Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin

KOMMENTAR – Über die erstaunliche Blauäugigkeit von Bürgermeistern beim Überschreiten von roten Linien.

Die Kronenzeitung berichtet über „Braunschlag“ in echt. Screen: Kronenzeitung 1.9.2026

Kürzlich berichtete die „Kronenzeitung“ unter dem hintergründigen Titel „Windkraft-Spekulanten: Aufruhr in „Braunschlag““ über einen Bürgermeister in Niederösterreich. Er ist der Ortsvorsteher jener Gemeinde, die in einer TV-Serie, eben „Braunschlag“, zu Ehren gekommen war.

Der TV-Bürgermeister von damals war ein Schlitzohr, der den Tourismus im Ort via getürkter Marienerscheinung ankurbeln wollte.

Der heute und tatsächlich amtierende Bürgermeister ist kein Schlitzohr, soweit uns bekannt ist. Und doch scheint er mit einer Blauäugigkeit augestattet zu sein, die an Schlitzohrigkeit herankommt. 

Die Marienerscheinung von heute sind profanerer Natur, dafür umso sichtbarer, auch für jene, die nicjht an deren unfehlbaren Segnungen glauben

Es geht um die Windkraft, die der Herr Bürgermeister rege unterstützt, wie man dem Krone-Artikel entnimmt. Kein Wunder: Das finanzielle Füllhorn möglicher Betreiber werde über die klamme Gemeinde ausgeschüttet, wenn sich einmal die Räder munter im Winde drehen. So argumentiert das Oberhaupt der kleinen Gemeinde (Eisgarn vg. Braunschlag). 

Noch mehr Anreiz bietet vielleicht sogar der private Nutzen für den Herrn Bürgermeister: Die Windrad-Jungs wollen nämlich eine der Anlagen just auf einem Grundstück bauen, das dem Gemeindechef privat gehört. Auch dafür gibt es Geld, eben ins private Säckel. Und nicht zu knapp. Man spricht von mehreren Tausend Euros pro Jahr, vielleicht sogar 20.000 Euro jährliche Pacht, für zumindest 20 Jahre lang.

Das wären dann doch 400.000 Euro – wenn hier gut verhandelt wird. Gut für den Bürgermeister, der dem Lager der ÖVP angehört. Und übrigens auch noch für drei weitere Gemeinderäte, auf deren Grundstücken ebenfalls Windräder stehen sollen (falls es jemals zu einer Zonierung, Bewilligung, Bebauung, kommen sollte)

Nun stelle man sich vor, wer mehr herausholen wird: Der Bürgermeister für sich oder der Bürgermeister für die Gemeinde? Ich oder ich, sozusagen. Privates Knödel oder doch ein paar Tausender mehr für Feuerwehr, Straßenbau oder Kinderspielplatz?

Da könnte eine rote Linie überschritten werden, denn was sei das anderes als öffentlich einbekannte Bestechlichkeit? So argwöhnen manche im Ort. Den ÖVP-Bürgermeister ficht das nicht an: „Müssen Konkretes aushandeln um darüber zu reden“ sagt er laut Kronenzeitung. 

Dass man hinter verschlossenen Türen „Konkretes“ aushandelt, könnte aus Filmen über die Machenschaften italienischer Organisationen stammen. Oder eben aus der amüsanten Serie „Braunschlag“. Übrigens ewig schade, das die zweite Staffel nicht hielt, was die erste versprochen hatte.

 

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber dieser Publikation energie-bau.at und verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur und Energieeffizienz. Als seit Jahren leidenschaftlicher E-Auto-Fahrer und Bezieher eigenen Sonnenstroms ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.