Kommentar von Sandra Gloning
Projektleiterin, Chefredakteurin energie:bau und holzmagazin

Ich habe beruflich jeden Tag mit der Klimakrise zu tun. Und trotzdem zieht sich mein Magen zusammen, wenn das Thema im Freundes-, Bekannten- oder Verwandtenkreis aufkommt. Eine Erklärung.

Wir machen alle Fehler. Jeder Einzelne von uns. Foto: Pexels

Ich lese jeden Tag Artikel über die Klimakrise, publiziere sie, gebe Infos an die Redakteure weiter und halte mich ehrlich gesagt, für sehr informiert darüber, wo wir aktuell stehen. Reden wir es nicht schön. Fakt ist, wir stehen aktuell nicht gut da. Nicht nur Österreich, nein, die gesamte Welt nicht. Wir verlieren diese Krise, die kein Wandel ist. Aber das ist nicht der Grund, warum ich es hasse über das Thema zu sprechen.

 Die Medien haben uns Menschen eingeredet, dass jedes Individuum die Welt retten muss.

Damit nehmen wir die Verantwortung von den Konzernen, wir nehmen sie von den Regierungen und schieben sie auf jeden Einzelnen von uns. Doch wir sind nicht perfekt. Ich habe gestern Abend Fleisch gegessen UND letzte Woche meine Einkaufstüte vergessen und musste mir eine aus Plastik vom Billa mitnehmen. Letzten Freitag habe ich eine Plastikflasche mit Wasser im Zug gekauft, weil ich so durstig war. Und ich weiß, dass diese paar Vergehen nicht über den Ausgang der Krise entscheiden werden.

Aber wie oft passiert es, dass wir uns gegenseitig verurteilen.

Wie wir uns in einer Runde entschuldigen, weil wir eine Flugreise gebucht haben oder jemand reumütig im Restaurant Fleisch bestellt. Wie wir denjenigen an der Supermarktkasse anschauen, wenn wir merken, dass er nicht seine eigene Tüte mitgebracht hat. Und damit müssen wir aufhören!

Wir müssen aufhören damit, dass wir uns gegenseitig ein schlechtes Gewissen machen.

Denn wenn wir das tun, dann schweigen wir. Wir schweigen, weil wir uns schämen und lieber nicht über das Problem sprechen, aus Angst, dass jemand auffällt wie viele Fehler wir als Individuum die ganze Zeit machen. Scham ist ein Gefühl, das lähmt. Wenn wir uns schämen, sitzen wir still, werden nicht laut, rebellieren nicht, fordern nicht ein. Wenn wir uns schämen, vermeiden wir das Thema.

Aber diese Zeit haben wir nicht mehr!

Wir müssen aufhören, andere Personen darauf hinzuweisen, dass sie nicht über die Klimakrise sprechen sollten, weil sie jetzt diesen Burger essen, der gerade von einem Auto im Lieferservice in einer Plastiktüte gebracht wurde. Stattdessen müssen wir uns gegenseitig eingestehen, dass wir alle unser Bestes versuchen, aber wir Fehler machen. Jeder von uns. Jeden Tag. Und uns zugestehen, dass das in Ordnung ist.

Und wenn wir das getan haben, dann müssen wir laut werden.

Wir müssen die Regierungen, die Konzerne und all die Entscheider in ihre Verantwortung nehmen. Wir müssen laut werden, wir müssen rebellieren, wir müssen fordern. Denn ich hab keine Lust mehr, mich weiter zu schämen. Und ich finde, das sollte keiner von uns.

Sandra Gloning

Sandra Gloning

Projektleiterin, Chefredakteurin energie:bau und holzmagazin

Kommentare  

#2 Andreas 2019-08-19 07:47
Na ja - ich meine man sollte schon den Wink mit dem Zaunpfahl nicht vergessen, denn eine Änderung ist nur möglich, wenn alle was tun und wenn mans wieder billigt wirds nix werden. Würde bei jedem Auto der Auspuff nicht hinten raus gemacht, sondern vorne vor der Windschutzschei be, damit jeder sieht was er täglich der Umwelt antut würds auch im Gewissen anders ausschauen. So sieht man halt nur den Auspuff vom anderen - und das ist ja OK...., und das zieht sich bei allen Sachen so durch.

lg Andreas
#1 mexpi 2019-08-15 11:55
nettes Artikelchen, aber so lange die Grünen und ihre Wähler die Vielflieger und SUV-Fahrer sind, werden wir auch nichts gegen die Plastikmafia ausrichten können, egal wie viele "Gretas" mit Ihrer Klima-Show in der Weltgeschichte rumkurven.

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