Die Installateure verbauen immer noch Gasheizungen, die „leider Putins Invasion mitfinanzieren“. Nun rufen sie zum Heizungsprotest auf. Update: 14.3.2021

Duschen
Duschen statt Vollbad – ob das genügt gegen den Klimawandel? Foto: Herbert Starmühler

„Warum wir jetzt Energie sparen müssen“ heißt die Überschrift der Presseaussendung des „Vereins Zukunftsforum SHL“, im dem sich die österreichischen Installateure, der Heizungsgroßhandel sowie die Heizungs-Hersteller versammeln.

Viele Player in diesen Branchen (wenn auch nicht die Mitgliedsbetriebe des Zukunftsforums selbst) sind noch ziemlich stark in Erdgasverwendungen involviert. Es ist zu 80 % Erdas aus Russland. Denn die Österreicher und Österreicherinnen verheizen viel Gas und eben 80 % davon über die Pipelines aus Russland.

„Heizen mit Gas finanziert derzeit leider auch indirekt und sicher von den Haushalten ungewollt Putins Invasion“, sagt Martin Hagleitner, stellvertretender Obmann des Zukunftsforum SHL und Vorstand von Austria Email. Wobei ungewollt nur gelten kann, wenn man Blind- und Taubheit der Konsumenten unterstellt. Denn woher das Erdgas kommt, das in Kleinengersdorf, Mödling oder Salzburg verbrannt wurde und wird, war bekannt. Seit Jahren diskutieren Umweltverbände die Milliarden, die man Putin Jahr für Jahr bezahlt.

„Jeden Morgen kalt duschen muss nicht sein. Stattdessen sollte man Vollbäder vermeiden und beim Händewaschen, Zähneputzen und Einseifen zwischendurch den Wasserhahn schließen.“
Wie die Abhängigkeit von Putins Gas wenigstens ein wenig verringert werden kann. c: Zukunftsforum SHL

Jetzt ist die Abhängigkeit fatal. Hunderttausende Haushalte haben Hochtemperatur-Gasheizungen eingebaut und können damit nicht so einfach auf Wärmepumpen umsteigen (weil die nur bis ca. 40 Grad Wärmeerzeugung vernünftig funktionieren). Was schon länger bekannt ist. Genau genommen schon seit mindestens  20 Jahren. 

Was tun? Die Antwort des Zukunfstforums: „Durch angepasste Heiz- und Lebensgewohnheiten kann jeder Haushalt den Energieverbrauch senken. Kletterten die Energiepreise bereits vor dem Ukraine-Krieg steil nach oben, so dürfte dieser die Inflation nun weiter anfachen“.

„Gaspreise werden sich im kommenden Winter verdoppeln"

„Experten erwarten, dass sich die Gaspreise für Haushalte im kommenden Winter zumindest verdoppeln werden. Während die Heizpreise die Haushaltskasse belasten, wirkt sich ein hoher Energieverbrauch direkt auf die Umwelt aus“,schreibt der Verband.

„Die eigenen Gewohnheiten überdenken“

Im privaten Haushalt könne jeder und jede Maßnahmen setzen, um Kosten zu sparen, die Umwelt zu entlasten und die Nutzung von russischem Gas zu reduzieren. “In sozialen Medien kursiert momentan der Vorschlag, die Raumtemperatur um 1 bis 2 Grad zu senken, um eigene Sanktionen gegen Russland zu setzen. Tatsächlich ist es so, dass eine Verringerung der Raumtemperatur um 1 Grad eine Heizkostenersparnis von etwa 8 Prozent bringt”, erklärt Andreas Rotter, Salzburger Installateur-Landesinnungsmeister und Obmann des Zukunftsforums SHL. Die Heizung verursacht einen Großteil des Energieverbrauches in einem Haushalt. Rotter betont: “Es gibt viele Möglichkeiten mit angepassten Heiz- und Lebensgewohnheiten den Energieverbrauch zu senken.”

„Vollbäder vermeiden“

Weiter schreiben Installateure, Großhandel und Kesselerzeuger: „Beim Duschen, Baden und der Körperpflege wird der größte Teil des warmen Wassers im Haushalt verbraucht. Jeden Morgen kalt duschen muss nicht sein. Stattdessen sollte man Vollbäder vermeiden und beim Händewaschen, Zähneputzen und Einseifen zwischendurch den Wasserhahn schließen. Auch beim Wäschewaschen gibt es Sparpotenzial: Waschmaschinen sollten in der Regel voll beladen werden. Dank moderner Kaltwaschmittel genügen meist niedrigere Temperaturen. Eco-Programme haben kürzere Waschzeiten und verbrauchen weniger Wasser.“

Weiter Gaskessel kaufen

Trotz Krieg, Erderhitzung infolge fossiler Verbrennungen und Preisexplosion rät der „Verein Zukunftsforum SHL“ nicht explizit vom Kauf von Gasheizungen ab: „Veraltete Öl- und Gasheizungen haben einen hohen CO2-Ausstoß und belasten direkt unsere Umwelt. Eine moderne, klimafreundliche Heizung verbraucht hingegen weniger fossile Rohstoffe, schont somit den Planeten und tut auch dem Geldbörserl gut.“

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Kommentar von Herbert Starmühler, Herausgeber energie-bau.com

Gegen Putins Panzer anduschen?

Der Hinweis, Vollbäder zu vermeiden und lieber nur kurz zu duschen, um russisches Erdgas zu sparen, hat etwas Endzeitliches. Es ist zu Ende. Das gasfossile Zeitalter nämlich. Die Devise heißt nicht „Kälter Duschen“ sondern raus, schnell raus aus dem Gas.

Dies sei zwar ein richtiger Gedanke erwiderte mir der Salzburger Innungsmeister der Installateure, Andreas Rotter. Jedoch in der Praxis nicht so ohne weiteres umzusetzen. Vielfach sei die Wärmepumpe als Ersatz für die Gastherme mangels ausreichendem Stromnetz nicht zu installieren. Und das sei nur eine der Hürden, die einem die Gesetze in der Praxis stellen.

Fazit: Da haben wir uns in eine schöne Falle begeben, aus der wir nun schnell herauskommen müssen. Wie, das werden wir hier im energie-bau.at noch oft und zeitnah diskutieren müssen.

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Kommentare  

#1 Helga Morocutti 2022-03-11 15:26
Ich habe schon 1999, als in der Wohnsiedlung eine Gasleitung verlegt wurde, den wiederholten Aufforderungen, eine Gasheizung zu installieren, nicht Folge geleistet, sondern eine thermische Solaranlage und einen Holzvergaser-Ze ntralheizungske ssel installieren lassen.
Ich kann reinen Gewissens ein Vollbad nehmen. Außerdem habe ich all die Jahre nichts in die "Kriegskasse" eingezahlt.

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