Ein Zoom-Meeting mit vielen Experten widmete sich dem Thema, wie Stadthäuser von fossilen Heizungen loskommen können. Oder auch nicht.

Wärmepumpen
Wärmepumpen in der Stadt brauchen ein möglichst leises Außengerät. Foto: Stiebel-Eltron

„Raus aus Öl und Gas: Sanieren mit Konzept – Fokus Wärmepumpe“ hieß der Video-Workshop, den die Wiener Wirtschaftsagentur mit anderen Verbänden und Unternehmen veranstaltete.

Bauphysiker, Architekten und Energietechniker besprachen, wie das dräuende Gasthermenverbot in Wien gemeistert werden könnte.  Die Zusammenfassung lautet: Alles läuft auf Strom hinaus. Je mehr die Energiewende ernsthaft betrieben wird und die Ziele formuliert sind, umso mehr kommt man auf eine Lösung: Strom. Denn wenn Gaskessel verboten und Ölbrenner ausgetauscht und die Kohleöfen längst am Müll gelandet sein werden – dann bleiben am Land nur noch Holzheizungen und in der Stadt neben der Fernwärme nur die Wärmepumpen. Solange nicht auch Holzheizungen verpönt sind. Siehe hier.

70 Grad Vorlauftemperatur ist noch zu viel

Doch wie soll das funktionieren? In den Großstädten sind hunderttausende Gasheizungen aktiv, viele alte Gemäuer sind luftig wie Vogelkäfige und brauchen rasend viel Heizenergie. 

Die Experten waren sich einig – wer mit 70 Grad in die Heizkörper geht, also 70 Grad heißes Wasser im Vorlauf benötigt, damit die Zimmer angenehm warm werden, der oder die kann die Wärmepumpe vergessen.

Grundsätzlich ist aber der Ersatz der Gastherme durch eine Wärmepumpe möglich. Radiatoren, Rohre und Platz für die Wärmepumpe sind ja schon da, nur das Stromnetz muss noch angeschlossen werden (und die Belastungen aushalten, aber das ist eine andere Frage).

Am besten bei gedämmten Wohnungen

Am besten funktionieren die Geräte, wenn die Wohnung gut isoliert ist und eben der Wärmebedarf nicht allzu hoch ist. Wer mit handwarmen und vielleicht 40 Grad heißen Heizkörpern normalerweise durch den Winter kommt, hat gewonnen.

Aber Achtung: Da gibt es noch einige Hürden. Vor allem ist zu bedenken, dass die zumeist verwendeten Luftwärmepumpen einen Ansaugventilator am Balkon oder Dachboden benötigen, jedenfalls im Außenbereich. Dort können dann die Nachbarn alle mithören, wenn es abends leise wird und die Wohnungen nahe beieinander liegen.

Felix Groth von der Wiener Magistratsabteilung 25 zum Thema Schallschutz und im Speziellen über die Messung desselben: „Vieles ist möglich, aber es ist durchaus kompliziert.“ Es gebe zwar einen Leitfaden, aber der regle nur den Schallschutz an der Grundstücksgrenze. Doch auch die Innenhöfe sind betroffen, sondern hier ist das Fenster das schützenswerte Ding. Lärmbeanstandungen in Innenhöfen sind schlussendlich nur privatrechtlich ausfechtbar.

Sehr leise Geräte wären sehr teuer

Geräuscharme Geräte wären das Ziel. Doch die Unternehmensvertreter warfen ein, dass hier überzogene Lärmschutz-Vorstellungen vorliegen könnten: Ganz, ganz leise, kaum hörbare Geräte, seien jedenfalls viel, viel teurer als die Standardware.

Da wird noch viel zu Diskutieren sein. Und genau deshalb bleiben wir von www.energie-bau.com dran und werden Sie in den kommenden Wochen darüber informieren, wie die Wärmewende in Wien oder Frankfurt gelingen kann.

(hst)

 

Kommentare  

#1 Klaus Pichler 2022-02-17 15:45
Die Nutzung von Abwasserenergie als erneuerbare Energiequelle für die Wärmepumpen ist eine weitere Möglichkeit, die für Heizung und Kühlung von Wohngebäuden sowie Altbauten mit berücksichtigt werden sollte. Der COP auf der Wärmepumpe liegt selbst bei benötigten Termperaturen von 70°C noch über 3 und ist damit absolut wirtschaftlich. Mehr Infos dazu unter www.energie-aus-abwasser.com !

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