Schon im Jänner berichteten wir über eine deutsche Studie, die sich mit der zukünftigen Rolle der Biomasse kritisch auseinander setzte. Umweltorganisationen laufen nun Sturm gegen ein geplantes Berliner Großprojekt.


Auch in Deutschland ist der Trend zur Biomasse ungebrochen. Doch aufgrund akutem Holzmangel im Großraum Berlin ist ein geplantes Großprojekt auf Importe im großen Stil angewiesen. 500.000 Tonnen Holz will Vattenfall in zwei Biomasse-Kraftwerken am Standort Klingenberg ab 2019 jährlich verfeuern. Davon muss ein Teil importiert werden - die regionalen Wälder um Berlin geben nicht genug her. "Wir wollen eine deutliche Ablehnung der Holzimport-Strategie", sagt Hartwig Berger. Der Vorsitzende des Ökowerks im Grunewald ist sowohl bei dem Umweltverband BUND als auch bei den Grünen engagiert - und vermisst bei beiden eine klare ablehnende Haltung gegenüber Biomasse-Importen.

Zentraler Kritikpunkt von Berger: In afrikanischen oder südostasiatischen Ländern, die als Exporteure von Biomasse auftreten, herrsche akuter Holzmangel. Die Bewohner würden das Holz selbst benötigen und ein Export daher zu einer weiteren Verknappung führen. "Wenn wir mit unseren Bedarf auf diesen Markt kommen, verschärfen wir das Problem", sagt Berger. Dazu komme der energetische Aufwand, um das Holz zu transportieren. Er stellt klar: Holz, das nicht aus EU-Ländern stamme, solle in Berlin auch nicht verfeuert werden. Seine Unterschrift steht daher gemeinsam mit 15 weiteren unter einem Aufruf von Mitgliedern an den Landesvorstand des BUND. Sie fordern darin eine eindeutige Ablehnung der geplanten Importe.

Der BUND Berlin selbst sieht das etwas differenzierter: "Mit der geplanten Lieferung aus Afrika haben wir auch Bauchschmerzen", sagt Sprecherin Carmen Schultze. Doch so grundsätzlich möchte der Verband Biomasse-Importe nicht verteufeln. "Man muss immer sehr genau hinsehen." Mit einer grundsätzlichen Positionierung tut sich der Verband nach Ansicht von Schultze auch deshalb schwer, weil die Planungen von Vattenfall noch nicht abgeschlossen zu sein schienen. "Da ist noch Bewegung drin", sagt sie. Sobald das Unternehmen seine endgültigen Pläne vorlege, werde aber auch der Umweltverband offensiver an die Öffentlichkeit gehen.

Das ist Mitunterzeichner Achim Förster zu spät. "Wir als Verband haben den Auftrag, Umweltschädigungen im Vorfeld zu verhindern." Lägen die Pläne erst fertig auf dem Tisch, könne es zu spät sein, steuernd einzugreifen. "Außerdem", ergänzt Marianne Weno, die ebenfalls unterschrieben hat, "gibt es doch schon erste Verträge über Importe."

Der BUND ist nicht die einzige Organisation, in der es Konflikte in Sachen Biomasse gibt. Die Grünen vertagten auf ihrem Parteitag im November die Diskussion in eine Arbeitsgruppe. Zu heftig waren die Diskussionen, zu weit auseinander die Positionen. Die Konfliktlinie verläuft nicht zwischen Basis und Vorstand, sondern quer durch Partei und Fraktion. So ist der naturschutzpolitische Sprecher gegen Importe, der energiepolitische Sprecher findet sie zumindest unter strengen Kriterien akzeptabel. Unter dem Namen Biomassekommission treffen sich nun Vertreter beider Seiten mit Unterstützung externer Experten aus Entwicklungshilfe, Wirtschaft und Umweltschutz.

"Bisher ist das Klima in der Arbeitsgruppe sehr konstruktiv", sagt Michael Schäfer, energiepolitischer Sprecher der Fraktion. Ziel sei es, bis März einen Kompromiss zu finden. Dann will die Partei ihr Programm für die Abgeordnetenhauswahl im September beschließen. Und der Wähler soll wissen, woran er ist.

Nicht alle stellt dieses Vorgehen zufrieden. Einige Mitglieder sind sicher: Käme es in der Partei zur Grundsatz-Abstimmung über die Frage, würden die Kritiker der Import-Biomasse gewinnen. Die Import-Gegner fordern, die Kraftwerke nicht oder kleiner zu bauen. Sie argumentieren, dass Berlin gar nicht so viel Energie benötige, wie dort produziert werden solle. "Windenergie, Fotovoltaik und wir müssen auch Verzicht üben", sagt Förster. Eine grundsätzliche Forderung.

Die Import-unter-Auflagen-Befürworter halten dagegen, dass die Frage nach der Alternative nicht vergessen werden dürfe. Schließlich werde Vattenfall nicht aus Klimaschutzgründen von heute auf morgen seine Unternehmenspolitik neu ausrichten. Die Alternative sei in diesem Fall realistischerweise eben Energie aus Kohle.

Quelle: taz
Foto: Anton

Kommentar schreiben

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite benutzerfreundlicher zu gestalten. Wenn Sie diese Webseite nutzen, akzeptieren Sie die Verwendung von Cookies.