Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin

KOMMENTAR – Während das Stromnetz immer besser funktioniert nimmt die Angst vor Stromausfällen zu.

Stromkasten
Ist das Stromnetz (wie auf dem Bild) nicht mehr ausreichend sicher? Droht wirklich ein Blackout? Wer profitiert vom Hype? Foto: Herbert Starmühler

Was passiert, wenn sieben Tage lang kein Strom fließt? Was alles wird nicht funktionieren, wie können wir weiterleben wenn das Handy seinen Geist aufgegeben hat? Wird es kalt und grausam?

So oder so ähnlich lauten bange Fragen, die plötzlich landauf, landab zu hören sind? In Österreich begab sich ORF-Journalist Hanno Settele auf eine siebentägige Spurensuche in die (angenommene, befürchtete, beschworene) Dunkelheit.

In ebendieser Sendung wurde zwar von einem Vorstand des landesweiten Netzbetreibers Verbund versichert, dass nur rund 20 Minuten pro Jahr kein Strom vorhanden ist. Ohne Vorankündigung und im Durchschnitt, und nicht am Stück. Die meisten Blackouts kriegen die Bürger:innen gar nicht einmal mit, so kurz sind sie.

In Deutschland nimmt die Ausfallsicherheit genauso zu wie bei uns: Von 2006 bis 2020 HALBIERTE sich die stromfreie Zeit der deutschen Bundesbürger von 21,5 Minuten auf 10,7 Minuten. Pro Jahr. Zwar steigen die Ansprüche an das Stromnetz beständig und Kaskadenausfälle können ganze Gebiete stromlos machen. Doch passieren sie eben nicht oder nur kurzzeitig. Seit es Stromnetze gibt müssen sie laufend an den Bedarf angepasst werden. Dafür zahlen die Stromkunden bereits seit Jahrzehnten.

AusD Grafik 2019

Auch in Österreich das gleiche Bild: Die Stromausfälle werden weniger, die Angst vor der Finsternis steigt. Grafik: APA / E-Control

Nun kann man sich natürlich auch für diese wenigen Minuten im Jahr absichern, und ein Stromaggregat kaufen. Läuft mit Diesel oder Benzin, jedoch müssen gewisse Vorgangsweisen bei Lagerung und Standort des Aggregates beachtet werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird die Maschine in den nächsten Jahren nie angeworfen, weil man immer die Zeit versäumt, bis der Stromausfall schon wieder vorbei ist. Wenn man ihn denn überhaupt bemerkt?

Dennoch sind in letzter Zeit kleine Notstromaggregate erstaunlich leicht über den Ladentisch gegangen. Wie verrückt decken sich Privatleute und Gewerbe mit derartigen Maschinen ein. Und Feuerwehren proben mit Blackout-Übungen den „Ernstfall“.

Es scheint eine Art Blackout-Hype ausgebrochen zu sein. Doch woher kommt dieser? Wer hat einen Vorteil aus dieser doch augenscheinlich irrationalen Angst?

- Vorteil Buchverkauf: Leute, die Bücher geschrieben haben, die vor dem großen Blackout warnen, dürfen sich über die größeren Auflagen freuen. Sie werden dann eventuell auch noch in Talkshows eingeladen und skizzieren dort eine ganz finstere Zukunft (um wiederum ihre Buchverkäufe anzukurbeln).

- Vorteil Netzausbau-Subventionen: Wer wegen drohender Gefahren eines mehrtägigen Stromausfall-Szenarios zur Politik rennt und um mehr Geld für die überfällige Ertüchtigung seines Stromnetzes einkommt, wird eher Gehör finden, wenn leichtgläubige Mandatare bereits entsprechend von Medien sensibilisiert worden sind.

- Hersteller und Liebhaber von Verbrennungs-Motoren-Autos: Elektroautos seien Schuld am „enorm wachsenden“ Stromverbrauch. Verbrenner-Verbote führten uns also direkt in ein dunkles Zeitalter. Man möge die Transpormation bitte auf die nächsten Jahrzehnte verteilen.

- Hersteller von Notstrom-Aggregaten: Sie profitieren jetzt schon von der Blackout-Angst.

Natürlich wollen wir niemandem unterstellen, dass er oder sie tatsächlich die Trommel rührt um das Lied von der Finsternis zu verbreiten. Profitieren würden sie aber davon (und tun es jetzt schon).

Corona hin, Blackout her: Johann Nestroys Lumpazivagabundus hat es uns eh schon gesagt – der Komet kommt. Denn: Die Welt steht auf kan Fall mehr lang...

 

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber dieser Publikation energie-bau.at und verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur und Energieeffizienz. Als seit Jahren leidenschaftlicher E-Auto-Fahrer und Bezieher eigenen Sonnenstroms ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

Kommentare  

#2 Redaktion 2021-11-23 18:31
Vielen Dank für Ihren Kommentar, Herr Saurugg! Gegen einfache Vorbereitungen ist nichts zu sagen, da haben Sie recht. Zum beispiel inselfähige PV-Anlkagen. Da bin ich bei Ihnen.
Herbert Starmühler
#1 Herbert Saurugg 2021-11-19 18:34
Es ist leider immer wieder erstaunlich, wie mit der SAIDI-Statistik - die nichts über die Zukunft aussagt - die Zukunft prognostiziert wird :-(. Siehe hierzu https://www.saurugg.net/2021/blog/stromversorgung/das-deutsche-stromnetz-ist-so-zuverlaessig-wie-nie-wirklich

Ich bin bei Ihnen, dass es auch für die Blackout-Vorsor ge in den meisten Fällen wenig Sinn macht, sich ein Notstromaggrega t anzukaufen. Hier wäre eine inselbetriebsfä hige PV-Anlage wesentlich sinnvoller.

Das Problem bei einem möglichen Blackout ist nicht der Stromausfall, sondern ein kompletter Lieferkettenkol laps, der auch nach der Wiederherstellu ng der Stromversorgung noch lange nicht behoben sein wird. Und auf so etwas sollten wir durch eine einfache Vorbereitung vorbereitet sein, um die Systeme möglichst rasch wieder hochfahren zu können. Punkt. Außer wir wollen als Truthähne enden https://www.saurugg.net/hintergrundthemen/#truthahn-illusion - Dann einfach weiter so wie bisher. Siehe Pandemie ...

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