Das Verbot von rein elektrischen, versenkbaren Türgriffen in China  schlägt hohe Wellen in der Automobilindustrie. 50 % der chinesischen E-Eutos sind betroffen.

Tesla und die Hälfte der chinesischen E-Autos sind vom Schnallenthema betroffen. Foto: Tesla

Da China der weltweit wichtigste Markt für Elektroautos ist, hat diese Entscheidung globale Auswirkungen.

Was genau wurde beschlossen?

Das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) hat den neuen nationalen Sicherheitsstandard GB 48001-2026 verabschiedet. Die Kernpunkte sind:

Mechanische Pflicht: Ab dem 1. Januar 2027 müssen alle neu zugelassenen Pkw (außer der Heckklappe) über Türgriffe verfügen, die sich von außen und innen rein mechanisch öffnen lassen.
Kein Strom erforderlich: Eine elektrische Entriegelung darf nicht die einzige Öffnungsmöglichkeit sein. Selbst bei einem Totalausfall der Batterie oder nach einem schweren Unfall (Verformung) muss die Tür ohne Werkzeug zu öffnen sein.
Grifffläche & Kraft: Außen-Griffe müssen eine Mindest-Eingriffsfläche (ca. 60 x 20 mm) bieten, damit Rettungskräfte sie physisch greifen und mit einer Kraft von mindestens 500 Newton ziehen können, ohne dass sie abbrechen.
Übergangsfristen: Bereits genehmigte Modelle haben bis Januar 2029 Zeit für die Umrüstung.

Die Gründe: Sicherheit schlägt Design

Hintergrund sind mehrere tragische Unfälle, unter anderem mit Modellen von Tesla und dem chinesischen Newcomer Xiaomi.
Todesfallen: Bei Unfällen mit Batteriebränden kam es zu Situationen, in denen Helfer von außen nicht ins Auto gelangten, weil die Griffe nicht ausfuhren oder die elektrische Entriegelung versagte.
Verwirrung im Innenraum: Auch die Notentriegelung im Inneren (oft ein versteckter Hebel) wird kritisiert. Der neue Standard schreibt vor, dass diese sichtbar und intuitiv markiert sein muss.

Reaktionen und Statements

Die Branche reagiert gespalten, aber größtenteils einsichtig:

Tesla:
Der Pionier dieser Technik (Model S, 3, X, Y) steht unter besonderer Beobachtung. Laut US-Berichten (Bloomberg) hat Teslas Chefdesigner bereits angedeutet, dass man an einer Neugestaltung der Mechanismen arbeitet, um den Anforderungen gerecht zu werden. Auch die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA prüft derzeit ähnliche Schritte.
Chinesische Hersteller (BYD, NIO, Xiaomi): Diese sind am stärksten betroffen, da über 50 % der E-Autos in China diese Griffe nutzen. Während Xiaomi nach Kritik an einem Unfall in Chengdu unter Zugzwang steht, hat Great Wall Motor-Chef Wei Jianjun das Verbot sogar begrüßt. Er bezeichnete die versteckten Griffe als „nutzloses Design“, das weder den Verbrauch spürbar senke noch die Sicherheit erhöhe.
Europäische Marken: Hersteller wie Audi haben bereits reagiert und nutzen für China-Modelle (wie den Q6L) spezielle Lösungen wie mechanische Zugschnüre, die im Falle eines Crashs ausgelöst werden.
Analysten: Experten von Omdia gehen davon aus, dass Europa und die USA bald nachziehen könnten. China fungiert hier erstmals als globaler Taktgeber für einen neuen Sicherheitsstandard.

Der Trend „Design vor Funktion“ wird durch China jäh gestoppt. Für die Bauwirtschaft und Fuhrparkleiter bedeutet das: Bei künftigen E-Auto-Bestellungen wird die mechanische Zuverlässigkeit wieder ein zentrales Verkaufsargument.

 

 

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