Die Proteste gegen die EVN-Taktik, nur mehr kleine PV-Anlagen in Niederösterreich zuzulassen, zeitigt erste Erfolge: Nun werden "EVN-Spannungswächter" eingebaut.
In Feldheim werden Strom und Wärme durch Erneuerbare-Energie-Anlagen direkt vor der eigenen Haustür erzeugt. Foto: FNR/Jan Zappner


Klingt ein bisschen nach Revolutions-Wächter. Die EVN-Spannungswächter sollen aber nur wachsam gegen Überspannungen sein, die durch die Einleitung von Sonnenstrom ins Imperium des niederösterreichischen Stromnetzes entstehen könnten. Nach Angaben der EVN sei nämlich das Netz so schwach, dass PV-Anlagen mit mehr als 5 kWp (d.s. kleine Hausanlagen) nicht mehr verkraftbar seien. Dies will die Grüne Energiesprecherin im NÖ Landtag, Helga Krismer, nicht glauben: "Es kann nicht sein, dass unserem Stromnetz die Sicherungen durchbrennen, wenn einige Photovoltaikanlagen ins Netz einspeisen wollen. Das sind ja Zustände wie in fernen Ländern!"
Fern oder nah, das Land Niederösterreich als 51-%-Eigentümer der EVN, wurde in den vergangenen Wochen über die Abwehrhaltung der EVN immer ungnädiger – nun wurde Abhilfe vereinbart: Der Spannungswächter. Das kleine Elektro-Kistchen regelt bei Überspannungen den Stromzufluss ab.
So weit so überflüssig, wie Kenner der Materie meinen (jeder Wechselrichter wird ohnehin mit ENS-Netzüberwachung ausgestattet, der Spannungswächter tut de facto das gleiche). Aber immerhin.

Und nun der Nachteil für die Betreiber der Anlagen: SIE sollen den Bodyguard bezahlen.
Wir fragten bei EVN-Sprecher Stefan Zach an: "Ja, der Spannungswächter wird von den Betreibern zu bezahlen sein. Er wird für Anlagen bis zu 30 kWp rund 600-700 Euro kosten, bei größeren leicht darüber liegen. 50 % unseres Netzgebietes sind aber ohnehin nicht betroffen, weil dort ausreichende Kapazitäten vorliegen."
Die EVN beteuert, dass es nur ganz selten zu einer Abregelung (und daher zu Einnahmenverlusten für die Betreiber) kommen werde, dennoch sei der Spannungswächter als Absicherung wichtig.

Das sehen viele Basisgruppen der Energiewende anders: Sie meinen, für das Netz ohnehin zu bezahlen, und sprechen von Abzocke.

EVN-Sprecher Zach: "Das ist keine Abzocke sondern für alle gleich und fair." Zach gesteht allerdings zu, dass die Kommunikation besser laufen hätte können, die Leute hätten nicht verstanden, dass sie 5 kWp installieren könnten, 7 kWp aber nicht.
Wie geht es nun praktisch weiter? "Wir werden in den kommenden 2-3 Wochen die Geräte konfigurieren und dann gleich mit der Installation beginnen". Kann daher jeder PV-Willige loslegen ohne Behinderung? Zach: "Ja, nun gibt es keine Beschränkungen mehr".

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Grüne und FPÖ kritisieren EVN
http://noe.orf.at/news/stories/2606967/
www.evn.at

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