Aus dem Heft: Energie ist das Schwer­punktthema des fünften Durchgangs der „Experten­befragung Zukunft Bauen“ der Unternehmensberatung Siegfried Wirth.
Von Sonja Fehrer-Wohlfahrt
Das größte Martktpotenzial für die kommenden Jahre wird der Wärmerückgewinnung zugesprochen.
klimaaktiv und die Wiener MA 20 - Energie­planung haben dazu viele Fragen eingebracht. Bei den Dauerthemen bestätigen sich viele Vorjahresergebnisse, es gibt jedoch auch neue Trends und einige­ überraschende Veränderungen.

Wer kennt die EU-Gebäuderichtlinie?
Die EU-Gebäuderichtline (EBD 2010) macht seit heuer neue Zielwerte wirksam. Abgefragt wurde daher, wie bekannt die damit zusammenhängenden Begriffe bereits sind. Fazit: Der Wissensstand könnte noch besser sein.  Am besten bekannt sind „Heizwärmebedarf“ und „Primärenergiebedarf“. Es folgen die zwei anderen Kriterien aus dem Energieausweis sowie „Nationaler Plan (OIB RL 6)“ und die „EU-Gebäuderichtlinie (EPBD: 2010).

Energie ist die Zukunft
Bei der Frage nach den zukünftigen Herausforderungen, die zu erwarten sein würden, hat sich die Gewichtung deutlich verschoben, und zwar in Richtung Themen der Energieeffizienz. Im Vorjahr war „Bauschäden vermeiden/minimieren“ das Spitzenthema. Diese Frage ist heuer nur auf Rang sechs gelandet. Auffällig ist, dass fast allen der acht vorgegebenen Energiethemen enorme Bedeutung zugemessen wird. So sind die „Vermeidung von Überhitzung“ und die „Nutzung erneuerbarer Energien“ die absoluten Spitzenreiter bei den Ergebnissen.  Vier weitere Fragen, die mit Energie zusammenhängen, sind unter den zehn wichtigsten Herausforderungen zu finden. Nur die „Minimierung grauer Energie“ ist im unteren Drittel der Ergebnisse zu finden. Insgesamt signifikant sind der Abstieg von „Vorfertigung (Kostensenkung, Qualitätssicherung)“ und der gleichzeitige Anstieg von „Nutzung erneuerbarer Energie“. Bei letzterem Ziel steht meist der Wunsch dahinter, lokale Energie bestmöglich zu nutzen.

Spannender Widerspruch
Ein interessanter Widerspruch findet sich in den Ergebnissen auch: Die „Vermeidung sommerlicher Überhitzung“ beschäftigt sich mit dem Problem, Energie zur falschen Zeit vom falschen Ort zu haben. Damit korrespondiert eigentlich auch das Thema „Wärmespeicherfähigkeit der Baustoffe“. Trotzdem ist der erste Aspekt ein Spitzenreiter und der zweite nur unter „Ferner liefen“ zu finden. Um ein Stimmungsbild zu erhalten, wann die Energieversorgung geplant ist, hat diesmal auch die MA 20 als Co-Auftraggeber teilgenommen. Bei der diesbezüglichen Fragestellung zeigte sich, dass 88 % im Rahmen der Planung  stattfinden. Bei mehr als der Hälfte (über 56 %) sind auch die Architekten an der Planung der Energieversorgung beteiligt. Nur in knapp 12 % der Fälle wird diese Planung „zu einem späteren Zeitpunkt“ durchgeführt.

Wie heizt man in Zukunft?
Die Antworten auf die Frage nach den Wärmeversorgungssystemen der Zukunft stimmen mit den Zielsetzungen der Smart-City-Wien-Rahmenstrategie überein.An erster Stelle stehen erneuerbare Energien aus Sonne und Umgebungswärme, die vor Ort gewonnen und auch gleich genutzt werden können. Fossile Energieträger sind weit abgeschlagen. Signifikante Unterschiede bei den am häufigsten eingesetzten Systemen gab es in einem Bereich wieder zwischen der Bundeshauptstadt und dem Rest Österreichs: Pellets und Hackschnitzel haben naturgemäß in der Großstadt Wien eine geringere Bedeutung.

Die Zukunft des Marktes
Eine auffällige Veränderung hat sich in der Einschätzung zukünftiger Marktaussichten der einzelnen Technologien gezeigt: Bei der Sonnenenergie wird eine Verlagerung von der Solarthermie in Richtung Photovoltaik erwartet. Außerdem erwarten die Experten, dass auch in anderen Bereichen der Markt größer wird. Das sind „Bauphysikalische Optimierung, Wärmedämmung“, „Intelligente Verschattungssysteme“, „Fußbodenheizungen und Betonkernaktivierung.

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