Am 20. Oktober 2026 zeigte der ORF-„Report“ den Beitrag „Wie Windkraftgegner durch Österreich touren“. Er begleitet eine Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Königswiesen. Die oberösterreichische „Bürgerinitiative Sandl“ war dabei und wunderte sich: „Wir fokussieren auf den Aufbau der Sendung: Dieser lenkt das Urteil der Zuseher schon, bevor ein Argument gefallen ist.“ Der ORF verfehle seinen Programmauftrag der ausgewogenen Berichterstattung bei dieser Sendung deutlich.
Wir haben im Namen von energie-bau.at um eine Stellungnahme des Report-Teams bei dessen Leiterin Eva Linsinger angefragt, erhielten aber keine Antwort. Wir werden sie gerne nachrechen, falls sie (nach Urgenz) vielleicht einmal eintrifft.
Hier die Beobachtungen der BI Sandl zu der Sendung:
„Durch Österreich touren“ suggeriert eine organisierte Wanderbewegung. Gezeigt wird eine einzige Veranstaltung der Bürgerinitiative Königswiesen. Diese Initiative ist ausschließlich in ihrer eigenen Gemeinde tätig und tourt sicher nicht durch das Land. Auch der Gastredner kam nicht auf eigene Faust: Er wurde von der Bürgerinitiative eingeladen. Im Beitrag sagt der Initiator, man habe sich „Hilfe von außen“ geholt. Eine Einladung wird so zur Tournee.
Bereits im Vorspann wird die Aussage, eine Gefährdung sei nicht auszuschließen, unmittelbar durch ein „mit Sicherheit ausschließen“ gekontert. So geht es durch die ganze Sendung: Vertreter der Bürgerinitiative und Gastredner kommen nur in kurzen Ausschnitten vor, danach sprechen Umweltmediziner, Windbranche und Faktenchecker ausführlich. Bürgerinitiative und Gastredner wurden weniger als zwei von knapp dreizehn Minuten Sendezeit zugestanden. Inwieweit wird der ORF dabei seinem Auftrag zu objektiver und unparteilicher Berichterstattung sowie zur Berücksichtigung der Meinungsvielfalt gerecht?
„Szene“, „Gegnerszene“ und „Verhinderer“
Betrachte auch die Wortwahl im Beitrag: Kritiker von Windkraft werden durchgehend als „Szene“, „Gegnerszene“ und „Verhinderer“ bezeichnet, ihre Anliegen als „Narrative“ und „Desinformation“ bezeichnet. Ein Vertreter der Windbranche spricht vom „Wanderzirkus“. Wie klänge es dagegen, wenn von Umweltschützern, von Menschen, denen ihr Lebensraum wichtig ist, und von ihren Sorgen die Rede wäre?
Auch die Tonebene arbeitet mit: Die Aussagen des Gastredners werden mit einer Musik unterlegt, die an Zirkus oder Slapstick erinnert. Noch bevor ein Wort verstanden wird, sagt die Musik: Das ist nicht ernst zu nehmen. Zudem dauerte der Informationsabend rund drei Stunden, wohingegen sich der Report-Beitrag auf einen einzelnen Aspekt aus einer Fülle an Inhalten fokussiert. Alle anderen Aspekte werden zu 100 % ausgeblendet.
Der Initiator der Bürgerinitiative sagt im Beitrag, er wolle nicht in die Verschwörungs- oder rechte Ecke geschoben werden. Danach spricht ein Faktenchecker von „Corona-Protestszene“, „Telegram-Gruppen“ und „Verschwörungstheorien“. Ein Beleg für irgendeine Verbindung zur Bürgerinitiative Königswiesen wird nicht geliefert.
Das überlassen wir schon des Zusehers Kopf. Auf YouTube wird die Unterstellung sogar ausdrücklich gemacht: Dort wurde derselbe Beitrag unter dem Titel „Gestern gegen Corona – heute gegen Windkraft? Der Wanderzirkus der Windrad-Gegner“ veröffentlicht. Das trifft auf die Bürgerinitiative Königswiesen nicht zu: Sie besteht aus Menschen aus der Gemeinde, ist dort tätig und war zu Zeiten von Corona nicht mal existent. Hier wird schlichtweg schamlos stigmatisiert.
Die Windbranche, vertreten durch Windkraft Österreich, tritt als Informationsquelle auf. Ihre Zahl, 16 Projekte seien verhindert worden, bleibt ungeprüft. Vielleicht waren sie auch nicht genehmigungsfähig, weil dank engagierter Bürgerinitiativen genau hingesehen wurde? Das bleibt genauso ungeprüft. Auch das immense wirtschaftliche Interesse der Mitglieder, die sie vertritt, wird in keiner Silbe angesprochen.
Windkraft-Subventionszirkus aus PR-Agenturen, Beratern, Lobbyisten, Keilern und Windparkinvestoren
Man stelle sich diesen Beitrag im Report einmal auf den Kopf gestellt vor: ein Windkraft-Subventionszirkus aus PR-Agenturen, Beratern, Lobbyisten, Keilern und Windparkinvestoren, der von Gemeinde zu Gemeinde durch Österreich zieht, um Fördergelder abzuschöpfen und sich dabei als energetischer Heilsbringer anbiedert.
Der PR-Chef der Windkraftbranche bekommt fünf Sekunden Sendezeit für einen Halbsatz, bevor ein emeritierter Professor der Ökonomie minutenlang anhand von Grafiken ausführlich erklärt, wie durch Windkraft „Steuergelder verbrannt“ werden. Investoren werden als Land-Rover-affine Renditejäger zwischen Hirschgeweihen und Jagdgewehren porträtiert, die mit steuerfinanzierten Garantiepreisen ihre fetten Portfolios 20 Jahre lang auf den Cayman-Inseln auffüllen, auf Kosten der Allgemeinheit.
Im Hintergrund hört man die Registrierkasse klingeln, bevor der Privatjet quer durchs Bild Richtung Seychellen abhebt. Während ein Befürworter von „grüner Zukunft“ spricht, werden Bilder von Vogelschlag, Rodungsarbeiten in grünen Urwäldern, Betonfundamenten und Kinderarbeit für Rohstoffabbau für die Generatoren eingespielt, unterlegt mit düsterer Musik. Wie objektiv ist diese Inszenierung?
Fazit: Wer berechtigte Fragen stellt, soll ernst genommen werden und nicht medial gebrandmarkt werden, um jeden Diskurs auf Augenhöhe im Keim zu ersticken. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat einen gesetzlichen Auftrag zu ausgewogener, objektiver Berichterstattung. Nach Erleben dieses Beitrages im Report bleibt die Frage, wie das passieren konnte. Denn eine lebendige Demokratie lebt vom kritischen Diskurs und dem Ringen um den besten Weg – nicht von der Stigmatisierung abweichender Meinungen. (Bürgerinitiative Sandl)
Quelle: Website der Bürgerinitiative Sandl (OÖ)



