Das bekannte Unternehmensberatungsunternehmen A.T. Kearney verfasste eine eigeninitiierte Studie mit dem Thema: Schafft Europa die Energiewende? Florian Haslauer fordert einen gesamteuropäischen Kraftakt und blickt kritisch auf die verabschiedete Ökostromnovelle.
Dezentrale PV-Stromerzeugung ist vor allem in ländlichen Gebieten wirtschaftlicher als die Versorgung über zentrale Kraftwerke.
Energieeffizienz statt Energieautarkie - so könnte ein oberflächliches Fazit der A.T. Kearney - Studie lauten. Vice President Florian Haslauer ging bei seiner Studienpräsentation sogar noch einen Schritt weiter: Bei einer koordinierten europäischen Förderung könnte der Ausbau schneller erreicht werden, oder bei gleicher Ausbaugeschwindigkeit 9 Mrd. Euro eingespart werden. Als Richtwert nannte Haslauer einen mit 20 bis 30 Mrd. dotierten europäischen Energiefonds, der in Ergänzung zu nationalen Fördersystemen errichtet werden könnte.

Abfuhr für Energieautarkie
Nationale Alleingänge im Stile der österreichischen "Energieautarkie" könnten laut Haslauer sogar kontraproduktiv sein: "Bürgern könnte so signalisiert werden, dass wir in Zukunft komplett auf Energieversorgungsleitungen verzichten, da ja eh jeder energieautark sein wird." Schon das Forum Versorgungssicherheit hatte unlängst eine integrierte Energiepolitik statt Kleinstaaterei gefordert.
(>>Artikel: Trügerischer Tellerrand)

Konzentration auf effiziente Standorte
Aus europäischer Sicht müsse man überlegen, ob es nicht besser sei, Anlagen dort zu installieren, wo die Erträge größer seien, nämlich an Offshore-Windkraft- und südeuropäischen Solar/PV-Standorten. Erst wenn die Kosten für Photovoltaik dann etwa in zehn Jahren niedriger seien, könnte man Großanlagen auch verstärkt in Deutschland oder Österreich installieren.

Ökostromförderung umschichten
Kritisch äußerte sich Haslauer zur aktuellen Ökostromnovelle, die eine deutliche Steigerung der Förderung zur Folge hat. Auf regionaler Ebene müsse der Schwerpunkt weniger auf Ökostromförderung, als auf Effizienz-Maßnahmen liegen. Laut Haslauer liegt Österreich schon jetzt bei der Förderung erneuerbarer Energien europaweit im Spitzenfeld, nur drei Länder würden bereits jetzt mehr ausgeben. In Spanien sei die Förderung pro Megawattstunde (MWh) Stromverbrauch 2009 bei 14,9 Euro gelegen, in Deutschland bei 12,4 Euro, in Italien bei 8,5 Euro und in Österreich bei 7,8 Euro - mit der Ökostromnovelle werde sich dieser Wert um etwa 50 Prozent erhöhen.

Empfehlungen für Österreich
Bei erneuerbaren Energien in Österreich legt A.T. Kearney den Fokus auf Wasserkraft sowie Wind an geeigneten Standorten. Photovoltaik und Biomasse sollen eher dezentral erzeugt werden, der Eigenverbrauch sollte in Form eines Einspeisetarifs "belohnt" werden.

Kostenexplosion
Die Notwendigkeit für Energieeffizienz-Maßnahmen unterstrich Haslauer mit zwei zentralen Zahlen. Nach derzeitiger Berechnung wird Österreich im Zeitraum 2008-2012 kumuliert ca. 80. Mio. t CO2 über den Kyoto-Ziel liegen. Bei konservativer Berechnung von 10 Euro/t dürften demnach Nachzahlungen von insgesamt 800 Mio. Euro fällig sein.
Auch im kleineren (Haushalts-) Maßstab lohnt sich Energieeinsparung. Haslauer rechnet innerhalb der nächsten zehn Jahre mit einem Anstieg der Energiekosten für Endverbrauer um 50%.

Foto: Schönemann/pixelio.de

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