEEFA) haben 40 Prozent der 40 größten Banken und 20 Versicherer mit globaler Bedeutung mittlerweile eine "Divestment"-Strategie. Selbst in Asien ist der Trend angekommen, indischen Kohlekraftwerken fehlte es laut dem Bericht an privaten Finanzierungsmöglichkeiten, wie die FAZ schrieb.

So sind die kleinen österreichischen "Vereinsmeier", die ins Wasser des Hallenbades gestiegen sind, um für den Ausstieg aus dem Fossilzeitalter zu trommeln, in guter Gesellschaft. 

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur, Energieeffizienz und Mobilität, u. a. energie:bau, e:mobil und holzmagazin. Als seit Jahren leidenschaftlicher Tesla-Fahrer und Sonnenenergie-Empfänger ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

Kommentare  

#1 Energierebell 2019-10-31 14:12
Mich wundert es nicht, wenn den EE-Verbänden das Wasser bis zum Hals steht, sind es nicht sie selber welche die Energiewende nach den Vorgaben der Politik unnötig hinauszögern, mit Forderungen Strom -und Energiewende bis 2030 bzw. bis 2050. warum haben sie nicht den Mut, der enormen Dringlichkeit entsprechend, 100% Erneuerbare Energien - JETZT, zu fordern, das wir seit 20 Jahren tun. das nichts weiter geht, darf einen dann nicht wundern,.. dann sind solche Aktionen reine Belustigung,.. the show must go on,..

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