Der Umstieg auf die Fernwärme kann auch der Abstieg zurück ins fossile Zeitalter sein – wie in Mellach bei Graz. Anton Smolak, Geschäftsführer der VERBUND-Austrian Thermal Power, erläutert dies im Interview mit Herbert Starmühler (energie-bau.at).
Gasturbinenlieferung für das neue Verbund-Kraftwerk in Mellach

Die Fernwärme, als umweltfreundlich und ökologisch gepriesen, ist nicht überall so „sauber“ wie angenommen. Die Stadt Graz verwendet im großen Stil Fernwärme aus dem FHKW Mellach, ca. 20 Kilometer südlich der Landeshauptstadt. In diesen Tagen wird die erste Linie des neuen, supermodernen Gas- und Dampfkraftwerkes gezündet, im Dezember kommt der zweite Block des neuen GDK hinzu. Dann stehen 832 MWel zur Verfügung, bis zu 400 MWth Fernwärme können ausgekoppelt werden.

Dennoch will der Verbund an der Steinkohle festhalten. Zwar sind in den vergangenen Jahren bereits die Blöcke in Zeltweg, St. Andrä und Voitsberg stillgelegt worden (allesamt mit Braun- oder Steinkohle befeuert), in Dürnrohr und eben in Mellach wird aber weiterhin Steinkohle verheizt. In Mellach ca. 300.000 Tonnen pro Jahr. Wir fragten Anton Smolak, einen der beiden Geschäftsführer der Verbund-Tochter VTP (Verbund Thermal Power), ob das nicht das Ende der Steinkohlefeuerung bedeuten sollte.

energie-bau.at: Herr Smolak, warum wird das Steinkohlekraftwerk in Mellach nicht geschlossen?

Anton Smolak: Das FHKW Mellach ist mit einem Wirkungsgrad von 41 % eines der effizientesten Kraftwerke? Warum sollen wir es schließen?

energie-bau.at: Weil die durchschnittlichen CO2-Emissionen eines Kohlekraftwerkes mit 881 g CO2/kWh mehr als doppelt so hoch sind, wie die 334 g CO2/kWh aus dem Gaskraftwerk.

Anton Smolak: Das ist schon richtig, und der Verbund ist sich dieser Problematik durchaus bewußt. Doch wir sind auch gehalten, die Diversifizierung von Primärenergien zu gewährleisten. Wenn unsere komplette Versorgung nur auf Gas beruht, so sind wir damit zu einseitig aufgestellt.

energie-bau.at: Aber Sie könnten ja auch Biomasse verfeuern, oder zumindest teilweise einsetzen? Das haben Sie ja bereits begonnen.

Anton Smolak: Ja, haben wir – wir haben in Zeltweg und in St. Andrä bereits vor 15 Jahren mit dieser Zusatzbefeuerung begonnen. Und diese Versuche der Beimengung von Biomasse wie Hackschnitzel war durchaus erfolgreich – aber ich bekommen die Biomasse nicht. Sie ist einfach in diesen Mengen nicht verfügbar, zumindest nicht zu einem sinnvollen Preis.

energie-bau.at: Wie lange wollen Sie die Steinkohle in Mellach noch verwenden?

Anton Smolak: Das Kraftwerk ist bis 2030 technisch ausgelegt, und solange werden wir auch die Steinkohle einsetzen. Es sei denn, neue politische oder ökonomische Entwicklungen weisen einen anderen Weg. Ich glaube aber, dass mit dem CO2-Emissionshandel ohnehin ein gutes Instrument geschaffen worden ist, um die Emissionen zu begrenzen.

Verbund.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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