Während Luftwärmepumpen im feuchten Dauernebel bei 2 Grad plus bis 5 Grad minus unter Vereisung leiden und ihre Effizienz verlieren, bleibt die Erdwärme unbeeindruckt.
Erdwärme: Die Batterie im Nebelwinter
Wenn die Photovoltaik im grauen Dunst nur noch Alibi-Erträge liefert, schlägt die Stunde der Erdwärmepumpe (Sole-Wasser-Wärmepumpe). Sie nutzt das Erdreich, das ab einer Tiefe von etwa 10 Metern eine konstante Temperatur von 8 bis 12 Grad Celsius aufweist – völlig unabhängig davon, wie dicht der Nebel an der Oberfläche hängt.
In den aktuellen „grauen Wochen“, die weite Teile Mitteleuropas im Griff haben, zeigt sich ein deutlicher Riss in der Welt der Wärmepumpen. Während Luft-Wasser-Systeme bei hoher Luftfeuchtigkeit und Temperaturen um den Gefrierpunkt mit Vereisung und sinkenden Wirkungsgraden kämpfen, zieht die Erdwärmepumpe ihre Energie aus einer Quelle, die vom Wetter völlig unbeeindruckt bleibt. Doch rechtfertigt die überlegene Technik den massiven Mehraufwand bei der Erschließung?
Die Investitionsrechnung und der Förderhebel
In der Anschaffung ist die Erdwärme zweifellos die teuerste Option am Markt. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus muss man inklusive der notwendigen Tiefenbohrung mit Brutto-Investitionen zwischen € 35.000,– und € 45.000,– rechnen. Im Vergleich dazu wirkt die Luftwärmepumpe mit etwa € 20.000,– bis € 25.000,– günstig.
Die Wirtschaftlichkeit verschiebt sich jedoch durch die staatliche Förderlandschaft des Jahres 2026. Da Erdwärme als hocheffizient eingestuft wird, fließen hier oft deutlich höhere Zuschüsse. In der Netto-Betrachtung schmilzt der Preisunterschied dadurch häufig auf eine Differenz von € 5.000,– bis € 8.000,– zusammen. Dieser Mehrbetrag ist nicht als reine Ausgabe, sondern als Investition in die Infrastruktur des Grundstücks zu werten.
Betriebskosten und Amortisation auf lange Sicht
Über einen Zeitraum von 20 Jahren entfaltet die Erdwärme ihr volles finanzielles Potenzial. Geht man von einem großen Wohnhaus mit 15.000 kWh Wärmebedarf aus, spart die höhere Effizienz der Erdwärme jährlich etwa 1.200 bis 1.400 kWh Strom. Bei den aktuellen Strompreisen von 2026 entspricht dies einer jährlichen Ersparnis von rund € 400,– bis € 500,–.
Zusätzlich profitiert die Erdwärmepumpe von ihrer mechanischen Schonung. Da sie im Inneren des Hauses steht und keinen schwankenden Witterungsbedingungen, Frost-Tau-Wechseln oder gar mechanischen Belastungen durch Ventilatoren ausgesetzt ist, liegt ihre Lebensdauer oft bei 25 Jahren und mehr.
Die Luft-Außeneinheit hingegen muss durch die ständige Belastung im Freien oft schon nach 15 Jahren ersetzt werden. In einer 20-Jahres-Bilanz (Total Cost of Ownership) liegt die Erdwärme daher trotz der Bohrung meist deutlich vor der Luftwärme.
Tiefenbohrung: Zwischen Energieausbeute und Verbot
Die gängigste Form der Erschließung ist die vertikale Erdsondenbohrung. In der Regel werden Tiefen von 80 bis 120 Metern angestrebt, da hier das Verhältnis zwischen Bohrkosten und gewonnener Energie optimal ist. Rechtlich gesehen ist dies bis 100 Meter meist unkompliziert, darüber hinaus greift oft das Bergrecht, was langwierige Genehmigungsverfahren nach sich zieht.
Es gibt jedoch Zonen, in denen die Bohrung tabu ist. In Wasserschutzgebieten der Zonen I und II sowie in Gebieten mit artesischem Grundwasser oder instabilem Karstuntergrund werden Bohrungen zum Schutz der Ressourcen untersagt. Hier bieten sich Erdwärmekörbe oder Flächenkollektoren als Alternative an, sofern das Grundstück ausreichend Platz bietet. Diese Systeme graben weniger tief (ca. 1,5 bis 4 Meter), benötigen aber eine wesentlich größere Fläche, die nicht versiegelt werden darf.
Gut für Nebellagen
Die Amortisation einer Erdwärme-Anlage findet im Kopf statt, bevor sie sich im Portemonnaie zeigt. Wer in Regionen mit hoher Nebeldichte oder kalten Wintern baut, investiert mit der Bohrung in eine Energiequelle, die über Generationen Bestand hat. Während die Wärmepumpe selbst irgendwann getauscht werden muss, bleibt die Erdsonde über 50 bis 80 Jahre aktiv – ein unschlagbarer Vorteil für den Wiederverkaufswert der Immobilie.
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Quellenangaben und Datengrundlage
Die im Artikel verwendeten Berechnungen und technischen Daten stützen sich auf folgende Institutionen und Berichte:
Förderrichtlinien: Kommunalkredit Public Consulting (KPC), Infoblatt Sanierungsoffensive 2026 – Raus aus Öl und Gas, Stand Februar 2026. (Details zur 30%-Deckelung und den Bonusbeträgen für Tiefenbohrungen).
Netzentgelte & Strompreise: E-Control Austria, Verordnung über Systemnutzungsentgelte 2026 sowie Marktbericht 2025/2026.
Technische Effizienz (COP/JAZ): Fachverband Wärmepumpe Austria, Leitfaden zur Planung von Erdwärme-Anlagen und aktuelle Feldtest-Daten von klimaaktiv.
Baukosten: Daibau-Baukostenrechner 2026 sowie Experteninterviews (PwC Geothermie-Studie Österreich).
LCC-Analyse: Basierend auf dem Berechnungsmodell des „Energieinstituts Vorarlberg“ für Lebenszykluskosten von Heizsystemen.
(hst/gemini)



