Viel Skepsis herrscht bei den Spediteuren – und doch arbeiten sich die Elektro-LKW langsam auf die Straßen vor. Wie viele sind es schon?

Es wird ernst mit der E-Mobilität bei schweren Brummer: Der Mercedes eActros 600 schält isch aus der großen Vergangenheit. Foto-Collage: Mercedes

Der Markt für schwere Nutzfahrzeuge befindet sich mitten in einer historischen Transformation. Während elektrische Pkw längst zum Straßenbild gehören, nimmt die Elektrifizierung der Logistikflotten im Jahr 2026 – gemächlich – an Fahrt auf.

Hier ist Statusbericht zur Lage der E-LKW in Europa:

{steady}

In der Europäischen Union sind derzeit etwa 6,4 Millionen LKW zugelassen. Ende 2025 waren davon schätzungsweise 22.000 bis 25.000 rein elektrische LKW (> 3,5 t) auf europäischen Straßen. Zum Vergleich: Ende 2024 lag dieser Wert noch bei etwa 13.500 Fahrzeugen.

Neuzulassungen: Der Marktanteil von E-LKW bei den Verkäufen lag im Jahr 2025 bei etwa 3,8 % (im Vorjahr waren es noch 2,1 %). In Vorreiter-Märkten wie Deutschland, den Niederlanden und Skandinavien liegen die Quoten bereits deutlich höher.

Anteil an der Gesamtflotte: Bezogen auf alle fahrenden LKW in Europa macht der Elektro-Anteil derzeit lediglich etwa 0,3 % bis 0,4 % aus.

Das ist nicht viel, von Durchmarsch ist (noch) keine Rede. 

Mautbefreiung wird keinen Durchbruch bringen

Es sind wohl allgemeine Skepsis gegenüber der E-Mobilität, aber auch handfeste Kostenthemen, die vor einem Kauf abhalten: Die Verlängerung der Maut-Befreiung für emissionsfreie Lastwagen in Deutschland bis 2031 dürfte laut einem Bericht wirkungslos verpuffen. Spediteure erklären gegenüber Auto Motor und Sport, dass Elektro-Lkw wegen der deutlich höheren Anschaffungskosten und des lückenhaften Ladenetzes nicht attraktiv seien. Zudem verteure die geringere Zuladung die Speditionskosten. (ecomento.de)

Die typischen Einsatzbereiche und Strecken

Urbaner Verteilerverkehr,
150 – 300 km, sozusagen der Standard: Entsorgungsfahrzeuge, Supermarkt-Belieferung. Hier sind E-LKW bereits voll konkurrenzfähig.

Regionaler Güterverkehr,
300 – 500 km, wachsend: Shuttle-Verkehre zwischen Logistikzentren. Dies ist aktuell das am stärksten wachsende Segment.

Fernverkehr
(Long-Haul), 500 – 800 km, Markteinführung: Modelle wie der Mercedes eActros 600 oder neue Scania-Modelle erreichen über 500 km ohne Ladestopp. Die Massenproduktion startete 2025/26.

Die Preisfrage: Was kostet ein E-LKW?

Die Anschaffungskosten sind derzeit noch die größte Hürde für kleine und mittlere Transportunternehmen.

Ein klassischer Diesel-Sattelzug kostet ca. 100.000 €. Ein vergleichbares Elektromodell liegt derzeit bei etwa 250.000 € bis 350.000 €. Damit ist er etwa 3-mal so teuer in der Anschaffung.

Förderungen & Maut
: In Ländern wie Deutschland werden diese Mehrkosten oft durch Förderprogramme (z. B. KsNI) und die Befreiung bzw. Reduktion der CO2-Maut abgefedert, was die Betriebskosten (TCO - Total Cost of Ownership) über 5–7 Jahre oft konkurrenzfähig machen sollte.

Es geht zunehmend und steiler bergauf
Die Entwicklung verläuft exponentiell. Experten und Hersteller (wie Volvo, MAN, Daimler) gehen davon aus, dass die Kurve ab 2026 steil nach oben geht, da nun die Serienproduktion der Fernverkehrs-Modelle voll angelaufen ist.

Um die Klimaziele zu erreichen, müssten bis 2030 ca. 400.000 emissionsfreie LKW in Europa fahren. Das erfordert eine massive Beschleunigung beim Aufbau von MCS-Ladestationen(Megawatt Charging System), die LKW in 30–45 Minuten aufladen. Analysten erwarten, dass bis 2030 jedes dritte neu verkaufte Nutzfahrzeug in Europa elektrisch sein wird.

Und dar Wasserstoff (H2) -LKW ?

Während der Batterie-Elektro-LKW (BEV) den Markt dominiert, bleibt Wasserstoff (FCEV) eine Nische für Spezialanwendungen. Im Vergleich zu den ~25.000 E-LKW fahren in ganz Europa derzeit nur geschätzt 400 bis 500 Wasserstoff-LKW (Brennstoffzelle). Ein H2-LKW ist technisch komplexer und in der Anschaffung nochmals deutlich teurer als ein E-LKW (oft über 500.000 €). Zudem sind die Treibstoffkosten für grünen Wasserstoff derzeit noch nicht wettbewerbsfähig.

Es gibt europaweit ca. 300 H2-Tankstellen, wovon nur ein Bruchteil für schwere LKW geeignet ist (hoher Druck/Menge).
Fazit: Das "Rennen" um den Standard scheint vorerst zugunsten der Batterie entschieden zu sein. Wasserstoff wird voraussichtlich nur dort eine Rolle spielen, wo extrem lange Strecken ohne Lademöglichkeit oder sehr schwere Lasten in abgelegenen Gebieten transportiert werden müssen.

Quellen:

 (hst/gemini)

Leserbriefe, Anmerkungen, Kommentare bitte an redaktion(at)energie-bau.at

ebau newsletter