Kanada senkt die Einfuhr-Zölle von elektrischen Autos aus China von 100 auf 6 Prozent. Gut für Verbraucher:innen, Kritik kommt aus der US-Industrie.

GM-Fahrzeuge (wie der abgebildete Equinox EV) müssen sich auf mehr chinesische Konkurrenz in Kanada gefasst machen. Foto: GM

Kanadas jüngstes Abkommen, jährlich bis zu 49.000 in China produzierte Elektrofahrzeuge zuzulassen, stellt laut General-Motors-Chefin Mary Barra ein Risiko für die nordamerikanische Automobilindustrie dar. 

Das Abkommen senkt den effektiven Zollsatz für die importierten Fahrzeuge von prohibitiven 100 % auf deutlich akzeptablere 6,1 %. Dies mag zwar wie eine Flutwelle für die US-Autoimporte nach Kanada erscheinen, entspricht aber tatsächlich nur 3 % des gesamten jährlichen Fahrzeugabsatzes in Kanada.

Aber doch ist es ein bemerkenswerter Schritt: Es zeigt, dass sich die mittelgroßen Staaten der Welt neu ausrichten: Die enge Bindung an die USA ist zu riskant geworden bei einem so unberechenbaren Präsidenten Donald Trump.

Was wurde genau beschlossen?

Kanada ersetzt den massiven 100-Prozent-Strafzoll, der 2024 (analog zu den USA) eingeführt wurde, durch ein Kontingentsystem:

Die Quote: Bis zu 49.000 Elektroautos pro Jahr dürfen zum niedrigen Zollsatz von 6,1 % (dem sogenannten Meistbegünstigungszoll) importiert werden.

Die Steigerung: Das Kontingent soll in den nächsten fünf Jahren auf bis zu 70.000 Einheiten anwachsen.

Das Ziel: Bis 2030 sollen mindestens 50 % dieser Importe „bezahlbare“ Modelle mit einem Importpreis von unter 35.000 CAD (ca. 24.000 €) sein.

Die Gründe für diesen neeuen Weg

1. Der „Canola-Deal“ (Agrar-Interessen)

Es handelt sich um ein klassisches Tauschgeschäft. China hatte als Vergeltung für die 100-Prozent-Zölle den Import von kanadischem Raps (Canola) mit Zöllen von bis zu 85 % belegt. Da China ein 4-Milliarden-Dollar-Markt für kanadische Bauern ist, war der Druck auf die Regierung enorm. China senkt nun im Gegenzug die Raps-Zölle auf ca. 15 %.

2. Kampf gegen die „E-Auto-Inflation“

In Kanada sind die E-Auto-Verkäufe 2025 massiv eingebrochen (-41 %), weil die Preise für heimische oder US-Modelle (Durchschnitt ca. 70.000 CAD) für viele Bürger schlicht zu hoch sind. Mark Carney will durch die günstigen Chinesen den Wettbewerb ankurbeln und die Klimaziele 2035 (100 % Neuzulassungen emissionsfrei) retten.

3. Entkopplung von den USA

Das ist der brisanteste Punkt. Während die USA unter der aktuellen Regierung (Trump) den Handelskrieg mit China verschärfen, bezeichnet Carney die Partnerschaft mit China nun als „berechenbarer“. Das sorgt für enorme Spannungen innerhalb des USMCA-Abkommens (Nordamerikanische Freihandelszone). Donald Trump hat bereits gedroht, Kanada mit 100 % Zoll zu belegen, falls es zum „Durchgangstor“ für billige China-Waren in die USA wird.

Wer sind die Gewinner und Verlierer?

Gewinner 

BYD & NIO:
Erhalten erstmals einen legalen, günstigen Marktzugang in Nordamerika. 
Tesla: Kann nun wieder günstig Model 3/Y aus der Gigafactory Shanghai nach Kanada liefern (wie schon 2023).
Kanadische Landwirte: Ihr wichtigster Exportmarkt (Raps) öffnet sich wieder.  

Verlierer / Gefährdete

US-Hersteller (GM, Ford): Verlieren ihren Schutzschild in Kanada und müssen Preise senken.
Heimische Produktion: Die Sorge wächst, dass Investitionen in kanadische Batteriewerke durch Billig-Importe entwertet werden.
Politische Harmonie: Das Verhältnis Washington-Ottawa ist so angespannt wie lange nicht mehr.

Website >> INSIDEEVS

(hst/gemini)

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