Beim Verbund geht´s rund: Seit Monaten wird versucht das Debakel beim Gas-Dampfkraftwerk im südsteirischen Mellach herunterzuspielen – doch es scheint schlimmer als erwartet.
Gewinne aus der Mellach-Produktion lassen auf sich warten © chemiereport.at
Es verdichten sich die Gerüchte, wonach der für Dezember dieses Jahres geplante Start des ersten neuen Blockes bis weit ins erste Quartal 2012 hinein verschoben werden muss. Mit dem Siemens-Generator wird man also – wenn er denn einmal funktioniert – erst viel später zu den errechneten Einnahmen aus dem Stromverbrauch kommen.

Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber musste vor wenigen Wochen zerknirscht eingestehen, dass das neue Kraftwerk um 110,3 Millionen Euro abgewertet werden muss. Die Gaspreise sind nämlich unvermindert hoch – und damit ergibt sich für das Kraftwerk eine „schwierige Profitabilitätssituation“, wie Anzengruber formulierte. Man könnte auch einfach sagen: Gewinne aus der Mellach-Produktion sind so bald nicht zu erwarten, wie die Tageszeitung „Die Presse“ süffisant notierte.

Bei einem Krisengipfel vor einigen Wochen wurde laut „Die Presse“ Klartext geredet: „Siemens musste seinem Auftraggeber gegenüber zugeben, dass die sogenannte Linie 1 des Kraftwerks, die Mitte Dezember in Betrieb hätte gehen sollen, gröbere technische Mängel aufweist. Man hoffe, dass das Problem binnen 100 Tagen behoben werden könne. Bei der Linie 2 gebe es auch technische Schwierigkeiten. Mit ein bisschen Glück seien es die gleichen Probleme wie bei Linie 1 – aber Genaueres wisse man derzeit nicht. Darüber hinaus weise die Gesamtanlage auch noch allerlei technische Wehwehchen auf. Das wird teuer. Der Verbundkonzern hat seinerzeit mit Siemens Pönalezahlungen im Fall von technischen Mängeln und der Nichteinhaltung vereinbarter Termine vertraglich festgelegt. Interne Berechnungen gehen nun von 20 Millionen Euro an Strafzahlungen für Siemens aus – als unterste Grenze. Möglich seien aber durchaus auch 30 bis 40 Millionen.“

In der Branche munkelt man, eine Personalie bei Siemens könnte ursächlich mit dem Mellach-Problemfall zusammenhängen: Ende September schied der langjährige Siemens-Vorstand Gunter Kappacher plötzlich „einvernehmlich“ aus dem Konzern aus. Kappacher, dem einst sogar ein Sprung an die Konzernspitze zugetraut worden war, war für den Bereich Energie zuständig.

Quelle: Die Presse
Der Börsianer


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