Das Vorarlberger Photovoltaik-Unternehmen Hansesun machte Ende Jänner mit einer bemerkenswerten Aussendung von sich reden: Anzahlungen sollten verboten werden, PV-Installationen seien erst nach vollständiger Fertigstellung abzurechnen.
Zahl der Insolvenzen in der Photovoltaik-Branche hat sich verdoppelt
Hier ein Teil der Aussendung: „Die Zahl der Insolvenzen in der Photovoltaik-Branche hat sich österreichweit verdoppelt. Auch Vorarlberger Anbieter sind betroffen. Viele Kundinnen und Kunden haben ihre Anzahlungen verloren und stehen nun ohne Gewährleistung und Service da.
Der Vorarlberger Marktführer Hansesun warnte schon 2024 vor einer Pleitewelle in der PV-Branche und wies auf die unseriöse Praxis von Anzahlungen hin. Nun erneuert Hansesun die Forderung nach einem gesetzlichen Verbot von Anzahlungen.
Anzahlungen, Lockangeboten und aggressiver Werbung
Manche Firmen haben sich mit Anzahlungen, Lockangeboten und aggressiver Werbung in der Zeit des PV-Booms künstlich aufgepumpt. Doch wenn eine seriöse wirtschaftliche Grundlage fehlt, steht am Ende ein Millionenschaden bei Kunden und Mitarbeitern“, sagt Andreas Müller.
Seit Jahren warnt der Hansesun-Vertriebsleiter vor diesem Szenario. Erst vor wenigen Wochen ging die Mons Solar Österreich GmbH mit Sitz in Dornbirn in Konkurs. Die Mutterfirma Mons Solar in Sennwald ist mittlerweile ebenfalls insolvent. Soeben traf es auch Gama mit Sitz in Au im Schweizer Rheintal. „Tausende Haushalte stehen jetzt ohne Service und Garantie da, viele haben viel Geld verloren“, berichtet Robert Veronik, Geschäftsführer von Hansesun Photovoltaik Swiss.
„Seriöse Anbieter verlangen keine Anzahlungen“
Seriöse Anbieter verlangen keine Anzahlungen und rechnen die Kosten erst nach Inbetriebnahme der Anlagen ab. Der 2014 gegründete PV-Spezialist Hansesun hat im gesamten Bodenseeraum und Tirol rund 12.000 PV-Anlagen realisiert. „PV-Anlagen und Stromspeicher sind Lagerware, keine Spezialanfertigungen – da sind Anzahlung Unsinn. Mit der Vorfinanzierung beweist ein Unternehmen, dass es wirtschaftlich gesund ist und auch in Zukunft da sein wird“, betont Veronik.
„Branchenverbände müssen Anzahlungsverbot forcieren“
Die Lösung liegt für Hansesun auf der Hand: ein gesetzliches Verbot von Anzahlungen auf PV-Anlagen. „Sowohl in Österreich als auch in der Schweiz müssen sich die Branchenverbände PV Austria und Swissolar auch im Eigeninteresse für ein Verbot einsetzen“, fordert Andreas Müller. „Unseriöse Anbieter ruinieren die Menschen, den Markt und die Branche. Der schlechte Ruf von Mitbewerbern färbt auch auf zuverlässige Partner und lokale Handwerksbetriebe ab. So kann und darf es nicht weitergehen“, ist Veronik überzeugt.
Branchenverband sieht es anders
Vera Immitzer, Geschäftsführerin PV Austria: kann diesem Ansinnen wenig abgewinnen „Die Insolvenzen in der Photovoltaikbranche sind Teil einer breiteren Entwicklung innerhalb der gesamten Bauwirtschaft. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche neue Unternehmen im PV-Sektor gegründet worden, was zwangsläufig auch zu einer höheren Insolvenzquote führt. Jede einzelne Firmeninsolvenz ist dabei äußerst problematisch. Gleichzeitig haben politische Maßnahmen der vergangenen Monate diese Entwicklung zusätzlich verstärkt.“
„Eine faire Anzahlungsstruktur ist kein Risiko“
Eine Anfrage zum Thema beantwortete Peter Schöppl, Rechtsanwalt bei Anwaltskanzlei SCHÖPPL | LEHNER so: „Eine faire Anzahlungsstruktur ist kein Risiko, sondern das Fundament für eine reibungslose Projektrealisierung der PV-Anlage. Durch eine rechtlich ausgewogene Vertragsgestaltung lässt sich das Vertrauen zwischen Fachbetrieben und Kunden nachhaltig stärken. Ich empfehle transparenten, leistungsbezogene Zahlungspläne, die die Investitionssicherheit des Kunden schützen, wodurch der Kunde schnellstmöglich den eigenen Sonnenstrom produzieren kann.“
Verband rät weiterhin zu Anzahlungen
„Grundsätzlich raten wir weiterhin zu Anzahlungen“, sagt PVA-Chefin Immitzer. Und weiter: „Sie stellen kein Risiko per se dar. Im Gegenteil: Anzahlungen bieten sowohl Unternehmen als auch Kundinnen und Kunden Vorteile, etwa durch frühzeitige Absicherung und eine bessere Planbarkeit von Projekten - auf beiden Seiten.
Es gilt zu vermeiden, dass nun alle Unternehmen aufgrund einzelner schwarzer Schafe in Haftung genommen werden. Eine grundlegende Änderung etablierter Geschäftspraktiken oder der rechtlichen Rahmenbedingungen halten wir daher nicht für erforderlich.“
Website >> Hansasun
Website >> Photovoltaic Austria



