Umdenken - 12.06.2018
Kommentar von Herbert Starmühler
Herausgeber energie:bau Magazin
Privat gefahren, dienstlich eingesetzt: Schnell würden die Gemeindeoberen dessen Vorzüge genießen – und die E-Autos in der Gemeinde ernsthaft fördern.
"Eine Gemeinde muss Vorbildwirkung übernehmen", sagt auch Kilian Tschabrun, Bürgermeister der Gemeinde Zwischenwasser, die seit sieben Jahren auf E-Mobilität setzt. Foto: Markus Gmeiner

Die Gemeinden sind extrem gefordert, wenn es um die Verkehrswende geht. Gehen wir einmal davon aus, dass hier Konsens herrscht: Der Verkehr, die Mobilität sollte sehr schnell umgebaut werden, um den Klimakollaps noch zu verhindern. Okay? Können wir uns soweit einigen?

Gut, dann ist der nächste Schritt logisch: Weg mit Dieselautos und Benzinern! So schnell wie möglich. So vollständig wie möglich. Da können die Manager der Autokonzerne, die sich in Deutschland beim Untersuchungsrichter derzeit die Türschnalle in die Hand geben, Stichwort: Abgas-Betrügereien, zetern und lamentieren, was sie wollen.

Die Alternative ist da: Elektrofahrzeuge, deren Batterien mit dem Strom aus erneuerbaren Energien geladen werden.

Was hindert also die Gemeindevertreter und Bürgermeisterinnen landauf landab Vollgas bei der Umsetzung der E-Mobilität zu geben? Nichts. Und warum tun sie es dann nicht? Sagen wir es vorsichtig: Sie haben es noch nicht ganz geschnallt. Denn wenn man die „Meilensteine“ anschaut, die da so gesetzt werden, dann wendet sich das Mobilitätsblatt erst in hundert Jahren und wir sind alle tot.

Ladestelle als Umwelt-Erfolg
Das Beispiel der Ladestationen ist symptomatisch: Anstatt an jeder nur erdenklichen Ecke der Gemeinde Stromzapfstellen zu errichten – billige, langsame, schnellere, teurere, ganz tolle – wird EINE Ladestelle errichtet und in der Gemeindezeitung samt Foto als DER Umwelt-Erfolg gefeiert. Sagen Sie, Herr Bürgermeister (ich hab da gerade einen bestimmten Herrn im Auge): Für wie einfältig halten Sie uns? Sollen wir dazu applaudieren? Oder wissen Sie es einfach nicht besser, wie man die Verkehrswende voranbringt? Dann ist gut gemeint nicht genug! Dann sollten Sie sich beraten lassen, es gibt genügend Fachleute, die Ihnen erklären können, wie das funktioniert.

E-Autos für Gemeinden
Wahrscheinlich wäre es aber die beste Förderung der Bundesregierung, wenn man jedem Bürgerchef, jeder Bürgermeisterin in Österreich ein E-Auto schenkt, mit der Verpflichtung, das Ding privat und dienstlich, also fortwährend zu nutzen. Macht als Investition 40 Millionen Euro einmalig aus, sollte also leistbar sein. Dann würden die 2.000 Gemeindeobersten sehr schnell die Vorzüge genießen und in der Gemeinde Gas geben. Mit allerlei Förderungen für die E-Mobilität und für die Lademöglichkeiten in und an Gebäuden in der Gemeinde. Und natürlich mit einem Zurückdrängen und mit Verboten für die CO2-Schleudern und Stickoxid-Verbreitern.

Übrigens, weil gerade gemeldet: In London wird die „Ultra-Low-Emmission-Zone“ deutlich ausgeweitet. Die Verbote kommen früher, sie werden schärfer und für hunderttausende Autos todbringend sein.

Herbert Starmühler

Dr. Herbert Starmühler

Herausgeber energie:bau Magazin

ist Herausgeber verschiedener Fachmagazine im Bereich Technik, Architektur, Energieeffizienz und Mobilität, u. a. energie:bau, e:mobil und holzmagazin. Als seit Jahren leidenschaftlicher Tesla-Fahrer und Sonnenenergie-Empfänger ist der Journalist jederzeit für innovative Ideen zu begeistern und holt sich beim Networken gerne Inspiration für neue Projekte.

Kommentare  

#1 Max Pfefferle 2018-06-15 11:28
nachdem der Starmühler "leidenschaftli cher" Tesla-Fahrer ist, gehe ich mal davon aus, daß er nur für sich eine bessere Infrastruktur der Ladestationen erreichen will. Ferner würde mich interessieren wie er auf die 40 Mio Anschaffungskos ten bei 2098 Gemeinden kommt.
Frage an den e:mobil-Spezial isten : Für wie viele Akkus reichen die Lithium-Ressour cen ??

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