Photovoltaik-Betriebe wenden sich mit offenem Brief an die Landesregierung.

Stromleitungen
Scharfe Kritik am Einstieg der der illwerke-vkw-Gruppe bei Doma Solartechnik übten Mathias Muther, Aerocompact (links), und Andreas Müller (Hansesun Austria) bei einer Pressekonferenz der Vorarlberger Photovoltaikbranche. Fots: Dietmar Mathis

Der Frust ist groß im Ländle: Immer mehr treten die Netzbetreiber auch als PV-Unternehmer auf – und bedrängen die Kundschaft der privaten Betriebe. Nun übernahmen die Netzbetreiber und Energielieferanten die Mehrheit an der Firma Doma – das bringt das Fass zum Überlaufen, wie Andreas Müller, Hansesun Austria GmbH, und Mathias Muther, Aerocompact GmbH berichteten.

Mit einem Offenen Brief haben sich 18 Unternehmen der Vorarlberger Photovoltaikbranche nun an die Vorarlberger Landesregierung gewandt. Sie wehren sich gegen den ihrer Ansicht nach Missbrauch der Marktstellung durch die landeseigene illwerke-vkw-Gruppe, die als Monopolistin auch den Netzzugang für alle Photovoltaikanlagen bereitstellen muss.

Hier der Brief im Wortlaut (Hervorhebungen durch die Redaktion):

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, sehr geehrte Herren Landesräte,

wir als Unterzeichner dieses Offenen Briefs repräsentieren mehr als zwei Drittel des Marktvolumens in der Vorarlberger Photovoltaik-Branche mit mehreren hundert MitarbeiterInnen. Wir arbeiten seit Jahren mit voller Kraft erfolgreich an der Energiezukunft Vorarlbergs und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz.

Die landeseigene illwerke-vkw-Gruppe stellt für sämtliche Photovoltaikanlagen den Netzzugang bereit.
In den vergangenen Jahren hat sie begonnen, selbst Photovoltaikanlagen anzubieten, und setzt nun mit der Minderheitsbeteiligung an der Doma Solartechnik den nächsten großen Schritt. Damit ist die illwerke-vkw-Gruppe gleichzeitig große Mitbewerberin und Monopolistin, bei der wir für unsere Anlagen den Netzzugang beantragen müssen.

Wir erfahren immer wieder eine, unsereres Erachtens missbräuchliche Ausübung der Marktstellung und unfaire Wettbewerbsmethoden seitens der illwerke-vkw-Gruppe. Sie nützt nicht nur ihre Macht und ihren Einfluss. Eine Fülle von Indizien und Rückmeldungen unserer Kunden bringen uns zur Überzeugung, dass auch die gesetzlich vorgeschriebene Trennung von Energieversorgung und Netz bewusst missachtet wurde und wird.

Unsere Kunden wurden und werden von Mitarbeitern der illwerke-vkw-Gruppe kontaktiert, nachdem wir eine Netzzugangsanfrage gestellt haben. Sie berichten uns, dass vkw-Mitarbeiter Auskunft über Daten geben, die nur der Vorarlberger Energienetze GmbH zugänglich sein dürfen – und umgekehrt.

Günstigere Tarife in Aussicht gestellt
Für unsere Anlagen wird der Netzzugang teils an Auflagen geknüpft, die für die Angebote der vkw nicht zu gelten scheinen. Auch günstige Tarife und technische Infrastruktur werden in Aussicht gestellt, wenn der Auftrag zur Errichtung an die illwerke-vkw-Gruppe geht.

Fragwürdigen Methoden der illwerke-vkw-Gruppe
In einem fairen Wettbewerb ist uns jeder Mitbewerber willkommen. Gegen die unfairen und nach unserer Einschätzung rechtlich fragwürdigen Methoden der illwerke-vkw-Gruppe wehren wir uns entschieden. Sie als Eigentümervertreter sind verantwortlich für das Handeln des landeseigenen Unternehmens.

Landesregierung als Konkurrent
Es ist nicht akzeptabel, dass die Vorarlberger Landesregierung ein Landesunternehmen einsetzt, um einer ganzen Branche Konkurrenz zu machen, statt die Kooperation zu suchen. Mit dem Einstieg bei Doma Solartechnik bereitet das landeseigene Unternehmen auch einem Schweizer Hersteller für PV-Montagesysteme den Boden und stellt sich gegen den führenden heimischen Hersteller. Ist das tatsächlich die Politik der Vorarlberger Landesregierung und der gewünschte Zusammenhalt nach Corona?

Die unterzeichnenden Unternehmen fordern die Vorarlberger Landesregierung hiermit dringend auf:
Rückzug aus dem Photovoltaikmarkt:

Die illwerke-vkw-Gruppe hat ausschließlich den Netzanschluss bis zum Zähler zu gewährleisten.

Ertüchtigung des Netzes für die Zukunft: Die illwerke-vkw-Gruppe muss ihre Kernaufgabe wahrnehmen und das Netz für die steigenden Anforderungen von Photovoltaik und E-Mobilität aufrüsten.

Rückzug aus dem Energieinstitut, das immer wieder die Angebote der illwerke-vkw-Gruppe in den Vordergrund stellt.

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann, sehr geehrte Herren Landesräte, wir bieten Ihnen eine partnerschaftliche Zusammenarbeit für unser gemeinsames Ziel an, die Photovoltaik in Vorarlberg rasch auszubauen und Klimaneutralität zu erreichen. Wir sind überzeugt: Das derzeitige Verhalten der illwerke-vkw-Gruppe schadet diesem Ziel.

Mit freundlichen Grüßen

die Vorarlberger Photovoltaik Branche

Mathias Muther, Aerocompact GmbH • Tim Mittelberger, Dorfelektriker Mittelberger GmbH • Cosimo D’Onofrio, D’Sonnweber e.U. Frank Gmeinder, Energieoptimierung Gmeinder e.U. • Andreas Müller, Hansesun Austria GmbH • Florian Helbock, HF-Service Mario Seeber, ISM-Schaltschranktechnik GmbH • Patrick Brugger, Kraftwerk kw Photovoltaik GmbH
Bernhard Burtscher, Licht und Wärme Elektrotechnik Burtscher GmbH • Matthias Lins, Lins dach & fassade GmbH
Emanuel Gstach, Neis GmbH • Peter Metzler, Optikon OG • Franz Blauensteiner, R-Power Umwelttechnik & Consulting GmbH Siegfried Steurer, Siegfried Steurer Installationen/Energietechnik GmbH • Marc Schierl, Solarconcept Schierl GmbH Markus Oberluggauer, Sonnenfaktor • Renan Sen, SST Solar GmbH • Stefan Bilgeri, Stefan Bilgeri Der Elektriker

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