Die neuerdings möglichen Energie-Gemeinschaften haben gerade Hochkonjunktur. Mit eFriends startete eine sogar ein Crowd-Investing. Wird das jetzt etwas mit der „Bürger*innen-Energiewende“?

Das Energie-System ändert sich und Dezentralität soll eine größere Rolle spielen. Folie aus einer Präsentation der EEÖ

Die E-Gemeinschaft OurPower aus Oberösterreich ist bereits auf Teilnehmersuche gegangen und die eFriends, eine weit fortgeschrittene Energie-Gemeinschaft in Nappersdorf / NÖ, sind gerade dabei, Ihr Kapital erfolgreich aufzustocken, um noch mehr eFriends erreichen zu können und das System auszubauen. Hier geht es zur Crowd-Investing-Kampagne.

Viele Bürger*innen und Gemeinden überlegen derzeit, eine EGemeinschaft zu gründen oder einer bestehenden beizutreten. Bei einem Pressegespräch präsentierte der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich eine Studie dazu. Thema: Unter welchen Rahmenbedingungen entstehen gerade diese Gemeinschaften.

Martina Prechtl-Grundnig, die Geschäftsführerin des Dachverbandes, wies auf die Grundsätze dieser von der Europäischen Union im Rahmen des Clean Energy Packages beschlossenen Regelwerkes: Bürger*innen und Gemeinden und Vereine und eigentlich alle möglichen Personengruppen können gemeinsam Energie produzieren und verwerten – also den Strom an die anderen Teilnehmer*innen verkaufen. Das alles zielt auf Regionalität und Dezentralität.

Das Netz darf genutzt werden, die Teilnehmer können gemeimsam Photovoltaikanlagen oder andere Energieanlagen bauen, nutzen und verkaufen. Es geht weniger um ein gutes Geschäft und mehr um ein gutes Gefühl: Nähe und Vertrauen schaffen eine höhere Akzeptanz. Und um schnelleres Voranbringen der Energiewende.

Zu unterscheiden sind übrigens

  • Erneuerbare Energiegemeinschaften und
  • Bürgerenergiegemeinschaft

Hier die Unterschiede laut Jürgen Neubarth (e3-Consult), erstere bezeichnete er als „den Goldstandard der Gemeinschaften“.

 Energie Gemeinschaften e3 Juli 2020

 

Jürgen Neubarth, früher Montanuniversität, später FH Kufstein und seit 2009 Geschäftsführer des Beratungsunternehmens e3-Consult wurde mit dieser Studie beauftragt.

Hier noch einige Folien aus seiner Präsentation:

 

Auf die Frage von energie-bau.com nach der Forderung des Verbandes nach – welchen – günstigeren Netznutzungsentgelten für die neuen Energie-Gemeinschaften antwortete Martina Prechtl-Grundnig ausweichend: „Wir wollen möglichst vielen Verbrauchern bis zur Netzebene 5 die Möglichkeiten der Nutzung der Netze ermöglichen.“ Zur Erklärung: Es ist derzeit noch nicht geklärt, welche Netzebenen zugänglich sein werden. Ist es nur die Niedrigspannungs-Ebene 7 oder werden das auch die leistungsfähigeren Netzebenen 4 oder 5 sein.

Presseaussendung des Dachverbandes für Erneuerbare Energien EEÖ
Das Hintergrundpapier zu den Energiegemeinschaften
Zusammenfassung der wesentlichen Punkte zu den Energiegemeinschaften
Grafiken zu den Energiegemeinschaften

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Kommentar Herbert Starmühler (www.energie-bau.com)

Leider blieb der Verband Erneuerbarer Energie Österreich jegliche Aussage nach günstigen Netzgebühren für Energie-Gemeinschaften schuldig. Die EU will ja die regionalen Netze, die regionalen Energie-Gemeinschaften fördern – und ihnen natürlich auch einen Vorteil geben. Worin liegt denn sonst der Spaß an einer Energie-Gemeinschaft? Natürlich geht es über kurz oder lang um einen Preisvorteil. Das emotionale Moment in Ehren. Aber wir brauchen viel mehr derartige Energien – und mehr Druck der Verbände auf politische Funktionäre. Wir wollen günstigere Durchleitungstarife für die Benützung der (von uns allen bezahlte) Stromnetzen oder eine Befreiung von Steuern und Gebühren für die EGs. Diese Forderungen vehement und frühzeitig zu deponieren, wäre eine wichtige Aufgabe der Energie-Verbände. Los EEÖ!

herbert@starmuehler.at

 

 

Kommentare  

#1 Georg Benke 2020-07-12 23:04
ad stramuehler: In den relevanten Richtlinien ist zu den Gemeinschaften eindeutig definiert, dass das Ziel dieser Gemeinschaften nicht die Erwirtschaftung von finanziellen Gewinnen ist. Also ist es nicht zwingend, dass hier von einem Preisvorteil auszugehen ist. Eine günstige Durchleitungsge bühr führt nur dazu, dass wer anderer dafür zahlen muss - die Kosten für die Infrastruktur bleiben ja bestehen. Wer soll die Kosten übernehmen, weil es dutch die Energiegemeinsc haften zu keiner Reduktion der Kosten in der Infrastruktur kommt. Oder gibt es da andere Ansichten.

Ein Problem was aber derzeit völlig in der Diskussion fehlt, ist der Energieaufwand für die "Datenverwaltun g" dieser neuen Möglichkeit. Daten zu speichern, kostet Energie und die muss wo herkommen. Hier wäre mal interessant, welche Energiemenge die Digitalisierung verursacht.

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