REAKTION – Wir brachten kürzlich einen Kommentar zur Frage, warum Wärmepumpen so teuer sind. Hier ist eine Raktion darauf.

Christian Hofer von Hoval Österreich weist in seiner Stellungnahme auf die Zusammenhänge bei der Preisgestaltung von Wärmepumpen. Foto: Hoval

Unser Kommentator Roland Mösl fand, dass die Herstellung und der Einbau der Wärmepumpen in Deutschland oder Österreich überteuert seien. Ein Vergleich mit den Preisen von asiatischen Direktimporten brächten wesentlich niedrigere Kosten zutage. Hier geht es zu seinem Kommentar. 

Sabine Hamader, die Leiterin Marketing und Kommunikation von HOVAL Austria, übermittelte uns die folgende Stellungnahme des HOVAL-Geschäftsführers Christian Hofer:

„Sehr geehrter Herr Starmühler!
Herzlichen Dank für Ihre Einladung zur Stellungnahme!

Selten ist der Spruch „Äpfel mit Birnen vergleichen“ passender als bei dieser Anfrage: aus der Beschreibung geht außer den Eckdaten 4 kW Leistung und R290 nicht hervor, was womit verglichen wird. Welche Effizienz bei welchen Messpunkten weist die angebotene Wärmepumpe auf (COP, sCOP)?

Was ist in der Wärmepumpe inkludiert (Regelung, Heizungspumpe, E-Patrone, et cetera), wie hoch ist das Betriebsgeräusch? Welche Zertifizierungen weist die Wärmepumpe auf? Gibt es eine CE-Konformitätserklärung (nein, „CE“ bedeutet nicht „China Export“)?

Wärmepumpen sind in den meisten Bundesländern anzeigepflichtig (bei der Gemeinde), woher kommen die dazu erforderlichen Daten? Ihr Leser schreibt einerseits von „strengen Sicherheitsvorschriften bei 150 g“ und Wasser zu Wasser, was auf eine innenaufgestellte Erdwärmepumpe schließen lässt, andererseits aber von einer 4 kW Luftwärmepumpe (die üblicherweise außen aufgestellt wird). Der gesamte erforderliche (beziehungsweise sinnvolle) Leistungsumfang wird nicht ansatzweise erläutert.

Abgesehen von den Fragen zum Produktvergleich: es geht üblicherweise nicht um eine Wärmepumpe! Die Frage ist vielmehr, wie man erreicht, dass man im jeweiligen Gebäude ganzjährig sein Wohlfühlklima sicherstellt. Dazu ist neben einem möglichst hocheffizienten, leisen und hochqualitativen Wärmeerzeuger (Wärmepumpe) zweifellos auch eine fachgerechte Installation durch einen konzessionierten Installateur (und Elektriker) erforderlich.

Diese Installation inkludiert nicht nur die Montagedienstleistungen, sondern auch Material. Der Vergleich mit dem Stundensatz eines Automechanikers hinkt daher gewaltig.

In Österreich (Europa) muss ein Verkäufer für sein Gewerk gewährleisten. Es ist daher zu bezweifeln, dass Ihr Leser Fachbetriebe findet, die bereit sind, eine selbst importiere Wärmepumpe zu installieren (wobei sich hier rasch wieder die Frage nach Zertifizierungen stellt), da sie durch die Installation zwangsläufig in die Gewährleistung gezogen werden.

Wärmepumpen sind üblicherweise ein Investitionsgut, wer repariert diese im Falle eines Defektes? Welche Zeitspanne von der Reklamation eines Ausfalls bis zur Wiederaufnahme des Betriebes kann dabei realistischerweise erwartet werden?

Warum eine simple Wärmepumpe mit Einbau mehr kosten soll als ein (ebenfalls simpler) Tesla Y, lässt sich so nicht beantworten. Erlauben Sie uns eine Gegenfrage an Ihren Leser: warum kostet ein Tesla Y ein Vielfaches von einem Paar Sportschuhen (in dem Fall egal ob von AliBaba oder einem österreichischen Fachgeschäft), wenn er damit doch auch von A nach B kommt?

Man kann alle Leistungen, Aufschläge und Preisniveaus diskutieren, dazu braucht es aber deutlich mehr Fakten als im angefragten Vergleich angegeben. In der Folge ließe sich dann auch noch diskutieren, inwieweit ein Konsument gewillt ist, zum Erhalt europäischer Standards (bis hin zu unserem / seinem Wohlstand) mit europäischen Preisniveaus beizutragen.

Wie bei den vergleichsweise erwähnten Autos gibt es auch bei Heizungen eine große Preisspanne, innerhalb der ein Käufer entscheiden kann. Je nach Priorität kann der Fokus auf der Anfangsinvestition liegen oder auf langfristiger Sicherheit und Zuverlässigkeit der Lösung, die einen höheren Preis rechtfertigt. Das von Ihrem Leser erwähnte Preisniveau sehen wir jedenfalls in Europa auch in Zukunft keinesfalls.

 

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