Diskussion - 24.05.2018
Fünf ExpertenInnen diskutierten Dienstagabend über ein CO2-freies Wien der Zukunft. Eine Wunderlösung gibt es nicht. Aber mehrere kleine.
Für die ExpertInnen ist klar: Es ist möglich, aber es ist viel zu tun.Foto: Starmühler

Dienstagabend präsentierte Wien Energie eine neue Studie, die belegt, wie viel getan werden muss, damit die Stadt Wien im Jahr 2050 komplett karbonfrei werden kann (energie:bau hat berichtet).

Kernpunkt dieser Veranstaltung war die Podiumsdiskussion mit Werner Boote (Aktivist, Regisseur und Autor, jüngster Film „The green lie“), Leonore Gewessler (Geschäftsführerin von GLOBAL 2000), Claudia Kemfert (Leiterin Energie, Verkehr, Umwelt; Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung), Josef Plank (Generalsekretär im Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus), und Michael Strebl (Vorsitzender der Geschäftsführung, Wien Energie).

Keine Wunderlösung
Dieses Podium aus ExpertenInnen stellte sich den Fragen von Presse-Redakteur Matthias Auer sowie des Publikums. Bei einem waren sich alle einig. Strebl fasst zusammen: „Es gibt nicht die eine Wunderlösung. Nur eine gute Kombination aus Umsetzungen.“

Damit bezieht sich der Vorsitzende der Geschäftsführung der Wien Energie nicht nur auf Änderungen in den Bereichen Wärme, Mobilität und Strom. Auch in den einzelnen Bereichen wird man verschiedenste Zugänge kombinieren müssen, wenn man Erfolg haben will. Er sieht dementsprechend auch nicht nur die Energieversorger in der Verantwortung, sondern vor allem auch die Politik: „Wir wollen erneuerbare Energie und damit das geht, brauchen wir Rahmenbedingungen.“

Mutige PolitikerInnen
Josef Plank beteuert dazu, dass man an der Klimastrategie arbeite und auch das Feedback der diversen Seiten gehört habe. Er weist aber darauf hin, dass man nicht alles ganz genau durchdeklinieren könne: „Es wird eine sehr kompakte Strategie sein, die von Bund und Ländern getragen wird.“

Diese Unklarheiten sind laut Leonore Gewessler aber genau das Problem der Strategie: „Ihr fehlt es an Ambitionen, konkreten Zielen, Maßnahmen und Verantwortlichkeiten.“ Sie fügt an: „Sie wird für eine komplette Dekarbonisierung nicht reichen.“

Ein Punkt, bei der ihr Werner Boote zustimmt: „Man braucht für die Energiewende mutige Politiker.“ Das sind für ihn jene Damen und Herren, die sich auch mal für etwas entscheiden, das nicht der Mehrheit entspricht.

Ganz oder gar nicht
Das entspricht auch den Vorstellungen von Claudia Kemfert, die klare Regulierungen fordert. Außerdem „müssen wir Förderungen für Speicher-Technologie und Elektromobilität schaffen.“ Und auch vor den Kosten solle man nicht zurückschrecken, denn: „Das sind Investitionen!“

Auch zu den Plänen der Wien Energie selbst hat das Panel und das Publikum einige Wort zu verlieren. Einerseits lobt man hier zwar den zukunftsgerichteten Geist des Energieversogers, will aber keine Ausflüchte sehen. Als Strebl darüber spricht, das es Back-Up-Gaskraftwerke brauche, korrigiert ihn Kemfert: „Diesen Mythos kennen wir zu Genüge. Ein 100 %iges System aus Erneuerbaren braucht keine fossilen Energien.“ Sie verweist auf Möglichkeiten aus Bio-Gas, Wärmepumpen und Speicher, um die Spitzen zu überbrücken.

Die Leute einbinden
Plank spricht schließlich auch an, dass man die Veränderungen nicht durchbringen könne, wenn man die Bevölkerung nicht dabeihabe. „Wir müssen am Wording drehen“, verlangt er deshalb. Man solle die Leute einbinden und ihnen nicht das Gefühl geben, man nehme ihnen etwas weg.

Das passt aber nicht ganz zum Bild, das Leonore Gewessler zur Akzeptanz der Energiewende hat: „Die Bevölkerung ist laut Umfragen weiter als die Politik.“ Es müsse also nur noch umgesetzt werden.

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