Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin

KOMMENTAR – Es ist schon erstaunlich, wie niedrig man sinken kann, um seinen Reichtum in Sicherheit bringen zu wollen.

Putins Sondereinsatz – gut ist schon, wenn nur Autos von den Panzern überrollt werden. Foto: D.O.

Kommentar von Herbert Starmühler, energie-bau.com

Dass Politik ein eher schmutziges Geschäft ist, ähnlich wie jenes an den Rädern der Ölpipelines, haben wir bereits lernen müssen. Manche Vertreter dieser Zunft sind nur selbsternannte Saubermänner, andere Damen und Herren aus den Parteien waschen ihre Hände laufend in Unschuld, die autokratischere Version lässt Gift und Geifer spritzen und entledigt sich der Probleme auf archaische Art und Weise. Man bringt Gegner und Gegnerin um oder jahrelang hinter Gitter. 

Ein österreichischer Bundeskanzler, der bisher das kleine Land eher glücklos verwaltet hatte, begab sich auf Reisen. Eine führte nach Moskau, sie sei aus eigenen Stücken geplant. Er segnete seine Mission mit folgenden Worten:: „Alles, was getan werden kann, um den Menschen in der Ukraine zu helfen, den Krieg zu stoppen, soll getan werden. Es ist für mich das Gebot der Stunde, alles zu versuchen.“ Amen.

Gute Rede! Wir hätten da einen Vorschlag. Der Herr könnte dem bekennenden Sondereinsatz-Oberbefehlshaber im Kreml sagen: „Junge, wir machen einen Deal: Du stoppst sofort den Krieg, und wir drehen dafür morgen nicht gleich sämtliche Energielieferungen von euch ab“.

Darauf würde Wladimir der Große sagen, hahaha, Blödsinn, ich weiß doch, dass du dich das gar nicht traust (im Protokoll steht, pardon: „... dass du dafür nicht die Eier hast“). Du zitterst ja schon beim Gedanken daran: All die unangenehmen Gespräche mit den Herren von GAZPROMV, von das Gaslobby in deinem winzigen Land, die eh schon lange in unserer Hand ist.

Du hast einen Riesenbammel wegen der Stimmen, die du aber sowieso verlieren wirst, sorry, da kann ich dir auch nicht helfen. So würde WP reden, er kennt uns ja. Die Österreicher sind so. Nie schuld und immer charmant. Aber danke für den Besuch lieber Carol, wie war der Name? Wir werden das entsprechen pr-mäßig verwerten, Europa kriecht zu mir nach Moskau und außer einem dreifachen Wodka war nix zu holen.

Das freut den Österreicher. Denn: DAFÜR war er ja da. Gibt prima Presse in Österreich und funktioniert todsicher, sonst schießen wir ein paar Inserate hinterher.

Hat auch in Butscha geklappt. Journalistinnen und Schreiberlinge im Schlepptau am Massengrab des Grauens. Viel Presse. Viele Stimmen bei der nächsten Wahl. So ist halt das Geschäft. Wenn man es etwas schmutziger mag. Die Fahrt nach Kiev, langweilig durch die zachen Ebenen der Ukraine, hat ja gar nicht viel gekostet: Ein paar ausrangierte Feuerwehrautos kann man schon verschmerzen als Morgengabe – für die unbezahlbaren Fotos mit Herrn Selensky.

Statt die Kriegsfinanzierung zu stoppen und den Gashahn abzudrehen, eine paar PR-Reisen ins Kriegsgebiet. Die Marketing-Leute des österreichischen Kanzlers hatten es diesmal allerdings nur in der Ukraine leicht. Bei Waldimir P. in Moskau schaute aus einem „harten“ Gespräch nicht viel Ergebnis heraus, das irgendwie verwertbar war. Kein Kriegsende herausverhandelt, kein noch so kleines Ergebnis des eher kurzen Gespräches. Oder doch? „Der Tisch war nicht so lange, wie wir ihn aus dem Kreml kennen, er war aber lang“, erläuterte der Mann aus Wien seinen Abstand zu Putin hernach. Na, das ist doch was, oder? DER TISCH IST KLEINER!

Und wir, Zuseher am Rande des Geschehens, denken uns, dass andere vielleicht schon morgen nicht so gnädig mit uns umgehen werden. Wir, die Mutter Courage, die Nation, die es sich richtet, die sich irgendwie mit dem Kriegsherren arrangieren möcht. Nur weil wir uns ansonsten etwas einschränken müssten ohne das Gas vom großen Aggressor.

Am Ende eines „Geschäftes“ wird aber immer abgerechnet. Charme spielt dann, soweit man weiß, weniger Rolle. Siehe Mutter Courage und ihre Kinder.

 

 

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber dieser Publikation energie-bau.at und verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur und Energieeffizienz. Als seit Jahren leidenschaftlicher E-Auto-Fahrer und Bezieher eigenen Sonnenstroms ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

Kommentare  

#2 Edwin Piskernik 2022-04-14 22:33
Ist jetzt der Bundeskanzler niedrig gesunken oder der Autofahrer, der vom russischen Panzer erdrückt worden ist? Wohl am ehesten ein Doktor, der es bei energie:bau schlecht findet, dass ein Bundeskanzler alles versucht, um eine Eskalation des Krieges abzuwenden. Wie dumm kann man sein, aus politischen Gründen (oder warum eigentlich) so etwas zu kritisieren?
#1 Leser 2022-04-14 18:13
Was hat das Magazin energie:bau gegen den Krieg in der Ukraine bis jetzt unternommen. Oder für die Flüchtlinge die bis jetzt nach Österreich gekommen sind (der Großteil sicher nicht zum Sightseeing). Es ist immer leichter von der Galerie gute Tipps zu geben als selbst auf der Bühne zu stehen.

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