Die Argumente für und gegen die Wohnraumlüftung werden mit ­zunehmender Hitzigkeit geführt. Wie ist der Stand der Forschung? Wir haben Peter Holzer um seine Darstellung bemüht – er ist als Planer und Forscher seit Jahren mit dem Thema vertraut.
Die Klimaeffekte der Waldbewirtschaftung stehen unter anderem im Mittelpunkt. Foto: BMLFUW/ Rita Newman


Mechanische Wohnraumlüftung, einschließlich technisch unterstützter Fens­terlüftung, zielt darauf ab, sozial, ökologisch und wirtschaftlich zu sein. Sozial sollen Gesundheit und Wohlbefinden der Bewohner gefördert werden. Ökologisch sollen der Energieeinsatz und die CO2-Emission verringert werden. Wirtschaftlich soll ein hohes Kosten/Nutzen-Verhältnis gegeben sein.

Literaturtipps

1.) Technischer Status von Wohnraum­lüftungen, Berichte aus Energie- und Umweltforschung 16/2004
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2.) R. Kapferer, A. Greml, K. Höfler, W. Leitzinger, J. Suschek-Berger (2011), Endbericht des Forschungsprojekts im Rahmen von ENERGIE DER ZUKUNFT,
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3.) B. Unterberger, E. Mairinger, J. Rammerstorfer, M. Krempl, W. Hüttler, F. Twrdik, P. Tappler, W. Leitzinger, Berichte aus Energie- und Umweltforschung 4/2014
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4.) H. Schöberl, R. Hofer, Berichte aus Energie- und Umweltforschung 3/2012
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5.) W. Wagner, M. Spörk-Dür, R. Lechner, J. Suschek-Berger, Herausgeber: bm:vit
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6.) M. Ploss, M. Brunn, D. Bachner, K. Leutgöb, B. Jörg
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Ob und in welchem Ausmaß das tatsächlich der Fall ist und sein kann, ist aktuell Gegenstand zahlreicher Diskussionen, Überprüfungen und Vergleichsrechnungen. Allein in Öster­reich wurden zu diesem Thema zahlreiche umfangreiche und sehr differenzierte Arbeiten verfasst. Es wurde eine Vielzahl von Anlagen im Betrieb untersucht und vermessen. Es wurden Bewohner befragt, Lufthygiene untersucht, Energieverbräuche und Raumklima gemessen und Kosten analysiert. (s. Literaturtipps 1–5). Und es wurden in theoretischen Studien die Potenziale dieser Technologie ermittelt, in wirtschaftlicher, energetischer und klimaschutzbezogener Hinsicht. (s. Literaturtipps 6)

Mechanische Lüftung reicht
Angesichts dieser Erkenntnislage erachte ich es als gegeben, dass mechanische Wohnraumlüftungsanlagen, sorgfältige Planung und Ausführung immer vorausgesetzt, die Ziele hinsichtlich Gesundheit und Wohlbefinden vollständig erfüllen: Sie senken die Schadstoffkonzentrationen in der Raumluft. Sie verhindern nachweislich die Gefahr von Schimmelbefall von Hüllflächen. Mit sorgfältiger Planung und Ausführung können Beeinträchtigungen wie Zugluft, störende Geräusche oder trockene Luft verlässlich vermieden werden. Wieder bei entsprechender Planung und Ausführung sind sie außerdem chemikalienfrei zu reinigen (s. Literatur 1–3).
Hinsichtlich der ökologischen Ziele liegt wiederum gut belegte Evidenz vor, dass, sorgfältige Planung und Ausführung weiterhin vorausgesetzt, Wohnraumlüftungsanlagen in der überwiegenden Zahl der möglichen Haustechnikkonstellationen die erwartete Reduktion des Endenergieeinsatzes, des Primärenergieeinsatzes und der CO2-Emissionen bewirken. In einzelnen dieser Kategorien können Ausnahmen entstehen, zum Beispiel hinsichtlich CO2-Emissionen, wenn die Wärmebereitstellung der Heizung mit Biomasse, oder hinsichtlich CO2-Emissionen und Primärenergie, wenn die Wärmebereitstellung der Heizung mit Fernwärme aus hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung erfolgt.

Hinsichtlich der finanziellen Wirtschaftlichkeit erhärtet sich das Bild, wonach sich die Investition in eine mechanische Wohnraumlüftung, auch bei sorgfältiger Planung und Ausführung, allein durch die Einsparung von Heizenergie nicht refinanziert, sondern die Anlage insgesamt, in der Summe von Inves­titionskosten, Betriebskosten und eingesparten Heizkosten, ein Kostenfaktor und keine Kostenreduktion ist. Die aktuellen Studien zur Kostenoptimalität von Anforderungsniveaus geben diese verbleibenden Kosten in einer meist 30-jährigen Betrachtung mit 40 – 60 EUR/kWh/m.NF an, was unter der Annahme einer Nutzfläche von 30m. pro
Person einer finanziellen Belastung von ca. 5 € pro Person und Monat entspricht (s. Literaturtipp 6).

Effizient, leise, langlebig
Persönlich ziehe ich folgende Schlüsse:
  • Eine mechanische Wohnraumlüftung ist, sorgfältig geplant und ausgeführt, eine wirkungsvolle Maßnahme zur Sicherstellung einer hohen Luftqualität bei gleichzeitig aufrechtem Schallschutz, was insbesondere in städtischen Wohnumgebungen ein wichtiger Bestandteil des Wohnkomforts und der Wohngesundheit ist.
  • Beobachtete Mängel wie Zugluft, störende Geräusche oder trockene Luft lassen sich immer auf Planungs- oder Ausführungsfehler, inklusive falscher Einregulierung, zurückführen und sind daher vermeidbar.
  • Mechanische Wohnraumlüftungen müssen regelmäßig gewartet, kontrolliert und bei Bedarf gereinigt werden. Werden sie das nicht, besteht tatsächlich die Gefahr, dass sich die lufthygienischen Vorzüge in das Gegenteil wandeln. Das Projekt ZUKOLÜ /3/ gibt zur Reinigung sehr konkrete Anleitungen.
  • Mechanische Wohnraumlüftungen, sorgfältig geplant und ausgeführt, verringern den Heizwärmebedarf in unserem Klima um 15 bis 20 kWh/m²a. Sie sind damit in den überwiegenden Fällen haustechnischer Konstellationen eine energetisch und ökologisch sehr sinnvolle Investition.
  • Mechanische Wohnraumlüftungsanlagen sind insgesamt, in einer z.B. 30-jährigen Bilanz von Investitionskosten, Betriebskosten und eingesparten Heizkosten, ein Kostenfaktor in der Größenordnung von 40 – 60 EUR/kWh/m²NF oder von 5 EUR pro Person und Monat.
  • Wohnraumlüftungsanlagen dürfen nie als Ersatz sorgfältig geplanter und funktional angeordneter, zu öffnende Fenster eingesetzt werden. Letztere bleiben unverzichtbar, etwa hinsichtlich des unmittelbar erlebbaren Außenraumkontakts und hinsichtlich der hohen erforderlichen Luftwechsel für die kühlenden Effekte von Lüftung.
  • Entwicklungspotenziale sehe ich in der Umsetzung von konsequent einfachen und auch hinsichtlich der Luftmengen schlank dimensionierten Anlagentypen. In Lagen mit guter Außenluft und ohne Lärmbeeinträchtigung kann auch automatisch unterstützte Fassadenlüftung eine wertvolle Alternative oder Ergänzung sein.

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