Medien - 08.08.18
Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin
Kürzlich brannten in Südkorea in kurzer Zeit 30 Dieselfahrzeuge einer renommierten deutschen Automarke ab. Das gibt jetzt Stunk mit dem Transportministerium. Und was hat das mit Elektrofahrzeugen zu tun?
Ein brennendes Diesel-Auto ist egal. Ein brennendes E-Auto ist ein Story. Das passt nicht. Foto: pxhere

Konkret handelte es sich um 30 Brandvorfälle mit BMW-Modellen, am stärksten betroffen sei das Modell 520d gewesen. Laut der Agentur dpa führte der BMW-Korea-Chef Kim Hyo Joon die Ursache für die Brände auf einen Defekt beim Abgasrückfuhr-Kühlsystem zurück. Unklar blieb, warum genau sich zahlreiche Feuer an den Anlagen in diesem Jahr gerade in Südkorea ereignet hatten. Medien nannten etwa 30 Vorfälle unter sämtlichen BMW-Modellen. Die Abgasrückführung (AGR) ist eine der wichtigsten Methoden zur Reduzierung der Stickoxid-Emissionen von Dieselmotoren.

BMW ruft nun 100.000 Fahrzeuge zur Untersuchung zurück. Auch das Transportministerium hat sich eingeschaltet und fordere Aufklärung, ob das denn früh genug geschehen sei.

Und was hat das mit Elektro-Autos zu tun? Viel. Denn es zeigt, dass gerne mit zweierlei Maß gemessen wird, wenn es darum geht, die Elektromobilität zu beschädigen: Immer wenn irgendwo auf der Welt auch nur ein einziges E-Auto brennt, womöglich ein Tesla, berichten Medien ausführlich darüber. Bei Diesel-Verbrennern, im wahrsten Sinn des Wortes, wird normalerweise kein großes Aufheben gemacht.

Komisch eigentlich. Denn die Zahlen sprechen für sich: Laut der deutschen Auto-Zeitung brennen allein in Deutschland pro Jahr etliche der fossil betriebenen Diesel- oder Benzin-Fahrzeuge. Und zwar 40 Autos PRO TAG! 15.000 pro Jahr. Allein in Deutschland.

Statistisch lassen sich diese Vorkommnisse noch weiter relativieren, wie dies Martin Winter vom Forschungszentrum Jülich, Helmholtz-Institut Münster, beim Wiener Motorensymposium 2017 vorgerechnet hat (Quelle: Auto-Revue): Beim klassischen Verbrennungsmotor gelten 90 Fahrzeugbrände pro einer Milliarde gefahrener Kilometer als normal. Rechnet man sechs abgebrannte Teslas auf ihre 3 Milliarden zurückgelegten Kilometer um, kommt man auf nur zwei Brände pro einer Milliarde Kilometer.

Brandtechnisch sind also Elektroautos 30 mal sicherer als Verbrenner. Statistisch jedenfalls.

Übrigens: Das Abgasrückfuhr-Kühlsystem kann bei einem Elektroauto nicht brennen, weil es das Teil dort gar nicht gibt.

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur, Energieeffizienz und Mobilität, u. a. energie:bau, e:mobil und holzmagazin. Als seit Jahren leidenschaftlicher Tesla-Fahrer und Sonnenenergie-Empfänger ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

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