Die Biomasseverbände fordern den Umstieg vom russischen Gas auf Holz- und andere erneuerbere Energien. 

Gerald Pfiffinger (Geschäftsführer Umweltbundesamt), Franz Titschenbacher (Präsident Österreichischer Biomasse-Verband), Rudolf Rosenstatter (Obmann Waldverband Österreich) und Christian Rakos (Geschäftsführer proPellets Austria). Foto: Biomasseverband

Der Kriegsausbruch in Europa durch den Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine führt in Verbindung mit der hohen Abhängigkeit Österreichs von Erdgas- und Erdöllieferungen aus Russland zu einer dramatischen Gefährdung unserer Energieversorgungssicherheit. Dringender Handlungsbedarf zur bestmöglichen Nutzung unserer regional verfügbaren nachwachsenden Ressourcen ist gegeben.

Die Biomasse-Umweltverbände Österreichs und das Umweltbundesamt (vertreten durch die Herren im Foto oben) fordern daher Folgendes:

1. Sofortiger Stopp der Subventionierung klimaschädlicher fossiler Rohstoffe. Einführung eines Waldpflegebonus für in Verkehr gebrachtes Energieholz in der Höhe von 30 Euro pro Tonne CO2-Ersatz-Äquivalent. Klarer und vorgezogener Ausstiegspfad für Erdgas im Erneuerba- ren-Wärme-Gesetz. Umrüstung der bestehenden Gasinfrastruktur für erneuerbare Gase so- wie Ausbaustopp von neuen Gasleitungen für fossiles Methan auf allen Ebenen.

2. Verabschiedung des Erneuerbaren Gas-Gesetzes. Verdoppelung des Mindest-Zieles für den Ausbau erneuerbarer Gase auf 10 TWh pro Jahr. Keine Rohstoffrestriktionen und Etablie- rung eines praxistauglichen Fördersystems zur Gaseinspeisung.

3. Verdoppelung der Ziele zum Ausbau der kombinierten Strom- und Wärmeerzeugung sowohl aus Holzkraftwerken als auch Biogasanlagen im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) auf zumindest 2 TWh pro Jahr.

4. Umstellung der städtischen Fernwärmeerzeugung auf Abwärme und erneuerbare Energie- träger mit optimaler Kombination aller verfügbaren Technologien (Biomasse, Solarthermie, Wärmepumpe, Bauteilaktivierung, Effizienzsteigerung, KWK, etc.)

5. Effizienzprogramm zur Aktivierung zusätzlicher Energieholzpotenziale durch Wärmerückge- winnung bei der Holztrocknung in der Holzindustrie, durch die Modernisierung von Biomasse- Heizwerken sowie durch den Austausch alter Allesbrenner durch moderne Holzheizungen.

6. Rasche Implementierung neuer Technologien durch stufenweise Ausschreibung von sechs Reallaboren in den Größenordnungen 15, 50 und 100 MW Brennstoffwärmeleistung zur Pro- duktion von Holzgas und Holzdiesel.

7. Aufstockung der Energieholzlager und Verstärkung der Energieholzlogistik in allen Anwen- dungsbereichen. Verabschiedung einer gesetzlich verankerten Pelletsbevorratung zum Auf- bau strategischer Pelletslager, um die volle Versorgungssicherheit auch in Krisensituationen zu gewährleisten.

8. Verlängerung der Maßnahme – insbesondere M2* – im Waldfonds-Programm um mindes- tens fünf Jahre und Aufstockung der Dotierung, um kurzfristig zusätzliche Holzmengen zu mobilisieren. Abnahme der anfallenden Holzsortimente zu kalkulierbaren Preisen (Langfrist- verträge) zur Zwischenlagerung in Großlagern zur Versorgung der neuen Kapazitäten.

9. Umfangreiches Holzbauprogramm und klimaeffiziente Nutzung der anfallenden Koppel- und Nebenprodukte. Verstärkte Nutzung landwirtschaftlicher und kommunaler Roh- und Rest- stoffe für die Energieversorgung.

10. Keine neuen Beschränkungen zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe im European Green Deal. Klare Positionierung der Bundesregierung und aller Ministerien zur Beibehaltung der aktiven nachhaltigen Waldbewirtschaftung.

*Maßnahmen zur Regulierung der Baumartenzusammensetzung zur Entwicklung klimafitter Wälder.

Weitere Forderungen und Grafiken finden Sie hier.

 

Kommentare  

#1 Clemens 2022-03-03 15:04
Bei aller Begeisterung die ich für Biomasse habe auch mit ihr muss sparsam umgegangen werden will man unabhängig von Öl und Gas werden.

Der Ausbau um 2 TWh/pro Jahr bei der Stromerzeugung klingt gut, er klingt noch viel besser wenn er nicht auf einem Fixtarif wie bisher fusst, sondern auf einem Aufschlag auf den Marktpreis.

Dann wird nicht wertvolle Biomasse verbraucht um Strom zu erzeugen den zu dieser Zeit keiner braucht und wo man überlegt ihn in Wasserstoff zu speicher.

Dann wird Biomasse eben dann verbraucht wenn die Kombination aus Marktpreis Strom + Wärmeverkauf + Prämie passen. In "normalen Jahren" wären das sicher weniger als 3000 Volllaststunden im Vergleich zu den bisherigen 6000-8000 Volllaststunden . Dies sind aber genau diese Stunden wo man der Ökoenergie unterstellt, dass keine Versorgungssich erheit bietet.

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