HS grossMänner mit Macht werfen sich dem Diktator an die Brust. In großen Anzeigen werben westliche Konzerne wie Nestlé, Unilever & Co. für die Türkei Erdogans. Das ist wenigstens ehrlich. Aber auch abstoßend. Wer deren Waren kauft, sollte sich dann nicht mehr mit Türkei-Kritik hervortun.

Nazivergleiche, Massenentlassungen, Einsperren von Kritikern unter fadenscheinigen Begründungen und jetzt auch noch die Forderung nach der Todesstrafe. Die Türkei hat sich unter ihrem diktatorischen Machthaber Reccep Tayyip Erdogan nicht nur aus Europa, sondern auch vom Verständis für Menschrechte und freier Meinungsäußerung in der alten Welt entfernt. Doch der Diktator hat Freunde: Jene, die Geschäfte mit dem Einsperrer machen, halten zu ihm. Zuerst kommt die feine Thea und dann erst die Moral: In teuren, ganzseitigen Inseraten in europäischen Zeitungen werben die Chefs von mehr als einem Dutzend Westkonzerne nun wochenlang für den Wirtschaftsstandort Türkei. Wissend, was die gewonnene Verfassungs-Abstimmung für den nunmehrigen bzw. baldigen Alleinherrscher bedeutet – und für deren unglückselige, eingekerkerte Kritiker – steht da zum Beispiel riesengroß der für die Türkei zuständige Unilever-Manager Harm Goosens in der Anzeige der F.A.Z. mit dem fetten Titel: „Kommen Sie in die Türkei. Erleben Sie Ihre eigene Erfolgsgeschichte in der Türkei!“ . Vielleicht kann ja nun Unilever auch im Gefängnis seine Hygieneartrikel wie „AXE“ oder „Dove“ unter die Männer bringen, es sind ja auch einige deutsch-türkische Erdogan-Kritiker eingesperrt. Im Sommer könnte dann „Magnum-Eis“ an die Ministerial-Beamten verbracht werden, eine beliebte Unilever-Marke. Bekleckert sich ein Beamter, dann ist wieder Unilever mit „Coral“ zur Stelle. Damit könnte vielleicht auch das schlechte Gewissen angesichts der Packelei mit dem Diktator weggewaschehn werden. Wenn denn da eins wäre. Unilever wies 2016 einen Gewinn von 7,8 Mrd. Euro aus.

von Herbert Starmühler

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